"Wegen Rückenwind", sagt der Mann am Fenster.
Seine Frau flüstert, nachdem die Maschine abgebremst hat und das letzte "O lieber Gott" über ihre Lippen kam: "Mich bekommen keine zehn Teufel mehr in so ein Ding."
Damit hat sie endgültig den Himmel verlassen und den einen Gott gegen zehn Teufel getauscht und außerdem den Rest des Urlaubs für den Mann versaut.
Der sagt mit männlicher Endgültigkeit: "Der Rückflug ist gebucht und bezahlt."
Sie sagt: "Dann hast Du sinnlos Geld zum Fenster hinausgeschmissen."
Ich denke: O lieber Gott!
Dann gelingt es mir zum Glück, meinen Rucksack zu angeln und mich in die dicht gedrängt und drängelnd entbordenden Passagiere einzureihen.
Dann gelingt es mir zum Glück, meinen Rucksack zu angeln und mich in die dicht gedrängt und drängelnd entbordenden Passagiere einzureihen.
"Aufwiedersehn." sagt die Flugbegleiterin mit dem selben Lächeln, mit dem sie das labbrige Pseudo-Sandwich servierte und die 2.50 €uro für den Kaffee mit Trockenmilch im Pappbecher kassierte. Ich lächle zurück und sage: "So Gott will.", was sie mit dem kurzzeitigen Zusammenbruch ihres Lächelns quittiert.
Hinter mir höre ich eine Kinderstimme sagen: "Vater, der Mann hat den Namen Gottes missbraucht."
Ich bin der Erste bei der Passkontrolle!
Als Wenig- oder höchst selten ins reisepasslandpflichtige Auslandreisender bekomme ich meine gestempelte Einreisebescheinigung und verstaue sie sorgfältig hinter meinem Personalausweis. Es kann, angeblich, höchst unangenehme Folgen haben wenn man sie verliert. Der Busbegleiter bei meinem Besuch im November sagte, scherzhaft?, "Wenn sie die nicht haben, bekommen sie eine mehrwöchige Verlängerung ihres Aufenthalts auf Staatskosten." Und Jeder weiß, seit dem Film "Midnight Express" (Deutscher Titel, wer hätte das gedacht, nicht etwa "Verschollen und vergessen im türkischen Gefängnis", sondern "Mitternachtsexpress") dass der Aufenthalt in türkischen Gefängnissen kein Honigschlecken ist, außer für Hardcoremasochisten!
Mein auffälliger Koffer, extra so gekauft, um ihn von Weitem zu erkennen, rollt als einer der ersten vom Band. Das werte ich als gutes Omen. Denn ...
Hier wird ein Rückblende dringend nötig.
"Wenn der Rest der Menschheit vertraut, zweifelt der Deutsche." Sollte es dieses Zitat noch nicht geben, meinetwegen auch in abgewandelter Form, möchte ich es hiermit in den Raum stellen. Der Deutsche ist der geborene Zweifler. Deshalb macht er so viele historische Fehler. Er zweifelt an Wotan und wird Christ. Er zweifelt an sich selbst und wird Faschist. Keins von Beiden hat ihn auf eine höhere menschliche, oder kulturelle Stufe gehoben, nur seine Zweifel bestätigt und vergrößert, und ihn als unzuverlässig abgestempelt. Wer sich umfassender mit diesem Thema befassen möchte, wird im Net viel darüber finden. Mir geht es, ehrlich gesagt, am Arsch vorbei, ich brauchte nur einen Einstieg in das was mir eigentlich ein bisschen peinlich ist.
Ich zweifelte, noch bei der Ankunft in Antalya, an der Bonität meiner Reservierung.
Diese war, wie irgendwo in einem der vorherigen Kapitel kurz angesprochen, spontan während meines Aufenthalts im Royal Wings Hotel im Vorjahr, im Dezember, zustande gekommen. Spontan deshalb, weil ich eigentlich gar nicht wusste, ob ich noch einmal und für längere Zeit in die Türkei kommen wollte. ... Aber das ist wirklich nicht mehr von Belang.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich ein extrovertierter Mensch bin, der auf die Dinge zugeht, sie anpackt und zurechtbiegt. Im Gegenteil, ich warte ab, trinke nicht einmal Tee dabei, aus Angst ich könnte ihn verschütten, und lasse die Dinge sich selbst zurechtbiegen. Sie tun es dann auch immer, auf die eine oder andere Art und ich frage mich dann schon, warum ich mich anstrengen soll, wenn sowieso alles von sich aus geschieht. Zen funktioniert, glaube ich, so oder so ähnlich.
Meiner Natur zum Trotz fragte ich eines Tages an der Rezeption, ob es möglich wäre, direkt vor Ort eine Reservierung für einen Aufenthalt im nächsten Jahr zu buchen. Das wurde positiv beantwortet und mir der Name eines Gesprächspartners genannt, den ich am nächsten Morgen kontaktieren könne. Dieser Gesprächspartner war am nächsten Morgen nicht zu erreichen, dafür ...
Also gut, ich trug mein Anliegen dem Front Office Manager vor und wir einigten uns auf Zeitdauer, 49 Tage, und Preis, ... geht niemand was an, und ich hatte eine Reservierung. Bona fide. Aber ohne Beleg oder Dokument. Einfach so, vom Mund zum Ohr.
Das ist der Orient, sagte mein an Tausend und eine Nacht geschulter kosmopolitischer Geist.
Das ist absolut nicht Ernst zu nehmen, sagte der Deutsche in mir.
Ich hatte noch nicht einmal das Büro des netten Front Office Managers verlassen, als ich schon zweifelte. Man hatte mir einen Ausdruck mit Bankverbindungen ausgehändigt, damit ich eine Anzahlung machen könnte, wenn es mir denn mit der Reservierung wirklich Ernst wäre ... Einerseits empfand ich diese Leichtigkeit des Seins sehr erfrischend, menschenfreundlich und glaubhaft, andererseits belastete mich die unterschriftenlose Ungewissheit mehr als ich jetzt zugeben möchte.
Ich zweifelte auf hohem Niveau. Was wenn ...? Dass ich, so bald ich in Deutschland war, den mündlich vereinbarten Gesamtbetrag sofort auf eines der mir genannten Konten überwies, geschah nur in der Hoffnung, dass ich dann eine schriftliche Bestätigung unseres "Vertrags" erhalten würde. Fehlanzeige. Es sei alles in Ordnung, wie besprochen, bekam ich als freundliche Antwort auf meine von unterdrückter Panik diktierter E-Mail Anfrage.
Ich wagte nicht, dies meinen Freunden mitzuteilen, die immer wieder fragten: "Hast Du auch alles schriftlich?"
"Ja. Ich habe die Bestätigung per E-Mail bekommen." antwortete ich. Das war ja nicht gelogen. Aber war diese Bestätigung etwas wert? Ich zweifelte.
Auch der Transfer vom Flughafen zum Hotel, ich reiste ja "privat" an, wurde mir vom FOM (Front Office Manager) per Rent-a-car arrangiert und zugesichert. Konnte ich dem glauben? Ich zweifelte und schickte ein Konterfei, heute heißt das Pic, von mir, damit man es dem Rent-a-car Fahrer, falls es diesen wirklich geben sollte, aushändigen konnte. Ich zweifelte.
Eine Zeitlang habe ich ja an Gott gezweifelt, sogar bis zu dem Punkt, dass ich aus der Kirche austrat. Es muss IHN sehr gekränkt haben.
So sehr zweifelte ich nun an dem Zustandekommen meines Aufenthaltes im Royal Wings Hotel. Sogar noch in dem Augenblick als ich meinen Koffer hoffnungsvoll auf den menschenleeren Vorplatz des Flughafens hinaus rollte. Und ich fand alle meine Zweifel bestätigt! Es war niemand da der mich abholen wollte!
Ich kenne Panikattacken aus intensivster eigener Erfahrung. Ich bekam keine. Warum nicht? Keine Ahnung. Ich dachte nur: Warte halt noch ein Weilchen. Und dann kam dieser gutaussehende junge Mann auf mich zu, in einer Hand einen DIN-A4 Zettel mit ROYAL WINGS HOTEL aufgedruckt und in der anderen, im selben Format, mein Passbild, das ich gemailed hatte und auf dem ich wenig vorteilhaft aussehe.
Alle Zweifel waren umsonst gewesen. Die türkische Art die Dinge zu erledigen, ist einfach nur geradliniger als die deutsche, weniger bürokratisch, dafür direkt auf den Mensch bezogen. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich mag es glauben.
Die Sonne schien, es waren 23 Grad im Windschatten, die Palmen rauschten mit ihren verstaubten, graugrünen Blattwedeln ... Na ja, ich hörte kein Rauschen, bilde es mir jetzt aber ein. Das ist das gute an Erinnerungen, sie können so schön falsch und trotzdem wahr sein.
Ab hier ist alles schön, wahr und falsch, wie im Märchen. So habe ich es erlebt und so soll es sein!
Ich war ja erst zum dritten Mal im Hotel Royal Wings, aber als ich die Eingangshalle betrat, mit dem Flügelmotiv auf dem Fussboden, war mir, als käme ich heim. Hätte ich eine schöne Sopranstimme, wäre sicher Elisabeths: "Dich teure Halle grüß ich wieder" aus Richard Wagners "Tannhäuser" aus mir herausgebrochen. Diese Peinlichkeit blieb allen Beteiligten erspart!
Man erkannte mich noch von meinem letzten Besuch an der Rezeption. Der Empfang war herzlich, wenn auch nicht überschwänglich. Ich war ja schließlich in Antalya und nicht in Wien.
Das Zimmer war perfekt: 8. Stock, Meerblick. Ich zog die Vorhänge zurück, öffnete die Balkontür und atmete tief durch:
SIEBEN WOCHEN IN ANTALYA!
Dann musste ich auf die Toilette.
Hier wird ein Rückblende dringend nötig.
"Wenn der Rest der Menschheit vertraut, zweifelt der Deutsche." Sollte es dieses Zitat noch nicht geben, meinetwegen auch in abgewandelter Form, möchte ich es hiermit in den Raum stellen. Der Deutsche ist der geborene Zweifler. Deshalb macht er so viele historische Fehler. Er zweifelt an Wotan und wird Christ. Er zweifelt an sich selbst und wird Faschist. Keins von Beiden hat ihn auf eine höhere menschliche, oder kulturelle Stufe gehoben, nur seine Zweifel bestätigt und vergrößert, und ihn als unzuverlässig abgestempelt. Wer sich umfassender mit diesem Thema befassen möchte, wird im Net viel darüber finden. Mir geht es, ehrlich gesagt, am Arsch vorbei, ich brauchte nur einen Einstieg in das was mir eigentlich ein bisschen peinlich ist.
Ich zweifelte, noch bei der Ankunft in Antalya, an der Bonität meiner Reservierung.
Diese war, wie irgendwo in einem der vorherigen Kapitel kurz angesprochen, spontan während meines Aufenthalts im Royal Wings Hotel im Vorjahr, im Dezember, zustande gekommen. Spontan deshalb, weil ich eigentlich gar nicht wusste, ob ich noch einmal und für längere Zeit in die Türkei kommen wollte. ... Aber das ist wirklich nicht mehr von Belang.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich ein extrovertierter Mensch bin, der auf die Dinge zugeht, sie anpackt und zurechtbiegt. Im Gegenteil, ich warte ab, trinke nicht einmal Tee dabei, aus Angst ich könnte ihn verschütten, und lasse die Dinge sich selbst zurechtbiegen. Sie tun es dann auch immer, auf die eine oder andere Art und ich frage mich dann schon, warum ich mich anstrengen soll, wenn sowieso alles von sich aus geschieht. Zen funktioniert, glaube ich, so oder so ähnlich.
Meiner Natur zum Trotz fragte ich eines Tages an der Rezeption, ob es möglich wäre, direkt vor Ort eine Reservierung für einen Aufenthalt im nächsten Jahr zu buchen. Das wurde positiv beantwortet und mir der Name eines Gesprächspartners genannt, den ich am nächsten Morgen kontaktieren könne. Dieser Gesprächspartner war am nächsten Morgen nicht zu erreichen, dafür ...
Also gut, ich trug mein Anliegen dem Front Office Manager vor und wir einigten uns auf Zeitdauer, 49 Tage, und Preis, ... geht niemand was an, und ich hatte eine Reservierung. Bona fide. Aber ohne Beleg oder Dokument. Einfach so, vom Mund zum Ohr.
Das ist der Orient, sagte mein an Tausend und eine Nacht geschulter kosmopolitischer Geist.
Das ist absolut nicht Ernst zu nehmen, sagte der Deutsche in mir.
Ich hatte noch nicht einmal das Büro des netten Front Office Managers verlassen, als ich schon zweifelte. Man hatte mir einen Ausdruck mit Bankverbindungen ausgehändigt, damit ich eine Anzahlung machen könnte, wenn es mir denn mit der Reservierung wirklich Ernst wäre ... Einerseits empfand ich diese Leichtigkeit des Seins sehr erfrischend, menschenfreundlich und glaubhaft, andererseits belastete mich die unterschriftenlose Ungewissheit mehr als ich jetzt zugeben möchte.
Ich zweifelte auf hohem Niveau. Was wenn ...? Dass ich, so bald ich in Deutschland war, den mündlich vereinbarten Gesamtbetrag sofort auf eines der mir genannten Konten überwies, geschah nur in der Hoffnung, dass ich dann eine schriftliche Bestätigung unseres "Vertrags" erhalten würde. Fehlanzeige. Es sei alles in Ordnung, wie besprochen, bekam ich als freundliche Antwort auf meine von unterdrückter Panik diktierter E-Mail Anfrage.
Ich wagte nicht, dies meinen Freunden mitzuteilen, die immer wieder fragten: "Hast Du auch alles schriftlich?"
"Ja. Ich habe die Bestätigung per E-Mail bekommen." antwortete ich. Das war ja nicht gelogen. Aber war diese Bestätigung etwas wert? Ich zweifelte.
Auch der Transfer vom Flughafen zum Hotel, ich reiste ja "privat" an, wurde mir vom FOM (Front Office Manager) per Rent-a-car arrangiert und zugesichert. Konnte ich dem glauben? Ich zweifelte und schickte ein Konterfei, heute heißt das Pic, von mir, damit man es dem Rent-a-car Fahrer, falls es diesen wirklich geben sollte, aushändigen konnte. Ich zweifelte.
Eine Zeitlang habe ich ja an Gott gezweifelt, sogar bis zu dem Punkt, dass ich aus der Kirche austrat. Es muss IHN sehr gekränkt haben.
So sehr zweifelte ich nun an dem Zustandekommen meines Aufenthaltes im Royal Wings Hotel. Sogar noch in dem Augenblick als ich meinen Koffer hoffnungsvoll auf den menschenleeren Vorplatz des Flughafens hinaus rollte. Und ich fand alle meine Zweifel bestätigt! Es war niemand da der mich abholen wollte!
Ich kenne Panikattacken aus intensivster eigener Erfahrung. Ich bekam keine. Warum nicht? Keine Ahnung. Ich dachte nur: Warte halt noch ein Weilchen. Und dann kam dieser gutaussehende junge Mann auf mich zu, in einer Hand einen DIN-A4 Zettel mit ROYAL WINGS HOTEL aufgedruckt und in der anderen, im selben Format, mein Passbild, das ich gemailed hatte und auf dem ich wenig vorteilhaft aussehe.
Alle Zweifel waren umsonst gewesen. Die türkische Art die Dinge zu erledigen, ist einfach nur geradliniger als die deutsche, weniger bürokratisch, dafür direkt auf den Mensch bezogen. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich mag es glauben.
Die Sonne schien, es waren 23 Grad im Windschatten, die Palmen rauschten mit ihren verstaubten, graugrünen Blattwedeln ... Na ja, ich hörte kein Rauschen, bilde es mir jetzt aber ein. Das ist das gute an Erinnerungen, sie können so schön falsch und trotzdem wahr sein.
Ab hier ist alles schön, wahr und falsch, wie im Märchen. So habe ich es erlebt und so soll es sein!
Ich war ja erst zum dritten Mal im Hotel Royal Wings, aber als ich die Eingangshalle betrat, mit dem Flügelmotiv auf dem Fussboden, war mir, als käme ich heim. Hätte ich eine schöne Sopranstimme, wäre sicher Elisabeths: "Dich teure Halle grüß ich wieder" aus Richard Wagners "Tannhäuser" aus mir herausgebrochen. Diese Peinlichkeit blieb allen Beteiligten erspart!
Man erkannte mich noch von meinem letzten Besuch an der Rezeption. Der Empfang war herzlich, wenn auch nicht überschwänglich. Ich war ja schließlich in Antalya und nicht in Wien.
Das Zimmer war perfekt: 8. Stock, Meerblick. Ich zog die Vorhänge zurück, öffnete die Balkontür und atmete tief durch:
SIEBEN WOCHEN IN ANTALYA!
Dann musste ich auf die Toilette.
| Der Blick vom Balkon |

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen