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Freitag, 1. November 2013

Venedig bei Tag und Nacht


Wann ist Venedig am schönsten? Darauf gibt es keine Antwort außer: Venedig ist IMMER am schönsten! Das betrifft die Jahres- so wie die Tageszeit. Im Sommer sollte man die Stadt allerdings nur besuchen, wenn man Menschenmassen mag, was nicht heißt, dass zu anderen Jahreszeiten keine Menschenmassen da sind, aber es gibt doch Unterschiede. Auch was den Geruch angeht ...

Sie kommen ...
... sind da! ...

Irgendwann wird diese Brücke in den Kanal einstürzen ...
Am Rialto und auf dem Markusplatz.

... und gehen. Viele. Viel zu viele!
Aber es gibt noch stille Augenblicke. Am ganz frühen Morgen, wenn die männlichen Reinigungskräfte die Piazza vom Unrat des Vortages befreien.
Und die Stille ist wunderbar, nur vom Glockenschlagen unterbrochen und vom Glucksen der kleinen Wellen, die sanft an die Stufen spülen, weil noch keine Motorboote über das San Marco-Becken rasen. Das muss man genießen!






















Noch ist die Beleuchtung eingeschaltet ...















... aber jetzt übernimmt das Tageslicht.




















Und der Tag bekommt seine bekannte Kontur ...


Fortsetzung im nächsten Kapitel.

Montag, 21. Oktober 2013

Touristen sind die Hölle!


Es ist kaum zu fassen, aber da hat man doch wahrhaftig alle Brücken entlang der Riva degli Schiavoni mit Rampen versehen, damit die armen, fetten Touristen nicht so viele Treppen steigen müssen! Wäre es nur wegen der Rollstuhlfahrer, könnte man ja darüber lachen, denn diese Stadt ist nun einmal ganz und gar nicht `behindertengerecht´. Das habe ich ja spätestens selbst bemerkt, wenn ich es nicht schon gewusst hätte, als ich mit meinem Koffer vom Bahnhof zum Hotel ging. Es sind nun einmal viele Brücken zu überwinden und alle haben Stufen die nach oben und solche die nach unten führen.

Jetzt bin ich erst seit zwei Tagen hier und habe beobachten können, dass die meisten Menschen die Rampen benutzen. Na schön, viele sind wirklich so dick, dass man sie eigentlich rollen müsste und es gibt tatsächlich auch Besucher im Rollstuhl, aber die habe ich nicht auf den Rampen an der Riva, sondern ratlos in den Calle der Stadt gesehen. Calle heißen hier die Straßen, die ja eigentlich nur Gassen und Gässchen sind und ich kam schon am ersten Tag durch solche, die man beim Durchgang mit den Schultern streift. Das ist nun einmal Venedig und nicht Paris. Damit will ich nicht sagen, dass Gehbehinderte nicht nach Venedig reisen sollten, sondern dass die Zeit Venedig überholt hat. Tatsachen kann man nicht `überbrücken´. Man wird ein virtuelles Venedig schaffen müssen, damit es alle erleben können. 
So. 
Jetzt einmal tief durchatmen.
Ich bin also in Venedig angekommen und vom Bahnhof zu Fuß zum Hotel gegangen. Luftlinienmäßig ist das nicht weit, nicht einmal ein Kilometer, denke ich, aber ebenerdig ist es ein Abenteuer wie das von Frodo Beutlin im "Herr der Ringe". Das Ziel ist klar, aber der Weg ist ein Rätsel. Ich gebe zu, dass ich niemals hierher gereist, wenn ich nicht schon vorher hier gewesen wäre. Venedig ist ein riesiger Irrgarten, in den viele Wege hinein und hinaus führen, aber wer einmal drin ist, sollte sich ganz einfach treiben lassen. Man kommt immer irgendwann am Markusplatz an, nur sollte man den Weg nicht an die Zeit binden, sonst macht das alles keinen Spaß. Ich kannte die Richtung und ging los. So lernt man diese Stadt und ihre verwinkelte Schönheit kennen.






Als ich hier, am Fischmarkt, ankam, roch ich das Venedig das mein Bauch so liebt. Wahrscheinlich ist es unser evolutionärer Ursprung im Wasser, der uns Fisch so schmackhaft macht. Vielleicht ist aber auch meine Nase nicht so empfindlich, dass ich Gerüche als angenehm oder bähhhhh einstufe. Riechen kann ich alles gern, weil alles was riecht lebt. Gestank ist eine Erfindung des Menschen und der ist, offensichtlich, ein Irrtum der Evolution.
Hier habe ich einem am Boden knienden Mann, nennen wir ihn ruhig einen Bettler, 50€ in die Hand gegeben. Es war mein Geburtstag, warum sollte ich niemand beschenken? Und der Drei-Mann-Combo, die so schöne und unpassende Musik machte, US amerikanische Schlager der 50er Jahre, spendete ich auch noch 5€ ... man soll nix übertreiben. 


So kam ich schließlich zur Piazza San Marco, es gibt außer diesem keinen "Platz" in Venedig, alle anderen sind nur "Campo", und begriff hier endlich, was ich schon oft gelesen und im Fernsehen gesehen hatte, dass zu viele Touristen nach Venedig kommen und die Stadt ersticken, in ihrer Sucht "Da" gewesen zu sein, ohne zu wissen, dass sie etwas unbegreiflich Einmaliges erleben ...
Das Bisanzio betrat ich wie jemand, der wieder geboren wird. Niemand an der Rezeption fiel auf, dass ich Geburtstag hatte, oder aber man war echt italienisch diskret. Mache nie jemand darauf aufmerksam dass sie/er älter wird, sie/er will es gar nicht wissen! Italiener sind genetisch bedingt eitel!!

Endlich ein Bett! Ich bin im Himmel!!

Doppelzimmer mit Bad als Einzelzimmer.























































Sicher, der Blick aus dem Fenster ist nicht spektakulär, aber ich wusste das ja. In meinen Roman sagt der Zweiköpfige: "Ich konnte in dieser Stadt nicht mehr leben. Ein Fenster blickt in das andere und das ist oft nur eine Armeslänge entfernt."
Ich bin "daheim".





















































Buon giorno Serenissima, bella Venezia!










































































































































































Montag, 27. Mai 2013

Das elfte Kapitel ist dem Dolmusch gewidmet



Dolmusch LC38 auf der Fahrt nach Antalya, 15km
Dolmusch, der oder das? Kommt ganz darauf an ob ich es als "Bus" oder "Sammeltaxi" übersetze. Genau betrachtet ist es beides. Das Wort (Dolmuş, wobei das ş ein kleines Schwänzchen nach unten hat und im Türkischen "sch" gesprochen wird) bedeutet wörtlich übersetzt "vollgestopft". Eine bessere Bezeichnung dafür gibt es nicht! Der Deutsche würde das Negative betonen, seiner Weltanschauung entsprechend, indem er "überfüllt" sagt. Meistens trifft beides zu. Nun könnten Frauenfeinde sagen,  durchaus wohlmeinend, dass die beiden genannten Zustände, oder Eigenschaften eher weiblich sind und Dolmusch daher eine "die" ist. Ich würde vorschlagen, dass jede/r selbst entscheidet, nachdem sie/er das Fahrzeug einmal  benutzt hat.
Dolmusche sind öffentliche Verkehrsmittel, kleine Omnibusse japanischer Herkunft, die Ortschaften und Stadtteile miteinander verbinden. Es gibt Zusteigmöglichkeiten an beinahe jeder Straßenecke und wer sich nicht gerade an einer der mit einem großen, blauen D gekennzeichneten Haltestellen befindet, tritt einfach an den Straßenrand und signalisiert dem Fahrer den Wunsch zuzusteigen. Das funktioniert immer. Na ja, bis auf die Ausnahmen wenn sich zwei Fahrer beim Überholen ein Rennen liefern, weil jeder gerne den nächsten Fahrgast bei sich an Bord holen möchte. Da hilft dann kein Winken oder Auf- und Abhüpfen, die Bussle rasen in halsbrecherischem Tempo vorbei. Ich habe das erlebt, es ist also nicht nur ein von Reiseveranstaltern entworfenes Horrorszenarium, die den neu ankommenden Gästen dringendst von der Benutzung des Dolmuschs abraten.


Wer gegenüber dem Hotel Royal Wings einsteigt, hat meistens das Glück einen Sitzplatz zu bekommen, weil die meisten Hotels weiter in Richtung Stadt liegen. Wer keinen Sitzplatz ergattert, muss sich auf eine beinahe einstündige Fahrt in sehr, SEHR unbequemen Umständen einstellen. Große Menschen werden Schwierigkeiten mit dem Kopfraum haben, die Busse sind wohl auf den japanischen Klein-Bürger genormt und der ist nicht so groß wie der durchschnittliche Schwede. Die Federung der Fahrzeuge ist auf das Notwendigste beschränkt und der rasante Fahrstil der Chauffeure trägt viel dazu bei, dass man geschüttelt, nicht gerührt, in Antalya quasi aus der Tür fällt. Menschen die mit Klaustrophobie geschlagen sind dürften in den Stoßzeiten nicht Dolmusch fahren, es sei denn sie wollen Panikattacken erleiden. Wer gerne mit den Mitmenschen auf engste Tuchfühlung geht liegt da aber genau richtig. Umfallen und sich etwas brechen kann auf jeden Fall keiner. Aber Vorsicht! Es zieht!!! Meistens ist die Tür beim Fahrer vorn geöffnet, das spart Umstände und Zeit, und es ist ganz selten, nur bei extremem Regenwetter, dass die Schiebefenster geschlossen sind. Wer auf der rechten Seite auf der Rückbank sitzt, den eisigen Fahrwinden ungeschützt ausgesetzt, bekommt hundertprozentig eine üble, schmerzhafte Nierenbeckenentzündung, zusätzlich zu einer grippalen Erkältung und Bindehautentzündung in beiden Augen. Da reicht dann eine Woche Urlaub nicht, um das auszukurieren. Ich hatte ja sieben Wochen und alle oben beschriebene Krankheiten ...
Die meisten Urlauber fahren nur einmal mit dem Dolmusch in die Stadt. Und die meisten erkundigen sich nicht vorher im Hotel oder einem Tourismuscenter nach dem Fahrpreis. So steigen fast alle mit einem fragenden Blick und der Hand voll Kleingeld ein und bezahlen dann einen Euro oder einen Dollar, je nachdem ob es Westeuropäer oder Russen sind. Dabei kostet eine Fahrt, ganz gleich wie weit, aber ohne Umsteigen (es gibt keine Fahrscheine), nur 1 Lira und 75 Kuruş, das ş wieder mit Schwänzchen, sprich also Kurusch. 1 Euro ist ungefähr 2,30 Lira wert, den Dollarkurs kenne ich nicht. Eigentlich müsste sich jeder Busfahrer freuen, wenn er mit Ein- oder Zwei-Euromünzen bezahlt wird, aber leider ist es beinahe unmöglich in der Türkei dieses Hartgeld umgetauscht zu bekommen. Banken nehmen es unter keinen Umständen an. Deshalb werden Touristen oft von allen möglichen Menschen angesprochen, die Euromünzen gegen Euroscheine tauschen möchten, ob im Dolmusch, im Hotel oder im Restaurant.
Schwarzfahren gibt es nicht! Jede/r Fahrgast bezahlt entweder beim Einsteigen oder, wenn der Bus so voll ist, dass nur noch ein Blatt Seidenpapier zwischen die Passagiere passt, aber trotzdem sich noch jemand am hinteren Einstieg hereinquetscht, kommt dieser beim Aussteigen außen am Bus zum Fahrer gelaufen und bezahlt. "Nicht bezahlen ist stehlen." Diese "Moral" sähe ich gern in Deutschland!
Und noch etwas fällt dem älteren Fahrgast angenehm auf: jüngere Mitreisende stehen auf und bieten ihm den Sitzplatz an. Man erkennt so unschwer junge Touristen: sie bleiben sitzen und schauen gelangweilt weg wenn eine ältere türkische Frau, oder ein Mann oder ein/e Tourist/in zusteigen.
Die Fahrt von den großen Hotels nach Antaly zieht sich. 15 Kilometer sind lang, zumindest für manche Fahrgäste. Überhaupt auf dem Weg zurück zum Hotel.
"Bist Du sicher, dass wir im richtigen Bus sind?"
"Aber ja doch, LC38."
"Ja fährt der denn zu unserem Hotel?"
"Es gibt keinen anderen!"
"Wir fahren jetzt aber schon ziemlich lange."
"Es ist eben weit!"
"Aber so weit? ... Frag doch mal den Fahrer, ob der zum Hotel Concorde fährt."
"Ich denk nicht dran!"
"Hallo! Fahrer! Fahren sie zum Hotel Concorde?!!" (Oder "Terra City" bei der stadteinwärts Tour.)
Wie oft habe ich diesen Dialog bei meinen zahlreichen Fahrten stadtein- und stadtauswärts gehört? Auf beide Geschlechter gleichmäßig verteilt, mal ist sie die Fragende, mal ist er der Ängstliche.
Angekommen sind alle, aber einige Übervorsichtige oder der Auskunft Mistrauende stiegen viel zu früh aus und hatten noch einen langen Fußmarsch zum Ziel vor sich. Na ja, ich fühlte mich nach der zweiten Fahrt im Dolmusch schon wie ein Einheimischer und konnte über die unwissenden Touristen nur mitleidig den Kopf schütteln.
Übrigens wurden kurz vor meiner Abreise auch große Busse auf der Strecke eingesetzt, und seltsamer Weise waren die immer fast leer! Ich will nicht hoffen, dass man sie deshalb wieder abgezogen hat!!