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Mittwoch, 26. Februar 2014

7 Wochen Antalya - 7 Wochen Royal Wings Hotel


So hat mein Blog angefangen. Heute ist der 25. Februar 2014 und am 25. Februar im vergangenen Jahr traf ich in Antalya ein und verbrachte dort einen der schönsten und sicher den längsten Urlaub meines Lebens. Kein Wunder, dass ich nostalgisch werde und mich in Erinnerungen sonne.


































Als ich hier ankam, zog in Deutschland gerade erst der Winter ein. Am Vorabend fiel der erste Schnee und dann wurde es dort bitter kalt, es schneite und gefror und meine Nachbarin war stinksauer, weil ich niemand engagiert hatte zum Schnee räumen. Na ja, sie hat es überlebt und ich hatte ja manchmal ein schlechtes Gewissen wenn ich im Net die Live Cam vom Stuttgarter Schlossplatz öffnete  und sah, dass dort immer noch und schon wieder Schnee lag. Und ich erfreute mich des Frühlings.







































Es gab allerdings auch stürmische Tage, Tage an denen der Regen aus der Kuppel in die aufgestellten Gefäße in der Halle tropfte.


Das Meer schwemmte Unmengen von Sand an und Tonnen von Kieselsteinen, die ich sammelte und fotografierte. Zumindest kam es mir wie Tonnen vor.


































Am schönsten war der Strand morgens, bei Sonnenaufgang, wenn der frisch angeschwemmte Sand noch unberührt und weich war und unter den Füßen nachgab, so dass ich bei jedem Schritt meinte, das Ufer habe eine eigene Strömung, die mich wegträgt. Die Berge wirkten wie zart auf den Himmel getuscht und die Sonne übergoss schließlich alles mit Honiggelb.

























































Ich finde, dass diese Übergangszeit vom Winter in den Frühling die schönste in Antalya ist. Kein Tag ist wie der andere und das Wetter kann sich von einem Augenblick zum nächsten total ändern. Der peitschende Wind, der die Palmen zu zerfetzen versucht, die sintflutartigen Regengüsse, die manchmal wie eine massive Wasserwand herunterstürzen, die Rückkehr des Lichts danach sind überwältigend und die Wellen, die auf den Strand donnern, bringen die Erde zum beben. Das ist  Natur zum Anfassen mit allen Sinnen.


Auch die Stadt Antalya habe ich immer wieder gerne besucht, selbst wenn die Fahrt mit dem Dolmuş kein Vergnügen war. Aber es war Teil des Erlebnisses und bleibt eindringlich in Erinnerung.

Aber am liebsten erinnere ich mich doch an die Menschen. Hauptsächlich an Ali Ali, Turgay Ali und Meister Ali. 

Wenn ich wieder geboren werden sollte, möchte ich einen Sohn wie Ali Özcan haben und im Leben danach, einen Vater wie ihn!
Leider ist die Sprachbarriere so hoch, dass ich den Kontakt verloren habe. Aber aus meinen Gedanken verliere ich ihn nicht.








Das gilt auch für Ali Gölpınar, den Personal Trainer, dem ich meine Kondition und mein jetzt konstantes Gewicht verdanke.





Ihnen und allen  anderen, Turgay und Mehmet, Hasby Dere und Selda Bülbül, die meinen Aufenthalt im Hotel Royal Wings zu einem wirklichen "Wellness Erlebnis" machten, bin ich sehr dankbar. 


Werde ich sie wieder sehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich noch eine größere Reise machen werde. Der Tremor wird immer mehr zum Problem, was Essen und Trinken betrifft. 
Im Mai werde ich Istanbul besuchen. Ich habe dort ein Apart Hotel gebucht. Dann habe ich eine kleine Kochnische, wo ich mir das Frühstück selber zubereiten kann und auch andere kleine Mahlzeiten. In Venedig habe ich nur zwei Mal im Hotel gefrühstückt, weil ich nicht in der Lage war, mir den Kaffee einzuschenken und mein Brot mit Butter zu bestreichen ...

Apropos Venedig. Das nächste Kapitel widme ich wieder der Serenissima.

Freitag, 24. Mai 2013

Im neunten Kapitel wird FITNESS groß geschrieben




"Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!" "Lass alle Hoffnung fahren, wenn Du hier eintrittst." 
(Dante, Die Göttliche Komödie)


Also ganz so schlimm ist es nicht, dass alle Eintretenden die Hoffnung fahren lassen sollen. Eher im Gegenteil, man hegt ja die Hoffnung, dass man neu geboren aus der Hölle körperlicher Ertüchtigung hervor geht. Aber es ist der erste Schritt hinein, der am schwierigsten ist.
Zumindest war er das für mich. Von natürlicher Schüchternheit gehemmt, fällt es mir immer schwer etwas Neues zu wagen, wenn ich dazu mit Menschen Kontakt aufnehmen muss. Meistens muss man das und wenn man einen Personal Trainer braucht, der sich um den Aufbau von Kraft und Muskeln in einem nie trainierten Körper kümmern soll, kommt man schlicht und ergreifend nicht darum herum. Also nahm ich eines Abends, als ich den Fitness Trainer in der Hotelhalle sah, meinen Mut zusammen und sprach ihn an.
Im vorhergehenden Kapitel habe ich ja schon erwähnt, dass er mir nicht ganz fremd war, zumindest nicht vom Sehen. Es war auch schon zum Austausch von "Guten Tag" und von die Anwesenheit des Anderen registrierendem Kopfnicken gekommen. Aber das war es dann auch schon. Erwähnt habe ich auch, dass er, in meinen Augen, eine sehr bemerkenswerte Erscheinung hat. Beim ersten Sehen im Vorjahr, assoziierte ich sofort ägyptische Pharaonen mit seinem Kopf und seiner ganzen Körperhaltung, oder mit der Darstellung frühgeschichtlicher assyrischer Könige auf den Toren von Babylon und Ninive. Einfach umwerfend gutaussehend!


Er heißt Ali G., von mir auch "Meister Ali" genannt. Ich schilderte ihm kurz mein Tremor-Problem und dass ich versuchen wolle, meinen ganzen Körper zu kräftigen, um eventuell weniger zu zittern. Da er sehr gut Deutsch versteht und spricht, gab es keine Verständigungsprobleme und ich versprach, am nächsten Morgen ins Fitness Center zu kommen, wo man alles Weitere besprechen würde. Ich schreibe hier nicht ohne Hintergedanken "versprach", weil es durchaus möglich gewesen wäre, dass mich am nächsten Tag der Mut verlässt und ich einfach nicht hingehe.
Aber da machte noch etwas anderes Druck, den Termin einzuhalten. Nämlich mein Freund. Mit der selben insistierenden Penetranz, mit er er mir Flugangst und Spinathass unterstellte, vertrat er die Meinung, dass ich etwas "für den Körper" tun müsse. Jemand der Sport gleich nach Folter einordnet, ist nicht leicht davon zu überzeugen, dass er sich "körperlich ertüchtigen" sollte. 
Für mich kommt Sport noch vor Folter! 
Andererseits muss ich zugeben, dass in den Jahren seit meinem Eintritt in die Rente mein Gewicht zu- und meine Beweglichkeit abgenommen hatten. Eine Zeitlang machte ich rigorose Spaziergänge, bei denen ich immer schnell außer Atem und ins Schwitzen geriet, aber so richtig mit ganzem Herzen war ich nicht dabei. So steigerte sich mein vieljähriges Normalgewicht von um die 72 Kilo pendelnd, auf 88 Kilo, Tendenz nach oben pendelnd. Dass ich immer dicker wurde versuchte ich dadurch zu kaschieren, dass ich meine Hemden außerhalb der Hose trug. Wenn ich mich aber nackt sah, dachte ich schon manchmal: `Du lieber Himmel!´ und vermied es mich nackt zu sehen.
Dann schritt das Schicksal ein. Ich bekam so massiven Beziehungsstress, dass mir der Appetit verging. Die Pfunde purzelten, die Kilo schmolzen dahin. Nur die vorher straffe Haut wusste nichts mit sich anzufangen und legte sich in elefantenmäßige Falten und Fältchen. Ich vermied es weiterhin mich nackt zu sehen. Na ja, und dass ich plötzlich nichts Passendes mehr anzuziehen hatte, habe ich ja schon beschrieben. So war mein prinzipieller Widerstand gegen Sport ins Abbröckeln geraten. Und nachdem mein Freund am übernächsten Tag für eine Woche zu Besuch kommen wollte, gedachte ich ihn damit zu überraschen, dass ich wahrhaftig "etwas für meinen Körper tun" würde. So konnte ich zwei Fliegen mit eine Klappe schlagen: Das Zittern und meinen Freund. Motiviert war ich also.
So durchschritt ich am nächsten Morgen hoffnungsvoll die oben abgebildete Tür und war beeindruckt von der Vielfalt der Folterapparate, Entschuldigung, der Sportgeräte und des Eifers und Ehrgeizes der diese Bedienenden.


Meine Chance mich unauffällig wieder zurückzuziehen, die ich kurz aber intensiv in Erwägung zog, war von geringer Dauer. Ali G. kam auf mich zu, schüttelte mir die Hand, und von diesem Augenblick an war ich Krafttraining Fan. Was ich da noch nicht wusste.
Wer Krafttraining macht, sollte seinen Körper kennen. Wer kennt seinen Körper? Ich weiß welche Gliedmaße gebraucht werden um mich richtig funktionieren zu lassen. Das ist auch schon alles. Dass Krafttraining eine Wissenschaft für sich ist, begriff ich langsam während Ali mir die Geräte zeigte, ihre Funktion demonstrierte und die Auswirkung der Übungen auf die entsprechenden Muskeln. Ich wurde sehr skeptisch. Konnte ich das bewältigen? Meinen Körper in ein Versuchslaboratorium umwandeln? Wollte ich das wirklich?
Wenn Ali G. nicht gewesen wäre, hätte ich es nicht gemacht. Er verstand es mich zu motivieren, indem er Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte. Keine überzogene Energiedemonstration seinerseits, kein pseudo-kameradschaftliches Schulterklopfen.
Er sagte nur abschließend: "Wenn sie wollen, können sie morgen früh anfangen."
Das habe ich dann gemacht.


Es war der Beginn einer faszinierenden Beziehung ... zwischen meinem Körper und mir. Dass ich nicht stark bin wusste ich ja, dass ich soooo schwach bin hätte ich nicht gedacht. Ali stöpselte die Gewichte an den Geräten dort ein, wo er dachte, dass ich sie schaffen würde. Manchmal klappte es auch, meistens musste er eins weniger auflegen. Es war mir richtiggehend peinlich! Zum Glück beobachtete mich niemand, alle waren mit sich selbst beschäftigt und auch Ali trat diskret beiseite, nachdem er gesehen hatte, dass ich die Übung richtig ausführe.
"Nicht schwer muss es sein, sondern richtig." sagte Ali. Nicht auf die Höhe des Gewichts kommt es an, sondern auf die korrekte Ausführung. Die Bewegung muss "fließen", nicht verkrampft sein, sonst wird der zu trainierende Muskel falsch belastet und man erreicht gar nichts, bekommt höchstens gewaltigen Muskelkater. Ich bekam keinen.
Die restlichen fünf Wochen meines Aufenthalts trainierte ich regelmäßig, anfangs nur morgens eine Stunde, vor dem Frühstück, später auch noch Nachmittags eine Stunde. Allerdings machte ich das zum "Aufteilen" der Übungen, nicht um schneller Mr. Universum werden zu können. Eins war mir ja klar, schnell wird das nicht gehen: Geduld! Schließlich hat mein Körper beinahe 75 Jahre darauf gewartet, dass ich ihn bemerke, also werde ich ihm jetzt mit Respekt und Aufmerksamkeit begegnen. Nach 33 Tagen sagte Ali, als er mich bei einer Übung fotografierte, ich wollte das ja dokumentieren, dass man meinen Bizeps sehen würde. Bizeps? Ich? Soll das ein Witz sein? Er zeigte mir das Foto. Tatsächlich! Da sah man eine Wölbung am Oberarm, die vorher nicht dort war!!
Ich war stolz auf mich!
Danke, Meister Ali!


PS. "Wenn sie Krafttraining angefangen haben, können sie nicht mehr aufhören." sagte Ali schon am zweiten Tag zu mir. Ich dachte, er meint das im Sinne von süchtig werden nach Training, nach dem Gefühl der Ganzkörpereuphorie, das sich danach einstellt. (Ich hatte erwartet, dass ich mich schwer fühlen würde, die Glieder wie mit Blei belastet. Aber das Gegenteil war der Fall, ich hatte das Gefühl des Schwebens, der Schwerelosigkeit.) Aber Ali hatte sagen wollen: Es genügt nicht, mal eben Muskeln aufzubauen und danach wieder nichts zu tun, in der Meinung, dass ich jetzt Kraft für den Rest meines Lebens habe. Er sagte, dass ich mich auf etwas sehr Langfristiges einlasse, wenn ich es wirklich ernst meine. 
Die Konsequenz war, dass ich mich nach der Rückkehr aus der Türkei, hier in Stuttgart sofort nach einer Trainingsmöglichkeit umsah. Schließlich entschied ich mich für das "Kieser Training", ohne Bumsmusik, ohne Laufbänder, ohne Lounge, Bar, Sauna und Energiedrinks. Muskeltraining pur. 
Ich bin begeistert!





Mittwoch, 8. Mai 2013

Das fünfte Kapitel - Vertrauen und Zweifel ...


Gott, die Engel und fehlerlos funktionierende Technik lassen uns sicher, sogar 10 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit in Antalya landen.
"Wegen Rückenwind", sagt der Mann am Fenster. 
Seine Frau flüstert, nachdem die Maschine abgebremst hat und das letzte "O lieber Gott" über ihre Lippen kam: "Mich bekommen keine zehn Teufel mehr in so ein Ding."
Damit hat sie endgültig den Himmel verlassen und den einen Gott gegen zehn Teufel getauscht und außerdem den Rest des Urlaubs für den Mann versaut.
Der sagt mit männlicher Endgültigkeit: "Der Rückflug ist gebucht und bezahlt."
Sie sagt: "Dann hast Du sinnlos Geld  zum Fenster hinausgeschmissen."
Ich denke: O lieber Gott!
Dann gelingt es mir zum Glück, meinen Rucksack zu angeln und mich in die dicht gedrängt und  drängelnd entbordenden Passagiere einzureihen.
"Aufwiedersehn." sagt die Flugbegleiterin mit dem selben Lächeln, mit dem sie das labbrige Pseudo-Sandwich servierte und die 2.50 €uro für den Kaffee mit Trockenmilch im Pappbecher kassierte. Ich lächle zurück und sage: "So Gott will.", was sie mit dem kurzzeitigen Zusammenbruch ihres Lächelns quittiert. 
Hinter mir höre ich eine Kinderstimme sagen: "Vater, der Mann hat den Namen Gottes missbraucht."
Ich bin der Erste bei der Passkontrolle!
Als Wenig- oder höchst selten ins reisepasslandpflichtige Auslandreisender bekomme ich meine gestempelte Einreisebescheinigung und verstaue sie sorgfältig hinter meinem Personalausweis. Es kann, angeblich, höchst unangenehme Folgen haben wenn man sie verliert. Der Busbegleiter bei meinem Besuch im November sagte, scherzhaft?, "Wenn sie die nicht haben, bekommen sie eine mehrwöchige Verlängerung ihres Aufenthalts auf Staatskosten." Und Jeder weiß, seit dem Film "Midnight Express" (Deutscher Titel, wer hätte das gedacht, nicht etwa "Verschollen und vergessen im türkischen Gefängnis", sondern "Mitternachtsexpress") dass der Aufenthalt in türkischen Gefängnissen kein Honigschlecken ist, außer für Hardcoremasochisten! 
Mein auffälliger Koffer, extra so gekauft, um ihn von Weitem zu erkennen, rollt als einer der ersten vom Band. Das werte ich als gutes Omen. Denn ...
Hier wird ein Rückblende dringend nötig.
"Wenn der Rest der Menschheit vertraut, zweifelt der Deutsche." Sollte es dieses Zitat noch nicht geben, meinetwegen auch in abgewandelter Form, möchte ich es hiermit in den Raum stellen. Der Deutsche ist der geborene Zweifler. Deshalb macht er so viele historische Fehler. Er zweifelt an Wotan und wird Christ. Er zweifelt an sich selbst und wird Faschist. Keins von Beiden hat ihn auf eine höhere menschliche, oder kulturelle Stufe gehoben, nur seine Zweifel bestätigt und vergrößert, und ihn als unzuverlässig abgestempelt. Wer sich umfassender mit diesem Thema befassen möchte, wird im Net viel darüber finden. Mir geht es, ehrlich gesagt, am Arsch vorbei, ich brauchte nur einen Einstieg in das was mir eigentlich ein bisschen peinlich ist.
Ich zweifelte, noch bei der Ankunft in Antalya, an der Bonität meiner Reservierung.
Diese war, wie irgendwo in einem der vorherigen Kapitel kurz angesprochen, spontan während meines Aufenthalts im Royal Wings Hotel im Vorjahr, im Dezember, zustande gekommen. Spontan deshalb, weil ich eigentlich gar nicht wusste, ob ich noch einmal und für längere Zeit in die Türkei kommen wollte. ... Aber das ist wirklich nicht mehr von Belang.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich ein extrovertierter Mensch bin, der auf die Dinge zugeht, sie anpackt und zurechtbiegt. Im Gegenteil, ich warte ab, trinke nicht einmal Tee dabei, aus Angst ich könnte ihn verschütten, und lasse die Dinge sich selbst zurechtbiegen. Sie tun es dann auch immer, auf die eine oder andere Art und ich frage mich dann schon, warum ich mich anstrengen soll, wenn sowieso alles von sich aus geschieht. Zen funktioniert, glaube ich, so oder so ähnlich.
Meiner Natur zum Trotz fragte ich eines Tages an der Rezeption, ob es möglich wäre, direkt vor Ort eine Reservierung für einen Aufenthalt im nächsten Jahr zu buchen. Das wurde positiv beantwortet und mir der Name eines Gesprächspartners genannt, den ich am nächsten Morgen kontaktieren könne. Dieser Gesprächspartner war am nächsten Morgen nicht zu erreichen, dafür ...
Also gut, ich trug mein Anliegen dem Front Office Manager vor und wir einigten uns auf Zeitdauer, 49 Tage, und Preis, ... geht niemand was an, und ich hatte eine Reservierung. Bona fide. Aber ohne Beleg oder Dokument. Einfach so, vom Mund zum Ohr.
Das ist der Orient, sagte mein an Tausend und eine Nacht geschulter kosmopolitischer Geist.
Das ist absolut nicht Ernst zu nehmen, sagte der Deutsche in mir.
Ich hatte noch nicht einmal das Büro des netten Front Office Managers verlassen, als ich schon zweifelte. Man hatte mir einen Ausdruck mit Bankverbindungen ausgehändigt, damit ich eine Anzahlung machen könnte, wenn es mir denn mit der Reservierung wirklich Ernst wäre ... Einerseits empfand ich diese Leichtigkeit des Seins sehr erfrischend, menschenfreundlich und glaubhaft, andererseits belastete mich die unterschriftenlose Ungewissheit mehr als ich jetzt zugeben möchte.
Ich zweifelte auf hohem Niveau. Was wenn ...? Dass ich, so bald ich in Deutschland war, den mündlich vereinbarten Gesamtbetrag sofort auf eines der mir genannten Konten überwies, geschah nur in der Hoffnung, dass ich dann eine schriftliche Bestätigung unseres "Vertrags" erhalten würde. Fehlanzeige. Es sei alles in Ordnung, wie besprochen, bekam ich als freundliche Antwort auf meine von unterdrückter Panik diktierter E-Mail Anfrage.
Ich wagte nicht, dies meinen Freunden mitzuteilen, die immer wieder fragten: "Hast Du auch alles schriftlich?"
"Ja. Ich habe die Bestätigung per E-Mail bekommen." antwortete ich. Das war ja nicht gelogen. Aber war diese Bestätigung etwas wert? Ich zweifelte.
Auch der Transfer vom Flughafen zum Hotel, ich reiste ja "privat" an, wurde mir vom FOM (Front Office Manager) per Rent-a-car arrangiert und zugesichert. Konnte ich dem glauben? Ich zweifelte und schickte ein Konterfei, heute heißt das Pic, von mir, damit man es dem Rent-a-car Fahrer, falls es diesen wirklich geben sollte, aushändigen konnte. Ich zweifelte.
Eine Zeitlang habe ich ja an Gott gezweifelt, sogar bis zu dem Punkt, dass ich aus der Kirche austrat. Es muss IHN sehr gekränkt haben.
So sehr zweifelte ich nun an dem Zustandekommen meines Aufenthaltes im Royal Wings Hotel. Sogar noch in dem Augenblick als ich meinen Koffer hoffnungsvoll auf den menschenleeren Vorplatz des Flughafens hinaus rollte. Und ich fand alle meine Zweifel bestätigt! Es war niemand da der mich abholen wollte!
Ich kenne Panikattacken aus intensivster eigener Erfahrung. Ich bekam keine. Warum nicht? Keine Ahnung. Ich dachte nur: Warte halt noch ein Weilchen. Und dann kam dieser gutaussehende junge Mann auf mich zu, in einer Hand einen DIN-A4 Zettel mit ROYAL WINGS HOTEL aufgedruckt und in der anderen, im selben Format, mein Passbild, das ich gemailed hatte und auf dem ich wenig vorteilhaft aussehe.
Alle Zweifel waren umsonst gewesen. Die türkische Art die Dinge zu erledigen, ist einfach nur geradliniger als die deutsche, weniger bürokratisch, dafür direkt auf den Mensch bezogen. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich mag es glauben.
Die Sonne schien, es waren 23 Grad im Windschatten, die Palmen rauschten mit ihren verstaubten, graugrünen Blattwedeln ... Na ja, ich hörte kein Rauschen, bilde es mir jetzt aber ein. Das ist das gute an Erinnerungen, sie können so schön falsch und trotzdem wahr sein.
Ab hier ist alles schön, wahr und falsch, wie im Märchen. So habe ich es erlebt und so soll es sein!
Ich war ja erst zum dritten Mal im Hotel Royal Wings, aber als ich die Eingangshalle betrat, mit dem Flügelmotiv auf dem Fussboden, war mir, als käme ich heim. Hätte ich eine schöne Sopranstimme, wäre sicher Elisabeths: "Dich teure Halle grüß ich wieder" aus Richard Wagners "Tannhäuser" aus mir herausgebrochen. Diese Peinlichkeit blieb allen Beteiligten erspart!
Man erkannte mich noch von meinem letzten Besuch an der Rezeption. Der Empfang war herzlich, wenn auch nicht überschwänglich. Ich war ja schließlich in Antalya und nicht in Wien.
Das Zimmer war perfekt: 8. Stock, Meerblick. Ich zog die Vorhänge zurück, öffnete die Balkontür und atmete tief durch:
SIEBEN WOCHEN IN ANTALYA!
Dann musste ich auf die Toilette.

Der Blick vom Balkon