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Donnerstag, 21. April 2016

Der Stuttgarter Fernsehturm - ein Besuch


Wie viele Einwohner Stuttgarts gibt es wohl, die noch nie auf dem Fernsehturm waren? Schwer zu sagen. Bis gestern war ich einer von ihnen. Übrigens bin ich auch einer der noch nie einen Führerschein hatte, aber das nur nebenbei als Information im Fall jemand eine Statistik erstellen möchte. Es ist gut möglich, dass ich bis zu meinem Lebensende nicht auf den Turm gefahren wäre, wenn ich nicht den Strom- und Gasanbieter gewechselt hätte. Was das damit zu tun hat? Ich entschloss mich meinen bisherigen Lieferanten, die Stadtwerke Tübingen, die mich sehr verärgert hatten, gegen die Stadtwerke Stuttgart zu tauschen. (Ein bisschen Lokalpatriotismus war da schon auch dabei.) Mein Entschluss kam gerade rechtzeitig zu einer Werbeaktion, die am 31. März endete, bei der der Wechselnde, also ich, eine Jahreskarte für den Fernsehturm geschenkt bekam. Normalerweise kostet sie 25 €uro, auch nicht die Welt.














Am Montag erhielt ich die Karte, was lag also näher, als sie gestern, am Mittwoch, "einzuweihen? (Am Dienstag hatte ich Ergotherapie, da ging es nicht.) Ich fuhr mit der Zahnradbahn bis zum Haigst und ging zu Fuß zum Turm. Das schafft man in 20 Minuten bequem.
Da stand er nun vor mir in strahlendem Weiß vor blauem Himmel. Sehr beeindruckend! Dass ich nicht vor Ehrfurcht erbebte war reine Selbstbeherrschung! Na ja, und von unten hatte ich ihn in der Vergangenheit auch schon mehrmals gesehen. Trotzdem: hier ein Bild.


Dann stand ich auch schon im Aufzug, zusammen mit einem mittelalten Ehepaar und einem jungen Paar, von dem ich nicht glaube dass es verheiratet ist, obwohl sie eine Schwangerschaft nicht verleugnen kann. Der Aufzugchauffeur (wie ist die politisch korrekte Berufsbezeichnung für eine männliche, einen Aufzug bedienende Person zur Zeit? Apropos politisch korrekt: In meinen T-online News las ich "Erste Schwarze auf Dollarschein". Ich dachte "schwarz" wäre out wenn es um Menschen geht? "Braun" oder "farbig" wäre angesagt? Habe ich da eine Entwicklung nicht mitbekommen? Darf man auch wieder Neger sagen? Das ist nur eine Frage ganz am Rande.) der Aufzugmann erklärte uns bevor er auf den Knopf drückte, dass wir mit 5 Meter pro Sekunde 150 Meter nach oben befördert würden, also in 36 Sekunden.
"Was ist wenn wir abstürzen?" fragte die junge, schwangere Frau heiter.
"Das kann nicht passieren." versicherte der Mann der den Knopf bediente und erklärte genau, warum das unmöglich sei.
"Man kann nie wissen." verteidigte die Schwangere ihre eingangs geäußerte Befürchtung.
Der Fahrstuhlfahrer lächelte. Dann waren wir auch schon oben und konnten die Aussicht genießen.
`Was wenn der Turm jetzt einfach umkippt?´ dachte ich besorgt und fragte mich, ob in der Berichterstattung, die dieses Ereignis nach sich ziehen würde, die Zahl der Todesopfer die des ungeborenen Kindes beinhalten müsste oder nicht. Ich werde bei Gelegenheit einmal eine diesbezügliche Anfrage an eine Zeitung schicken.
Die Aussicht war rundum schön. Trotz des herrlichen Wetters befanden sich nur wenige
Besucher auf den Aussichtsplattformen, so dass ich ungestört fotografieren konnte.

Das oben ist der Blick nach rechts, das darunter der nach links: (Stuttgart Süd, da wohne ich.)

Hier noch der Blick nach unten.

Dann fuhr ich wieder nach unten. Ich war der einzige Passagier. Wir stürzten nicht ab, und wenn: wir wollten ja abwärts.

Ich reiche hier noch einige Informationen über den Fernsehturm nach, die ganz interessant sind.


60 Jahre alt und immer noch schlank und attraktiv. Ein Besuch lohnt sich. Der Eintritt kostet 7.-€. Die Besuchszeiten sind:

Hunde also zuhause lassen! Und, schwangere Frauen, keine Angst: die Aufzüge sind garantiert absturzsicher.


Dienstag, 25. November 2014

"Love is in the air ..."


An diesen schnulzigen alten Schlager musste ich gestern Abend denken, als ich, nach dem, wieder einmal ergebnislosen, Besuch beim Augenarzt auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs stand. Es war zwar erst 17 Uhr, aber schon Kuhnacht, was auch an dem dichten Hochnebel lag, der am Nachmittag aufgezogen war. Der Himmel war "wie ein schwarzes Tuch" (Cal Orff, Der Mond) über die Stadt gebreitet.

Es gab keinen zwingenden Grund für mich, auf den Turm zu fahren, andererseits hatte ich auch nichts anderes vor ... Es war kalt. Ich wollte nur ein paar Fotos machen, wobei ich wusste, dass sie, bei den herrschenden Lichtverhältnissen mit dem iPad mini aufgenommen, nicht von bestechender Qualität sein würden. Siehe oben. Und unten.




























Hiermit habe ich geschickt ins Bild gebracht, worum es in diesem Kapitel geht. Nämlich um das Gitter, das den Turm suizidsicher macht. Seit einigen Wochen ist es nämlich Mode, daran, wie an ähnlichen Gittern in anderen Städten (Paris!), Vorhängeschlösser anzubringen, sofern man als liebendes Paar den Turm besucht. (Wenn das so weitergeht, wird man bald nur noch Schlösser sehen und keine Aussicht. Das Gitter ist sehr hoch!)
Auf der Plattform waren, außer mir, ein junger Mann und eine junge Frau, die sich auf Englisch unterhielten. Er hatte einen leichten Akzent, sie nicht. Ich stand daneben und fotografierte und konnte gar nicht anders als mitzuhören. Die Beiden hatten sich ganz offenhörig eben erst kennen gelernt. Er erklärte ihr nämlich gerade, was die Vorhängeschlösser symbolisieren. Ob seine Erklärung stimmt, kann ich nicht beurteilen, ich hielt das einfach für einen sinnlosen Gag.
Angeblich steht jedes Schloss für einen Treueschwur: Ewige Liebe - so lange das Schloss dort hängt! Folgerichtig fragte die junge Frau, sie war noch sehr jung, ob denn das Schloss entfernt werden müsse, wenn das mit der Treue nicht funktioniert habe. Eigentlich schon, antwortete er. 
Mir war aufgefallen, dass sie sich während des Gesprächs näher gekommen waren und vermutete, dass sie sich schon unten kennen lernten und er dann den Vorschlag machte, den Turm zu besuchen, um ihr die Schlösser zu zeigen. (Früher war es die Briefmarkensammlung. Jaja, die Zeiten ändern sich. Seufz.)
Plötzlich gab ein Handy Töne von sich. Ich habe keins. Es war seins. Automatisch trat er einen Schritt beiseite.
"Hallo Liebling!° rief er erfreut ... Deutsch war seine Mutterssprache.
Es folgte eine schäkernde Erklärung dass er noch "geschäftlich aufgehalten" worden sei, "ein sehr wichtiges Gespräch" und, ja, er habe daran gedacht den Fisch mitzubringen und es würde einfach ein bisschen später werden. "Küsschen ... Bis gleiheich!" Er hatte eine leichte Hinterkopfglatze, ganz so jung war er also nicht mehr.
Inzwischen war ich leicht in den Hintergrund getreten, zeigte keinerlei Interesse an den beiden und fotografierte die öde, neu entstehende Stadtlandschaft neben den durch Stuttgart 21 langsam ganz verschwindenden Gleisen. Siehe unten.


Die junge Frau verstand kein Deutsch, das wurde mir klar, als sie seine Entschuldigung und dass ein Kollege, der noch arbeite, eine Auskunft haben wollte, ohne Einwände hinnahm. Ich zog mich noch weiter in den Hintergrund zurück, der Turm bietet dazu genügend Platz und auch Winkel. Gut, ich gebe zu, das war indiskret, aber inzwischen zu interessant um einfach weg zu gehen.
Er wandte sich ihr wieder zu und, nachdem er sich unbeobachtet glaubte, trat er hinter sie. Es kam zu Körperkontakt, dem sie nicht auswich, sogar eher noch entgegenkam. Sein vorderer Unterleib rieb sich wiegend ... dann bin ich gegangen. Es war ja ganz offensichtlich, warum die zwei auf den Turm gefahren waren. Ein Schloss sah ich sie allerdings nicht anbringen.
Ich entschloss mich, nicht den Aufzug zu nehmen, sondern die lange, schmale Wendeltreppe nach unten zu gehen. Dabei dachte ich an die Kälte auf dem Turm und dass der November doch gar nicht die Zeit für Frühlingsgefühle ist, der oben erwähnte Schlager ging mir durch den Kopf und dann dachte ich, dass wahrscheinlich der Klimawandel an allem Schuld ist. 
Auf jeden Fall bestand für den Fisch in seinem Rucksack keine Gefahr!
Ich war heute noch einmal auf dem Turm und habe ein paar Bilder gemacht, nur dammit niemand glaubt ich würde das alles erfinden!























































Übrigens habe ich mich kurz mit einer sehr netten jungen Frau am Info-Desk des Turms unterhalten und sie klärte mich über den Zweck und Sinn des Gitters auf dem Turm auf. Von wegen Suizidverhinderung, das wäre das kleinere Übel, das käme so gut wie nie vor, nein: Es ist der Müll den manche Turmbesucher über die Brüstung zu entsorgen pflegten!
"Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!" (Shakespeare, Der Sturm, wurde am 1. November 1611 uraufgeführt)

Bald hängt ein neues Schloss am Gitter! ...

Mittwoch, 13. November 2013

Venedig von oben


Das ist das Bronze Tor am Fuß des Campanile. Hier muss man durch, wenn man in den Fahrstuhl möchte, der einem den Blick von oben ermöglicht. An ihm hat sich nichts geändert, die Patina ist geblieben und die Erinnerungen. Der Campanile bildete die Klammer, zwischen der sich die Geschichte meines Romans entwickelte. Auch die Kasse ist unverändert, genau so wie der Aufzug. Ja, es gibt nur einen, da muss man Glück haben, wenn am Morgen nicht schon eine halbe Stunde vor Öffnungszeit eine lange Menschenschlange vor diesem, von geflügelten Löwen flankierten Tor steht.




















Ich habe das Glück an diesem regnerischen Morgen, dass die Touristen sich auf Innenräume konzentrieren, zumindest noch um 9 Uhr. Nur ein mittelaltes Ehepaar zeigt noch Interesse, na ja, eigentlich ist nur der Ehemann für eine Fahrt nach oben, weshalb ich dann der Erste an der Kasse bin. Es kostet 8 Euro, was ich angemessen finde. Vor 40 Jahren kostete es so ungefähr 2 DMark, aber man musste natürlich mit Lire bezahlen. Wir sind also nur zu dritt bei der Aufwärtsfahrt. Ich drücke beim Verlassen der Kabine dem Fahrstuhlführer, ein Mann im Rentenalter, die 2 Euro Rückgeld, in die Hand. Er sieht mich überrascht und dann mit echter Freude im Blick an. Er erkennt in mir einen Besucher aus der Guten Alten Zeit, der die Gepflogenheit von damals noch kennt und praktiziert. Auch Fridolin Asche, mein Romanheld, gab ein Trinkgeld, allerdings erst beim Verlassen des Glockenturms. Es ist eine Wohltat hier oben beinahe alleine zu stehen und sich in die Stadt zu vertiefen.


















































































































































































































































Als ich den Turm, als Erster, verlasse, sind schon mehr Besucher nach oben gefahren. Sie behindern sich in den Nischen zwischen den Pfeilern. Manche halten einfach die Kamera, meistens ein Handy, über ihren Kopf und knipsen. Ich darf ganz alleine nach unten fahren. Wir nicken uns beim "Arrivederci" lächelnd zu. Dann lasse ich auch dieses Stück Vergangenheit hinter mir.


Vor dem Markusdom stehen schon mehr Menschen, als mir lieb wären, wenn ich mit ihnen in dieser Kirche sein müsste. Aber es hat zu regnen aufgehört, erstes nur schwach getrübtes Licht dringt durch und ich mache mich auf den Weg zum Biennale Gelände.