Shakespeare stellt diese Frage in Hamlets traurigem Monolog.
Letzte Nacht träumte ich von Strindbergs "Traumspiel".
Warum?
Das tut nichts zur Sache.
Weil ich an die Träume denke, vor denen sich Shakespeare's Held (?) fürchtet, sofern sie im langen Schlaf des Todes kämen?
Habe ich Todesfurcht, Lebensangst, oder bin ich lebensmüde?
Eine Frage, die sich genau so schwer klären lässt, wie das: "Wir werden es nie wissen." in einer wissenschaftlichen Fernsehsendung über das Auftauchen eines Schweinehufs auf einem frühassyrischen Lehmtäfelchen.
Letzte Nacht träumte ich also das "Traumspiel" von Strindberg. Nicht als Zuschauer, nein, ich war mitten drin.
Die Inszenierung war so konzipiert, dass wir, die Akteure, ständig an der Rampe standen. Vor uns lag ein dunkles Publikum, nicht sichtbar, nicht hörbar, nur fühlbar. Was viel unheimlicher ist als alles andere!
Ich hatte hauptsächlich die Rolle eines Wachmanns. Ob der in dem Stück vorkommt ist unwichtig. Zudem war ich der Sohn, den die Mutter, während sie Wäsche faltet, ermahnt: "Hadere nie mit Gott!" Mein Text stand auf einem weißen Blatt Papier und ich sollte ihn davon ablesen.
Das war überhaupt die Idee des Regisseurs, dass alle Texte abgelesen werden ... "So ist das Leben" sagte er. "Niemand lernt etwas auswendig, es sei denn, es ist erfunden."
Im Traum klingt so etwas logisch.
Bei der Beleuchtung gab es "Spotlights" und "Szenenlicht" und viel Dunkel im Hintergrund, auf dem manchmal Projektionen aufschienen.
Wir probten viel. Es war chaotisch. Das wird schon klappen, sagte der Regisseur immer wieder.
Dann kam der Abend der Premiere. Wir versammelten uns am Bühnenrand, jede/r in der Ausgangsposition. (Die Idee war, weil wir alle Mehrfachrollen hatten, dass wir im Dunkeln, wenn das Licht eine andere Dimension schuf, unauffällig den Standort wechselten um die neue Rolle zu verkörpern. Das fand ich gut und es hat auch funktioniert, so weit ich mich erinnere ...)
Wir standen also alle am Bühnenrand, angespannt und vom Dunkel vor uns fasziniert, als mir auffiel, dass ich meinen Mantel nicht abgelegt hatte. Einen Trenchcoat, mit Gürtel, wie ihn Detektive in alten Filmen tragen. Ich geriet in die Vorstufe von Panik, aber Ellen, eine kleine, blonde Kollegin aus einem anderem Leben und Traum half mir aus dem Mantel. Darunter trug ich ein hellgraues Sakko ... dann merkte ich, dass ich meinen Text vergessen hatte ...
dann fiel mir ein, dass ich ihn ja ablesen würde ...
dann hatte ich Harndrang, wie manche Männer in Fernsehspots ...
Ob Shakespeare den eingeplant hat?
Hamlet sagt nichts darüber.
Vielleicht meint Shakespeare das mit: "Der Rest ist Schweigen." ?
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