Gute Frage, einfache Antwort: weil ich schon mehrmals dort war und die Stadt mag. Ich wollte ja "liebe" schreiben, aber ich kenne sie zu wenig, um sie mehr als oberflächlich zu lieben. Also mag ich sie vorläufig. Und das seit … ca. 55 Jahren?! Ja, so lange ist das her, seit ich zum ersten Mal in Istanbul war. Als "Ambassador of Good Will", als Angehöriger der USNavy. Es war 1958 und die politischen Verhältnisse im Mittelmeerraum … lassen wir das, sie sind nicht besser geworden seither. Der Captain sagte damals, ehe wir an Land gehen durften, wir sollen uns "zivilisiert" benehmen. "Amis", hauptsächlich als Militärs vertreten, hatten in Europa keinen guten Ruf. … (Ich klammere die Gegenwart aus. Amerikaner, die Bürger der USA, sind als Volk ok, als politische Macht zweifelhaft. So sieht das aus.)
Ich war also noch nicht ganz 20, gut aussehend und "in the Navy" …
Zurück nach Istanbul fuhr ich in einem total überfüllten Omnibus. Vielleicht war es ein Vorläufer des Dolmuş? In der Rückschau würde ich sagen, dass nur Männer an Bord waren. Ich habe auf jeden Fall keine Frau gesehen. Sehen wollen? Sardinen können nicht dichter gepackt in einer Blechdose liegen, als wir in diesem Omnibus standen. Man konnte kein Glied rühren, aber auch nicht umfallen. Es war beängstigend schön! Apropos Glied: dieser junge, mit seinem schwarzen Schnurrbart sehr "türkisch" aussehende Armeeoffizier aus der Kaserne, die ich am Schwarzen Meer aus der Ferne gesehen hatte, wurde mit solcher Kraft in meine Rückenpartie gepresst, dass ich seine Männlichkeit … aber das ist auch eine andere Geschichte. Auf jeden Fall hatte und habe ich Istanbul in bester Erinnerung!
Das zweite Mal besuchte ich die Stadt ungefähr 10 Jahre später auf einer Kreuzfahrt mit meinem Freund W., der am 23. Dezember 2013 starb. Es war eine schöne Zeit. Das Schiff war klein genug, dass wir die Straße von Korinth passieren konnten. Auch das ist eine andere Geschichte …
In Istanbul wurde das Schiff mit Musik und Volkstanz empfangen und später sahen wir Tanzbären auf der Galatabrücke und auch in der Stadt … Das gibt es natürlich nicht mehr. Für die Bären ist das auf jeden Fall besser! Die Brücke hat inzwischen einmal gebrannt, wenn mich nicht alles täuscht … Kurz vor der Stadtrundfahrt mit einer sehr netten, sehr gut Deutsch sprechenden Fremdenführerin, entlud sich ein gewaltiges Gewitter über der Stadt und die Straßen verwandelten sich in reißende, lehmige Bäche. Der Omnibus musste anhalten! "Da muss irgendwo irgendwas verstopft sein." meinte die nette junge Frau, ich glaube sie hieß Eisel oder so ähnlich, und fügte hinzu: "Normal ist das nicht!" Neulich sah ich im Fernsehen eine Reportage über die Wasserversorgung Istanbuls. Unter anderem wurden Straßen nach einem heftigen Regen gezeigt, sie glichen Sturzbächen aus lehmiger Brühe. Ich hatte ein Deja-vue! Das ganze Wassersystem sei völlig veraltet, sagte der Reporter. ...
Ich bin gespannt auf Istanbul!
Übrigens ist Istanbul durchaus mit Venedig vergleichbar, wegen ihrer (ich nenne Istanbul auch "Sie", wenn auch nicht Serenissima) unvergleichlichen Lage auf zwei Kontinenten. Sie neu zu erleben wird wunderbar!
Ich war also noch nicht ganz 20, gut aussehend und "in the Navy" …
Wir waren im Mittelmeer, für mich, der vor der Auswanderung in die USA nie im Ausland war, so gut wie "auf dem Mond"! Auf der Überfahrt von South Carolina, USA, nach Cadiz, Spanien, wurde ich zum ersten und einzigen Mal seekrank. Das gehöre dazu, trösteten mich die Kameraden. Im Hafen von Gibraltar schob uns ein Schlepper in die Breitseite unseres Schwesterschiffs … das ist eine andere Geschichte. ...
Ich war ja mit 17 in die USA ausgewandert, aber für mich war das Mittelmeer Griechenland, Mythos und Zivilisation. Ich fühlte mich daheim! Als wir durch die Dardanellen und den Hellespont fuhren, hätte ich bestimmt Rotz und Wasser geheult vor Glück, wäre ich damals so alt wie heute gewesen.
Istanbul erreichten wir früh morgens. Es herrschte dichter, wirklich sehr dichter! Nebel. Aus der undurchdringlichen Milchsuppe ringsum gröhlten fortwährend Nebelhörner. Je mehr desto näher wir dem Hafen kamen. Wir standen "on parade", also in Paradeuniform und in Reih und Glied entlang der Reling und auf dem Helikopter Landedeck ausgerichtet, wie es sich für inoffizielle "Botschafter des Guten Willens" ziemte, und erlebten ein nicht enden wollendes Wunder, als sich der Nebel, durch die zunehmende Kraft der Morgensonne, langsam rosa färbte und Minarette und Kuppeln am Horizont über unseren Köpfen in der Luft auftauchten, wie Truggebilde einer Fata Morgana. So erlebte ich Istanbul zum ersten Mal! Schöner geht nicht!
Wir waren drei Tage lang dort und ich unternahm einige Ausflüge. Zum Beispiel eine Fährfahrt zum Schwarzen Meer. Damals noch ein Abenteuer, weil dort doch die UDSSR angrenzte!
Amerikaner, Bürger der USA, sind (oder waren?) ein "Rudelvolk". Zusammenbleiben, Kontakt halten, nicht ausscheren … Ohne es zu wollen, war ich dann doch plötzlich alleine auf weiter Flur. Vor mir das Schwarze Meer … Ich kann mich erinnern, dass es mir unheimlich war. Na ja, man lässt sich viel einreden. In einem Dorf ließ ich mich fotografieren. Ich hatte ja keine richtige Ahnung, wie unbeliebt die "Amis" dort damals waren. Die meisten US Amerikaner werden das auch heute nicht wissen.
Das zweite Mal besuchte ich die Stadt ungefähr 10 Jahre später auf einer Kreuzfahrt mit meinem Freund W., der am 23. Dezember 2013 starb. Es war eine schöne Zeit. Das Schiff war klein genug, dass wir die Straße von Korinth passieren konnten. Auch das ist eine andere Geschichte …
In Istanbul wurde das Schiff mit Musik und Volkstanz empfangen und später sahen wir Tanzbären auf der Galatabrücke und auch in der Stadt … Das gibt es natürlich nicht mehr. Für die Bären ist das auf jeden Fall besser! Die Brücke hat inzwischen einmal gebrannt, wenn mich nicht alles täuscht … Kurz vor der Stadtrundfahrt mit einer sehr netten, sehr gut Deutsch sprechenden Fremdenführerin, entlud sich ein gewaltiges Gewitter über der Stadt und die Straßen verwandelten sich in reißende, lehmige Bäche. Der Omnibus musste anhalten! "Da muss irgendwo irgendwas verstopft sein." meinte die nette junge Frau, ich glaube sie hieß Eisel oder so ähnlich, und fügte hinzu: "Normal ist das nicht!" Neulich sah ich im Fernsehen eine Reportage über die Wasserversorgung Istanbuls. Unter anderem wurden Straßen nach einem heftigen Regen gezeigt, sie glichen Sturzbächen aus lehmiger Brühe. Ich hatte ein Deja-vue! Das ganze Wassersystem sei völlig veraltet, sagte der Reporter. ...
Ich bin gespannt auf Istanbul!
Übrigens ist Istanbul durchaus mit Venedig vergleichbar, wegen ihrer (ich nenne Istanbul auch "Sie", wenn auch nicht Serenissima) unvergleichlichen Lage auf zwei Kontinenten. Sie neu zu erleben wird wunderbar!



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