Es hat mich schon ein bisschen überrascht, dass so verhältnismäßig viele Besucher hierher kommen, im Vergleich zu den Massen, die nur bis zum Markusplatz finden. Auch die Tatsache, dass keine Gruppen und Grüppchen mit Führerperson mit hochgehaltenem Erkennungszeichen, Regenschirme, Fähnchen, etc. durchgeschleust wurden, bewerte ich positiv. Vielleicht schreckte diesen Personenkreis ja das hohe Eintrittsgeld ab? Trotzdem bildeten sich vor manchen Pavillons kleine Schlangen, weil die Kunst im Innenraum begrenzt begehbar ist. Im Ägyptischen Pavillon ist das zwar nicht der Fall, deshalb wirkt der einsame, mystisch beleuchtete "Derwisch" (?) auch sehr intensiv auf mich.
Ein bisschen hat es mich ja auch gewundert, dass Ägypten überhaupt in diesen Zeiten der Unruhe vertreten ist. Aber Kunst ist ja angeblich nicht politisch ...
Der amerikanische Pavillon, also der der ESTATI UNITI, ist schon außen zum Kunstwerk verfremdet an dem es viel zu rätseln und entschlüsseln gibt. Allerdings wird man nur in Grüppchen von begrenzter Anzahl eingelassen, es sei denn, es bildet sich gerade kein Außenstau. Ich verzichtete auf die Innenansicht. Enge Räume und erdrückende Menschenmassen sind nicht so mein Ding, es sei denn, die Situation hat eine erotische Komponente ...
In manchen Pavillons gab es wenig zu sehen und das Wenige fand ich nicht immer interessant. Kunst findet ja im Kopf des Betrachters statt, denke ich und manches hinterlässt eben keinen bleibenden Eindruck. Dieses "Gespinnst" (mein Titel) in einem der brasilianischen Räume gefällt mir auf jeden Fall, weil es mit Licht und Schatten erst komplett ist.
Venedig hat ja einen eigenen Pavillon in dem verschiedene italienische Künstler ihre Arbeiten präsentieren. Mir haben sie viele Bilder im Kopf hinterlassen, nicht nur in der Kamera, wobei mich der "Blutfluss" der gewebten Roten Frau gleich hinter dem Eingang an die Plastinate von Gunther von Hagens erinnert.
Ich nenne diesen Kunstraum einfach salopp "Das Windei", weil in seinem verspiegelten Inneren, das den Eindruck der Unendlichkeit sehr real vermittelt, Wind- beinahe schon Sturmlaute erklingen. Die Kombination von "Innen" das "Außen" zu hören ist, oder wirkt auf mich, beruhigend. Auch der optische Eindruck des endlich Unendlichen, schließlich befinde ich mich ja in einem imaginären Kreis, lässt keine Platzangst zu. Dazu kommt das sehr positiv wirkende Sonnensymbol, das "wärmende" Gold und die blauen "Durchbrüche", die den Wind plausibel erscheinen lassen, ihn beinahe fühlbar machen, die eine "schöne, weite Welt" auf sehr engem Raum erschaffen.
Die im folgenden Raum ausgestellten übergroßen Fotogemälde und die Plastik der zwei Figuren empfand ich als (h)eis(s)/kaltes Rätsel. Schon allein dieser Pavillon ist genug "Erlebnis" für einen ganzen Tag.
Viele Länder, inklusive Deutschland, im französischen Pavillon, sind mit musikalischen Installationen vertreten, die ich allerdings alle nicht so fesselnd finde, dass ich mich für längere Zeit darauf einlasse, was die Natur der Darbietung ja erfordern würde.
Im rumänischen Pavillon wird "lebendige Kunst" ausgestellt. Zehn junge Menschen, in verschiedenen Gruppen, erscheinen als eine Installation in Bewegung, wenn ich es richtig verstanden habe, den "Zustand der Biennale" (An Immaterial Retrospective of the Venice Biennale) in immer wieder wechselnden Posen und Bewegungen zu zeigen. Es werden 100 "Kunstwerke" seit der Gründung der Biennale bis heute nachgestellt. Dass die Besucher Teile dieser Bilder werden bleibt dem Fotografen überlassen. Ich fand es "sehenswert". Finde das immer noch. Siehe unten.
English Magic nennt der Künstler Jeremy Deller seinen Beitrag zur Biennale. Der großformatige Raubvogel mit dem roten Auto in der Kralle signalisiert einen guten Tag für Radfahrer, A Good Day For Cyclists. Der Vogel scheint durch den Eingang zum Pavillon auf den Besucher zuzufliegen. Das macht neugierig. Der überlebensgroße Reeder(?), der ein Schiff auf die in milchigem Dunst verblassende Silhouette von Venedig schleudert, trägt den Titel We Sit Starving Amidst Our Gold. An der Wand sind eine große Anzahl von Aktien angebracht ...
Vielleicht möchte der Künstler ja bewusst auf die Bedrohung Venedigs durch die Schifffahrt aufmerksam machen? Wie dem auch sei, diese Feder, wahrscheinlich von einem mit Humor begabten Besucher an die Außenwand geklebt, hat auch etwas Optimistisches und ich verlasse die Giardini mit genügend Bildern und "Visionen" angereichert für die nächste Zeit.
Inzwischen hat die Sonne wieder übernommen, Venedig zeigt sich im vorteilhaftesten Licht und der Rückweg zum Markusplatz wird zum Bilderbuch.
Wer die diesjährige Biennale noch besuchen möchte und nicht schon in Venedig ist, sollte möglichst bald anreisen. Die Kunst-Schau schließt ihre Tore am 24. November 2013. Der Besuch lohnt sich.
Vielleicht möchte der Künstler ja bewusst auf die Bedrohung Venedigs durch die Schifffahrt aufmerksam machen? Wie dem auch sei, diese Feder, wahrscheinlich von einem mit Humor begabten Besucher an die Außenwand geklebt, hat auch etwas Optimistisches und ich verlasse die Giardini mit genügend Bildern und "Visionen" angereichert für die nächste Zeit.
Inzwischen hat die Sonne wieder übernommen, Venedig zeigt sich im vorteilhaftesten Licht und der Rückweg zum Markusplatz wird zum Bilderbuch.
Wer die diesjährige Biennale noch besuchen möchte und nicht schon in Venedig ist, sollte möglichst bald anreisen. Die Kunst-Schau schließt ihre Tore am 24. November 2013. Der Besuch lohnt sich.

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