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Donnerstag, 1. August 2013

Das 19. Kapitel beschäftigt sich nochmals mit Fitness


Hier hat es angefangen. "Es", das Krafttraining, von dem ich erhoffte, und immer noch erhoffe, dass es meinen essentiellen Tremor reduziert. Mit "Bodybuilding", wie das früher genannt wurde, hatte ich so viel am Hut wie für chinesische Orthographie. Oder für Sport überhaupt. In der Schule, 1945 bis 1953, hieß "Sport" Schnitzeljagd und Völkerball. Es existierte in Waldenbuch zwar eine Turnhalle, aber wir durften sie nur sehr selten nutzen, wahrscheinlich weil der Sportverein fürchtete, dass wir die Geräte ruinieren würden. Hätten wir wahrscheinlich auch. Abgesehen davon war ich immer ein "schmales Handtuch", was nicht nur an unzureichender Nahrungszufuhr lag, sondern an meinen Genen. Zwar war mein Vater ein sportlicher Mensch, wenn ich meiner Schwester glauben darf, aber er starb zwei Monate vor meiner Geburt und konnte mich also nicht anspornen. Ein "Muskelpaket" war er aber auch nicht. Also Gene eben. Als Teenager entwickelte ich wohl Ehrgeiz für Muskelaufbau, aber der war mit endlosen Liegestützen und Kniebeugen, etc. verbunden und ebbte schnell ab, nachdem nach zwei Wochen noch kein einziger Muskel an meinem Körper in Erscheinung getreten war.

Ich spielte auch lieber Federball als Fußball. 
Ein hoffnungsloser Fall also. ...









Als Buchdrucker, ein ausgestorbener Beruf, musste ich zwar schwer heben, die einzelnen Seiten der sechtzehnseitigen Druckformen waren aus Blei, das Papier das ich bewegte, in die Maschine und aus ihr heraus, war auch nicht leicht, aber Muskulatur baute ich keine auf. Die Hoffnung darauf hatte ich auch aufgegeben. So hat sich an meinem "Körperbau" zwischen meinem 14. und 17. Lebensjahr nichts verändert. Siehe unten.


Zwischen meinem 17. und 74. Lebensjahr hat sich meine Figur zwar mehrmals verändert, aber nie zum  dauerhaften Vorteil. Es ist verblüffend, wie schnell man(n) einen "Ranzen" bekommt und wie schwer es ist, ihn wieder los zu werden. Liebeskummer, das konnte ich mehrmals feststellen, ist die beste Abnehm-Diät! Hätte ich niemals Beziehungsstress gehabt, würde ich inzwischen garantiert 2 Zentner wiegen! Denn maßhalten beim Essen gehörte nicht zu meinen Tugenden. Beim Trinken schon, da konnte ich jede Menge "Maß" halten!
Es war ein Teufelskreis.
Als ich bei "Meister Ali" zu trainieren anfing, siehe ganz oben, wog ich ca. 75 Kilo, meist Fett. Meine Beinmuskulatur war so ziemlich die einzige, die nicht ganz im Argen lag. Ich gehe viel, laufe aber nicht. Hast ist ein Laster. Die Armmuskulatur hingegen war einfach nicht existent, anders kann man es nicht sagen. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, hielt ich dieses Manko an Kraft für einen Grund meines starken Tremors, wenn ich etwas heben musste, wollte, sollte. Womit ich also endlich wieder beim Thema bin: Krafttraining.


Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, rekapituliere ich gerne noch einmal einige Stationen des Werdegangs meines Trainings. Dies ist also quasi eine Rückblende wie im Film. (Der Leser kann sich glücklich schätzen, dass ich hier nicht Richard Wagners Methode anwende, die dieser im "Ring des Nibelungen" praktizierte, und jeden geschriebenen Satz und jedes gezeigte Bild zum Anlass nehme, noch einmal die ganze Geschichte von Anfang an zu erzählen!)


                                                                       "Meister Ali"

Trotzdem sei Ali Gölpınar noch einmal lobend erwähnt, weil ich ohne seine unaufdringliche Ermunterung nicht weit gekommen wäre. Ich weiß nicht, ob sich die Direktion des Royal Wings Hotels darüber im Klaren ist, welch ein vorzüglicher Personal Trainer in ihrem Fitnesscenter beschäftigt ist. Er zeigte mir nicht nur die Geräte und erklärte ihre Funktion, sondern beschrieb auch welcher Muskel bei den einzelnen Übungen trainiert und gekräftigt wird ... Ich tendiere wohl doch zu wagner'scher Epik!

Training ist kein "Zeitvertreib" wenn man(n) als "absolute beginner" herangeht und Resultate erzielen möchte. Für mich war erst einmal alles die reinste Tortur, nicht weil es schmerzhaft gewesen wäre, sondern weil es einfach Kraft erforderte, die ich nicht hatte, was mir manchmal schon peinlich war. Ich konnte, z. B. zwei der leichtesten Gewicht (2 Kilo) nicht mit gestreckten Armen über meinen Kopf heben!
Es war demütigend ...



Nach 5 Wochen täglichem Training, aufgeteilt in zwei "Einheiten" von jeweils mindestens 45 Minuten (Morgens etwas länger, weil ich da so lange wie möglich "Radfahren" musste, wegen des "Aufwärmens" und "Cardio" Trainings, schließlich ist das Herz ja DER Muskel, der am meisten leisten muss) hatte ich auf den Oberarmen leichte "Schwellungen", die man als Bizeps bezeichnen konnte, sofern man mir schmeicheln wollte. Natürlich war ich stolz darauf! Und inzwischen schaffte ich auch zwei Mal 4 Kilo über den Kopf ...


Dann hieß es Abschied nehmen von Meister Ali und dem all inclusive Leben im Hotel Royal Wings. Zugenommen  hatte ich nicht, was ich als sehr positiv wertete. (Zwei Gästinnen schon etwas gereifteren Alters aber noch keine Seniorinnen, kamen jeden Morgen, wenn außer mir noch niemand da war, in den Fitness Raum und stellen sich auf die Waage (die einzige im Hotel?). Anfangs lobten sie sich noch vernehmlich gegenseitig wegen ihrer "Disziplin", aber sie wurden "zunehmend" leiser im Lauf der Zeit und blieben schließlich ganz aus. Ich dachte erst  noch, dass sie abgereist wären, traf sie aber noch des öfteren im Restaurant, wo sie ihre Disziplin offensichtlich verloren hatten.)


In Stuttgart entschied ich mich für das "Kieser Training", wie an anderer Stelle schon beschrieben. Ein Kieser Studio unterscheidet sich grundsätzlich von herkömmlichen "Mucki-Buden" und die Geräte, auch wenn sie den selben Zweck erfüllen, wie die im Fitness-Center, kann man nicht vergleichen. Ich werde einige Bilder zur Illustration hinzufügen.
Ich habe nicht vor eine Biografie von dem Schweizer Werner Kieser zu schreiben, die kann man googeln, wenn man sich dafür interessiert. Nur so viel: Er kam nach einem Sportunfall, beim Boxen, als mehr oder weniger Reha Maßnahme, zum Krafttraining und machte dieses schließlich zu seinem Beruf. Sein Ziel, und er meint, das müsste das Ziel jedes Menschen sein, ist es, die Körperkraft, also die Muskulatur, so weit wie es der individuelle Körper "zulässt" aufzubauen und dann zu erhalten. In einem Interview sagte er, als Antwort auf:
Der deutsche Psychiater Manfred Lütz wirft der Fitnessgemeinde vor, vorbeugend zu leben, um einmal gesund zu sterben.
Das ist nicht abwegig: Sterben muss man so oder so. Es ist aber ein Unterschied ob man vor dem Tod jahrelang dahinsiecht oder ob man fit in die Kiste geht. (Tages Anzeiger, Zürich, 10. 4. 2010)
Kieser entwickelte Geräte, auf bereits vorhandene Patente aufbauend, die geeignet sind jeden Muskel separat, so weit das möglich ist, zu kräftigen, ohne andere Muskeln "zur Hilfe" zu nehmen. Mir leuchtete das ein und verstand daher auch, dass man sich bei manchen Geräten fest anschnallt um nicht "nachgeben" zu können und somit dem zu trainierenden Muskel "entgegen zu kommen".

Kieser Geräte sind schlicht. Sie sind nicht, wie  die meisten Apparaturen in herkömmlichen Fitness Studios, multifunktional, sondern  sie ermöglichen nur das Trainieren eines ganz bestimmten Muskels, oder einer mit diesem korrespondierenden Muskelgruppe. Lauf- oder andere Bewegungsgeräte gibt es nicht. Im oben schon zitierten Interview sagt er, Marathonlauf betreffend: Marathon zu laufen ist Sport, mehr aber nicht. Zu glauben, dies sei der Gesundheit zuträglich, ist ein fataler Irrtum. Erstens sind wir keine Lauftiere, sondern gehören zu den Homoniden: einer Affenart.  Unser Fuß ist ein - etwas verkümmertes - Greiforgan und besteht aus 29 Knochen. Im Unterschied etwa zum Pferd, einem Lauftier, dessen Huf aus drei gut gepolsterten Knochen besteht.







Musik gibt es auch nicht bei Kieser, kein hämmerndes mpfda, mpfda, mpfda, das keine Konzentration zulässt und es gibt auch keinen Raum zum "Chillen" nach dem Training, mit Getränken und Gemütlichkeit. "In einer Kirche gibt es auch keine Saftbar." sagt er.


Interviewer: "Humorlosigkeit zeichnet Menschen an Kraftmaschinen  aus."
Kieser: Bitte schön. Ich gehe jedes Jahr ins Humorfestival. Doch Trainieren ist eben nicht besonders lustig, aber notwendig.

Interviewer: "Und hat alle Attribute einer todernsten Gesundheitsreligion." 
Kieser: Das könnte man auch von der Zahnsteinentfernung sagen. Die ist auch nicht humorvoll, aber wirkungsvoll in Bezug auf Prävention. Die Zähne pflegen wir. Den Bewegungsapparat aber schikanieren wir ein Leben lang. Dabei können wir Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit sehr wohl bis ins hohe Alter beeinflussen.

Ich glaube dass der Interviewer noch humorloser war, als "Menschen an Kraftmaschinen". Mir ist das Lachen auf jeden Fall noch nicht vergangen, aber ich nehme das Training ernst. Sonst könnte ich es bleiben lassen.



Auf keinen Fall soll man jeden Tag trainieren, da dies dem Muskelwachstum entgegen wirkt. Eine Pause von mindestens 48 Stunden sollte dazwischen liegen, eher mehr als weniger. Da es mir dabei gut geht und ich mich nicht mit Muskelkater unwohl fühle, denke ich, dass ich so weiter machen kann. Jetzt heißt es eben Geduld haben und dem Tremor eine Chance geben sich zu beruhigen. Vorläufig gefällt es ihm aber noch bei mir ... Übrigens wiege ich inzwischen konstant 73 Kilo.

Freitag, 24. Mai 2013

Im neunten Kapitel wird FITNESS groß geschrieben




"Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!" "Lass alle Hoffnung fahren, wenn Du hier eintrittst." 
(Dante, Die Göttliche Komödie)


Also ganz so schlimm ist es nicht, dass alle Eintretenden die Hoffnung fahren lassen sollen. Eher im Gegenteil, man hegt ja die Hoffnung, dass man neu geboren aus der Hölle körperlicher Ertüchtigung hervor geht. Aber es ist der erste Schritt hinein, der am schwierigsten ist.
Zumindest war er das für mich. Von natürlicher Schüchternheit gehemmt, fällt es mir immer schwer etwas Neues zu wagen, wenn ich dazu mit Menschen Kontakt aufnehmen muss. Meistens muss man das und wenn man einen Personal Trainer braucht, der sich um den Aufbau von Kraft und Muskeln in einem nie trainierten Körper kümmern soll, kommt man schlicht und ergreifend nicht darum herum. Also nahm ich eines Abends, als ich den Fitness Trainer in der Hotelhalle sah, meinen Mut zusammen und sprach ihn an.
Im vorhergehenden Kapitel habe ich ja schon erwähnt, dass er mir nicht ganz fremd war, zumindest nicht vom Sehen. Es war auch schon zum Austausch von "Guten Tag" und von die Anwesenheit des Anderen registrierendem Kopfnicken gekommen. Aber das war es dann auch schon. Erwähnt habe ich auch, dass er, in meinen Augen, eine sehr bemerkenswerte Erscheinung hat. Beim ersten Sehen im Vorjahr, assoziierte ich sofort ägyptische Pharaonen mit seinem Kopf und seiner ganzen Körperhaltung, oder mit der Darstellung frühgeschichtlicher assyrischer Könige auf den Toren von Babylon und Ninive. Einfach umwerfend gutaussehend!


Er heißt Ali G., von mir auch "Meister Ali" genannt. Ich schilderte ihm kurz mein Tremor-Problem und dass ich versuchen wolle, meinen ganzen Körper zu kräftigen, um eventuell weniger zu zittern. Da er sehr gut Deutsch versteht und spricht, gab es keine Verständigungsprobleme und ich versprach, am nächsten Morgen ins Fitness Center zu kommen, wo man alles Weitere besprechen würde. Ich schreibe hier nicht ohne Hintergedanken "versprach", weil es durchaus möglich gewesen wäre, dass mich am nächsten Tag der Mut verlässt und ich einfach nicht hingehe.
Aber da machte noch etwas anderes Druck, den Termin einzuhalten. Nämlich mein Freund. Mit der selben insistierenden Penetranz, mit er er mir Flugangst und Spinathass unterstellte, vertrat er die Meinung, dass ich etwas "für den Körper" tun müsse. Jemand der Sport gleich nach Folter einordnet, ist nicht leicht davon zu überzeugen, dass er sich "körperlich ertüchtigen" sollte. 
Für mich kommt Sport noch vor Folter! 
Andererseits muss ich zugeben, dass in den Jahren seit meinem Eintritt in die Rente mein Gewicht zu- und meine Beweglichkeit abgenommen hatten. Eine Zeitlang machte ich rigorose Spaziergänge, bei denen ich immer schnell außer Atem und ins Schwitzen geriet, aber so richtig mit ganzem Herzen war ich nicht dabei. So steigerte sich mein vieljähriges Normalgewicht von um die 72 Kilo pendelnd, auf 88 Kilo, Tendenz nach oben pendelnd. Dass ich immer dicker wurde versuchte ich dadurch zu kaschieren, dass ich meine Hemden außerhalb der Hose trug. Wenn ich mich aber nackt sah, dachte ich schon manchmal: `Du lieber Himmel!´ und vermied es mich nackt zu sehen.
Dann schritt das Schicksal ein. Ich bekam so massiven Beziehungsstress, dass mir der Appetit verging. Die Pfunde purzelten, die Kilo schmolzen dahin. Nur die vorher straffe Haut wusste nichts mit sich anzufangen und legte sich in elefantenmäßige Falten und Fältchen. Ich vermied es weiterhin mich nackt zu sehen. Na ja, und dass ich plötzlich nichts Passendes mehr anzuziehen hatte, habe ich ja schon beschrieben. So war mein prinzipieller Widerstand gegen Sport ins Abbröckeln geraten. Und nachdem mein Freund am übernächsten Tag für eine Woche zu Besuch kommen wollte, gedachte ich ihn damit zu überraschen, dass ich wahrhaftig "etwas für meinen Körper tun" würde. So konnte ich zwei Fliegen mit eine Klappe schlagen: Das Zittern und meinen Freund. Motiviert war ich also.
So durchschritt ich am nächsten Morgen hoffnungsvoll die oben abgebildete Tür und war beeindruckt von der Vielfalt der Folterapparate, Entschuldigung, der Sportgeräte und des Eifers und Ehrgeizes der diese Bedienenden.


Meine Chance mich unauffällig wieder zurückzuziehen, die ich kurz aber intensiv in Erwägung zog, war von geringer Dauer. Ali G. kam auf mich zu, schüttelte mir die Hand, und von diesem Augenblick an war ich Krafttraining Fan. Was ich da noch nicht wusste.
Wer Krafttraining macht, sollte seinen Körper kennen. Wer kennt seinen Körper? Ich weiß welche Gliedmaße gebraucht werden um mich richtig funktionieren zu lassen. Das ist auch schon alles. Dass Krafttraining eine Wissenschaft für sich ist, begriff ich langsam während Ali mir die Geräte zeigte, ihre Funktion demonstrierte und die Auswirkung der Übungen auf die entsprechenden Muskeln. Ich wurde sehr skeptisch. Konnte ich das bewältigen? Meinen Körper in ein Versuchslaboratorium umwandeln? Wollte ich das wirklich?
Wenn Ali G. nicht gewesen wäre, hätte ich es nicht gemacht. Er verstand es mich zu motivieren, indem er Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte. Keine überzogene Energiedemonstration seinerseits, kein pseudo-kameradschaftliches Schulterklopfen.
Er sagte nur abschließend: "Wenn sie wollen, können sie morgen früh anfangen."
Das habe ich dann gemacht.


Es war der Beginn einer faszinierenden Beziehung ... zwischen meinem Körper und mir. Dass ich nicht stark bin wusste ich ja, dass ich soooo schwach bin hätte ich nicht gedacht. Ali stöpselte die Gewichte an den Geräten dort ein, wo er dachte, dass ich sie schaffen würde. Manchmal klappte es auch, meistens musste er eins weniger auflegen. Es war mir richtiggehend peinlich! Zum Glück beobachtete mich niemand, alle waren mit sich selbst beschäftigt und auch Ali trat diskret beiseite, nachdem er gesehen hatte, dass ich die Übung richtig ausführe.
"Nicht schwer muss es sein, sondern richtig." sagte Ali. Nicht auf die Höhe des Gewichts kommt es an, sondern auf die korrekte Ausführung. Die Bewegung muss "fließen", nicht verkrampft sein, sonst wird der zu trainierende Muskel falsch belastet und man erreicht gar nichts, bekommt höchstens gewaltigen Muskelkater. Ich bekam keinen.
Die restlichen fünf Wochen meines Aufenthalts trainierte ich regelmäßig, anfangs nur morgens eine Stunde, vor dem Frühstück, später auch noch Nachmittags eine Stunde. Allerdings machte ich das zum "Aufteilen" der Übungen, nicht um schneller Mr. Universum werden zu können. Eins war mir ja klar, schnell wird das nicht gehen: Geduld! Schließlich hat mein Körper beinahe 75 Jahre darauf gewartet, dass ich ihn bemerke, also werde ich ihm jetzt mit Respekt und Aufmerksamkeit begegnen. Nach 33 Tagen sagte Ali, als er mich bei einer Übung fotografierte, ich wollte das ja dokumentieren, dass man meinen Bizeps sehen würde. Bizeps? Ich? Soll das ein Witz sein? Er zeigte mir das Foto. Tatsächlich! Da sah man eine Wölbung am Oberarm, die vorher nicht dort war!!
Ich war stolz auf mich!
Danke, Meister Ali!


PS. "Wenn sie Krafttraining angefangen haben, können sie nicht mehr aufhören." sagte Ali schon am zweiten Tag zu mir. Ich dachte, er meint das im Sinne von süchtig werden nach Training, nach dem Gefühl der Ganzkörpereuphorie, das sich danach einstellt. (Ich hatte erwartet, dass ich mich schwer fühlen würde, die Glieder wie mit Blei belastet. Aber das Gegenteil war der Fall, ich hatte das Gefühl des Schwebens, der Schwerelosigkeit.) Aber Ali hatte sagen wollen: Es genügt nicht, mal eben Muskeln aufzubauen und danach wieder nichts zu tun, in der Meinung, dass ich jetzt Kraft für den Rest meines Lebens habe. Er sagte, dass ich mich auf etwas sehr Langfristiges einlasse, wenn ich es wirklich ernst meine. 
Die Konsequenz war, dass ich mich nach der Rückkehr aus der Türkei, hier in Stuttgart sofort nach einer Trainingsmöglichkeit umsah. Schließlich entschied ich mich für das "Kieser Training", ohne Bumsmusik, ohne Laufbänder, ohne Lounge, Bar, Sauna und Energiedrinks. Muskeltraining pur. 
Ich bin begeistert!