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Freitag, 24. April 2015

Zufällige Begegnung ...


Ob es den Zufall als solchen überhaupt gibt ist schon lange eine Frage die ich mir immer wieder stelle. Zu einem Ergebnis, das man als endgültig bezeichnen kann, bin ich noch nicht gekommen, auch nicht nach Beobachten der "Kugelmaschine", die ich im Kapitel Begegnungen beschrieben habe. In dieser treffen eine rote und eine blaue Kugel immer wieder aufeinander, obwohl sie mit 500 anderen Kugeln ein ständiges Mischen und Sortieren durchlaufen. Ein faszinierendes Experiment.
Langsam tendiere ich dazu zu glauben, dass Chaos der Vater des Zufalls ist, und Schicksal seine Mutter. Nicht berechenbar ... Es sei denn man manipuliert ihn. Wie ich darauf komme?
Heute am Spätnachmittag besuchte ich, wie zur Zeit jeden Tag, im Park die Nilgänse am See im Mittleren Schlossgarten. (Über sie werde ich einen gesonderten Bericht schreiben.) Danach setzte ich mich in der Großen Schalterhalle des Hauptbahnhofs an meinen Lieblingsplatz und trank Apfelschorle, die ich aus, im Lokal gekauftem, Apfelsaft und Sprudel selber mischte. Leider hat der Platz ja viel von seiner Attraktivität verloren, seit die Gleise nicht mehr an der Halle enden, sondern 100 Meter weiter draußen. Vorher sah das so aus:



Man sah Züge ein- und ausfahren, Reisende ankommen und gehen, sich umarmend und küssend, und nervös bei diversen Gepäckstücken Wartende, bis die Mitreisende Person endlich von der Toilette im Restaurant in meinem Rücken kam. Heute blicke ich  auf eine weiße Wand, an der die Bahn versucht gute Laune für die Unannehmlichkeiten der langen Wege zum Zug zu suggerieren.

Während ich da saß und an Alles und Nichts dachte, wobei mir auffiel, dass ein völlig unauffälliger Mann drei Mal an mir vorüber ging und ich wieder daran denken musste, dass man angeblich jedem Menschen mindestens zwei- wenn nicht sogar dreimal im Leben begegnet. Dieser Passant hatte innerhalb einer halben Stunde bewiesen, dass dem so ist.
Der Mann der von rechts angelaufen kam, groß, schlank, dunkelhaarig, gutaussehend, fiel mir nur auf, eben weil er groß, schlank, dunkelhaarig und gutaussehend war. Und weil er rannte.
Dann winkte er und rief ziemlich laut: "Erinnerscht Du Dich noch an mich?!"
Jetzt sah ich auch den kleinen, 
Es war mein Tyrol/Spanischer Freund aus dem Schlemmer-Grill, der seinen in München bei der farbigen Mutter lebenden Sohn abholte, wie jeden Freitag, den ich längst wieder vergessen hatte! 
Kaum erkannt waren sie auch schon in Richtung S-Bahn verschwunden.
Am Sonntag Abend setzt er ihn wieder in den Zug nach München. So hatte er es mir geschildert.
Da kam mir der Gedanke, dass ich lediglich jeden Freitag Abend zur selben Zeit hier, und jeden Sonntag Abend zur selben Zeit im Schlemmer-Grill sitzen muss, um eine Art "Und-ewig-grüßt-das-Murmeltier-Effekt" zu erzielen.
Dem Zufall ein Schnippchen schlagen! Ob der sich das gefallen lässt?
Ich bin gespannt!

Donnerstag, 9. April 2015

Begegnungen


Ich weiß nicht mehr, ob es die Alten Griechen oder die Alten Römer waren, die behaupteten, dass man jedem Menschen dem man begegnet, dies nicht nur einmal tut, sondern mindestens zwei, oder sogar drei Mal. Aus eigener Beobachtung, die nie absichtlich war, habe ich erfahren, dass das stimmt. Zufall? Schicksal? Gotteswerk?
Seit ich eine Maschine im Net gesehen habe, die hundert oder mehr Ping Pong Bälle mischt ...
Es handelt sich dabei um eine Art Förderband, das die Bälle transportiert und in immer neuen Varianten trennt, verteilt, durcheinander wirft und wieder sammelt.


Die Ausgangssituation ist diese: ungefähr hundert (genau konnte ich sie nicht zählen! Insgesamt sind es 500!!!) `Basketbälle´ und `Fußbälle´ werden geladen und hier schon ständig gemischt. Wann hier welcher Ball welchem und welcher Gattung wieder begegnet, ist nicht feststellbar. Zumindest nicht dem "normalen" Sterblichen.
Jetzt werden drei weitere Bälle hinzugefügt: ein roter, ein blauer und ein weiß/blauer.



























Selbst nach mehrmaligem ansehen des Films, konnte ich den Weiß/Blauen nicht mehr entdecken. Ob der nur zur Ablenkung gedacht ist, eine Art visuelles Plazebo, weiß ich nicht. Also konzentrierte ich mich auf den Roten und den Blauen. Diesen folgt auch die Kamera, übrigens ohne Schnitt, also keine Manipulation hinter den Kulissen. Es ist verblüffend, wie "nahe" sich die zwei bleiben durch Wirbel, Wurf, Schütteln und unzählige andere "ABLENKUNGEN" künstlich getrennt. SIE KOMMEN IMMER WIEDER ZUSAMMEN!




























Einmal landen sie sogar aufeinander!

Und schon im nächsten Moment sind sie wieder weit von einander getrennt und gehen verschiedene Wege. Zufall ist wohl gleich Schicksal. Und ob der Zufall Gotteswerk ist? Wer weiß?






















So viel zur Einleitung. 
Am Ostersonntag konnte ich wegen des strahlend schönen Wetters tagsüber nicht hinaus gehen, schlief schließlich in meinem Stressless-Sessel ein und wachte auf, als es zu dunkel war, um sich noch in die Natur zu begeben. Also ging ich zum Hauptbahnhof. Es war schon Viertel nach Neun als ich im Schlemmer ankam. Ein einsamer Spieler bediente beide Automaten mit Inbrunst und mancher Bemerkung, die die Geräte schwer  beleidigt hätte, sofern sie Sprache verstehen würden. Mir fiel ein, ja, wie soll ich sagen?, `seltsamer´ Mensch auf, der sich außen gegen die Scheibe presste und jede Rotation der bunten Scheiben mit beinahe rotierendem Blick folgte und dem Spieler lautlose, nur von den bewegten Lippen abzulesende, Ratschläge gab, wann dieser welchen Knopf drücken solle. Allerdings nahm der Spielende den Kibitzer gar nicht wahr.





























Irgendwann ging dem Spieler das Geld aus und er verließ das Lokal, leise vor sich hinfluchend.
Ich wechselte ein paar Sätze mit Frau S., Spielsucht und Spieler betreffend, und als ich wieder zum Fenster sah, war auch der Beobachter verschwunden. Wir unterhielten uns dann eben so beiläufig über Ostern, Feiertage überhaupt, dass ihr die ständige Spätschicht zum Hals heraus hängt und landeten gerade wieder bei ihrer Gesundheit, als ein Mann herein kam, der sofort den Raum füllte.
Er war groß ("Ein Meter Neunzig." sagte er mir später), gutaussehend, dunkelhaarig, mit einem sich um voll zu sein vergeblich bemühenden Bart. Neben dem linken Nasenflügel klebte ein kleines Pflaster ("Ich hab da einen großen Pickel." vertraute er mir später an und versuchte das Pflaster zu entfernen, wovon ich ihn abhalten konnte.), auf dem Nasenflügel war ein kleiner Pickel. Die Akne-narben waren im Gesicht unübersehbar. `Er hatte bestimmt keine leichte Kindheit und eine problematische Jugend.´ dachte ich.
Um diese Haut- und Bart-Details zu sehen musste ich mich ihm übrigens nicht nähern, weil er, kaum dass er Geld in die Automaten geworfen hatte, an die Theke trat und eine Halbe bestellte. Dann sah er mich an. 
"Und machen Sie ihm noch so eine Schorle." befahl er Frau S., wobei mit "ihm" ich gemeint war.
Nachdem meine erst halb leer war, bedankte ich mich und sagte, dass ich genug getrunken hätte und bald nach Hause müsse.
Ich will diese Geschichte nun sehr verkürzen, weil all die Informationen die nun ausgetauscht wurden, einen Roman ergäben! 
Man kann einen Betrunkenen nicht bremsen, wenn er an dem Punkt der Mitteilungsfreudigkeit angekommen ist. Und dass er betrunken war merkte man an der Hektik mit er seine Aufmerksamkeit den Spielautomaten, seinem Bier und mir teilte.
"Ich hab eben meinen Sohn in den Zug nach München gesetzt. Das mach ich jeden Sonntag. Das bricht mir jedes Mal das Herz." Er wischte sich  mit einer Hand über Stirn und Augen, als müsse er Tränen aus seinem Hirn waschen.
"Wie alt ist Ihr Sohn denn?" fragte ich.
"Acht."
Na gut.
Er neigte sich vertraulich mir zu und sagte: "Seine Mutter ist eine Schwarze."
Den Rest seines bisherigen Lebens erfuhr ich dann, ohne auch nur eine Frage zu stellen. Er ist Italo/Spanier weil seine Mutter aus Südtirol, sein Vater aus Spanien stammt. Der Vater arbeitet bei Porsche. ("Er geht nächste Woche in Rente.") Er arbeitet auch bei Porsche. Er ist 35 Jahre alt und hatte keine schöne Kindheit. (`Hab ich mir doch gleich gedacht.´, dachte ich.) Die Eltern arbeiteten nur und er fand die falschen Freunde. Die schiefe Bahn war vorprogrammiert. Aber das war vorbei. Warum es denn nicht mit seiner Frau geklappt habe? wagte ich zu fragen. Die wäre nur an seinem Geld interessiert gewesen. (`Liebe ist ein auslaufendes Modell.´, dachte ich)
Fasziniert beobachtete ich den Speichel, der sich bildete während er sprach und sich zwischen der oberen und unteren Zahnreihe verteilte. Das ist mir vorher noch nie aufgefallen.
Dann musste er pinkeln und trug mir auf, auf die Automaten zu achten. Ich versprach es. Er ging.
Jetzt hätte ich ja auch gehen können, aber Frau S. meinte: "Sie können mich doch mit dem nicht allein lassen?!"
Nach fünf Minuten war er noch immer nicht zurück. "Ich glaube nicht, dass der noch einmal kommt." schlug ich Frau S. vor.
"Ach, ich weiß nicht. ... Da steht sein Bier. ... Geld ist auch noch in den Automaten ..."

Weil ich inzwischen auch Harndrang hatte, ging ich also zur Toilette. (Kostet 1€, wobei man einen 50 Cent Bon bekommt, den man an einem Kiosk einlösen kann, sofern er denn akzeptiert wird. Meine Erfahrungen damit auf dem Münchner Hauptbahnhof kann man in dem Kapitel nachlesen, in dem ich nach Venedig fahre.) Ich betrete also den Pinkeltempel und sehe, wie mein neuer Freund, der D. heißt, versucht der Klofrau einen Kuss abzunötigen, wogegen die sich zu wehren versucht, ohne zu schreien. Als D. mich sieht, besinnt er sich auf andere Dinge, sein Bier, die Automaten ... Auf jeden Fall lässt er von der Frau ab und entwankt. Na ja, wanken tut er nicht, aber eigentlich sollte er!
Inzwischen ist es Zehn Uhr. Frau S. hat um Halb Elf Feierabend. Die Zeit drängt.
Eine kurze Weile weint D. darüber, die Tränen strömen über sein Gesicht wie Wasserfälle (ich hatte den flüchtigen Eindruck, dass darunter Feen badeten), dass er ein guter Mensch ist und keine Chance hatte besser zu werden. Er schloss die Zukunft aus. "Was soll ich noch lernen?"
Dann wird er mir sehr sympathisch. Er sagt: "Ich muss noch viel leben. Du bist jetzt 60." ...
60! Wow! Seh ich so gut aus?!
Ich kläre ihn über mein Alter auf und er meint, wie alle die nicht alt sind, dass er hoffe mit 76 noch so gut auszusehen ...
"Ihr müsst täglich Haferflocken essen!" könnte ich denen zurufen. Aber wer würde das schon machen?
Auf jeden Fall gelingt es mir ihn davon zu überzeugen dass es spät ist, Schlemmer zu macht und wir gehen müssen. Er versucht noch Frau S. ein Bussi abzunötigen, aber die weigert sich strikt: "Sowas mach ich nicht. Mit niemand. Das ist nicht meine Art."
Er akzeptiert das und ich nötige ihn hinaus. Also, wie gesagt, er ist ein Meter neunzig groß und da bedarf es schon des Charmes um zu nötigen. Aber er mag mich. Inzwischen wünscht er schon, dass ich sein Vater wäre.

In der Halle ist nicht mehr viel Betrieb. Es ist Ostersonntag. Trotzdem kommt uns eine Gruppe junger Menschen entgegen, die D. völlig ablenkt und der er nachstrebt.
Gottseidank, denke ich und gehe einfach weiter Richtung Nordausgang.
Dann ruft jemand: "Gerhard!" 
Ich höre nichts.
"GERHARD!"
Das nicht zu hören bedürfte es eines Tauben.
Er überrennt mich beinahe von hinten.
"Hey! Hey, komm wir gehn zu einer Nutte." schlägt er vor, mir intim ins Ohr flüsternd.
Ich sage ihm, dass ich 76 und schon seit Jahren impotent bin.
"Ach, wenn die Dich bläst ..."
Jetzt hätte ich ja einfach sagen können, dass ich schwul bin, aber ich fürchtete seine Reaktion.
Wer weiß, ob es nicht eine der in seinen Tränen gebadeten Feen war, die mir schließlich halfen, ihn davon zu überzeugen, dass er morgen arbeiten müsse (aber da war erst Ostermontag, was er nicht registrierte) und er deshalb jetzt besser nach Hause gehen solle. Wir umarmten uns herzlich und gingen jeder seinen Weg.
Eine rote und eine blaue Kugel.
"ICH BIN JEDEN SONNTAG HIER!" rief er mir noch hinterher.
Zufall? Schicksal? Gotteswerk?
Eine Ping Pong Ball Mischmaschine?
...
Ich hatte plötzlich Hunger und ging in die Marktstation. Da gibt es Mc Donalds und auch einen `TÜRKENIMBISS´, wo man nach 22 Uhr ein Stück wirklich guter Pizza für nur 1€ bekommt.

Es war auch noch ein Stück "Margherita" vorhanden. Es wurde aufgewärmt und ich setzte ich damit dann auf einen der hohen Hocker an der Rückwand von McDonalds um es zu essen. Ich hätte damit hinaus in die Halle gehen können ...

Aber ich tat es nicht. Ich saß auf dem Hocker, neben dem kleinen runden Tisch und beobachtete die Menschen die kamen und gingen und aß mein Stück Pizza. Da fiel mir ein Mann auf, der, seiner Hautfarbe nach ganz offensichtlich aus Afrika kam und der sich mit einem anderen Mann unterhielt, dessen Hautfarbe beinahe schwarz war. Ich saß da, aß meine Pizza und dachte über Flüchtlinge und Asylanten nach ... als der nicht so dunkelhäutige Mann zu mir her kam und mich fragte, was ich trinken wolle.
Ist das ein Traum? dachte ich.
"Danke ... nein danke." stotterte ich, "Ich trinke nichts."
"Aber bitte. Ich lade Sie ein." sagte der Mann mit den großen Schuhen. Dass die groß waren, fiel mir auf als ich verlegen nach unten sah.
"Ich möchte wirklich nichts trinken." versicherte ich.
Es endete damit, dass er mir eine Apfelschorle brachte, obwohl der Ausschank längst geschlossen war. Im Hauptbahnhof endet die Bewirtung spätestens um Elf Uhr.
Nun ja. Der Mann kommt aus Cameroun, das einmal Deutsch (Kamerun) war und jetzt von den Franzosen ... Ich kenne mich mit der Kolonialgeschichte nicht aus. Auf jeden Fall bauten die Deutschen, angeblich, in der Hauptstadt die Straßenbahn und die ist jetzt ziemlich marod und die Franzosen machen nichts.
Was, um Himmels Willen, mach ich in der Twilight Zone? dachte ich.
Dann kam mir die Erleuchtung: ES MUSS MEIN BART SEIN!


Ob Bart oder nicht. Der Mann lud mich ein einmal zu seiner Familie, die in Botnang lebt, zum Essen zu kommen.
"Wirklich afrikanisch." sagte er.
Ich gab ihm meine Telefonnummer ...
Und seither denke ich, dass ich vielleicht nicht der rote oder der blaue, sondern der weiß/blaue Ball bin, der irgendwo in diesem komplizierten Gerät herumgeschleudert wird ohne gesehen zu werden.


Dienstag, 2. Dezember 2014

Der Zufall ist keiner


"Wer auf den Zufall baut, kann gewinnen oder verlieren." Dieses alte Römische Sprichwort, oder ist es Altgriechisch? macht Sinn, auch wenn es nicht danach aussieht. Es ist nämlich gar kein Sprichwort, sondern mein Gedanke, der mir neulich durch den Kopf ging, nachdem der Zufall so einiges in Gang gebracht, aber nicht wirklich etwas gelöst hatte. 
Zufälle, manche Leute sagen ja, dass es keine gibt, hängen von Ursache und Wirkung ab, wie alles auf der Welt. Hier die Ursache:


Eine fb Freundin hatte dieses Bild geteilt und mir fiel spontan eine Bemerkung des Baron Ochs von Lerchenau aus dem "Rosenkavalier" ein: "Umgekehrt ist auch gefahren.". Sicher, hier müsste es "geflogen" heißen, aber da ist ja wirklich gehupft wie gesprungen, wenn man es nicht so eng sieht. Die Userin schrieb als Antwort auf meine locker hingestreute Bemerkung: "werde ich beizeiten recherchieren".
"Der Zweifel ist der Vater der Gewissheit." Noch so ein Sprichwort das es nicht gibt, aber geben sollte, denn wer zweifelt, schafft sich Gewissheit. Ich zweifelte zwar nur geringfügig an meiner Behauptung, muss hier aber einfügen, dass sie Anfangs nur aus dem Zitat aus dem Rosenkavalier bestand und ich nun sicher gehen wollte, dass das auch wirklich von dort stammt und nicht aus einer Operette von Johann oder Josef Strauss, die ich auch gerne höre. Also googelte ich. Und so fand ich die Info, dass dies eine Steiermärkisches Sprichwort ist. Diese Erkenntnis fügte ich meiner Antwort hinzu, siehe oben.
Damit wäre der Fall abgeschlossen und hätte mit einem Zufall, oder mehrerer solchen nichts zu tun. An diesem Abend blieb ich zufällig auf arte hängen. Es kam "Die Reifeprüfung", ein Film den ich nie ganz gesehen habe, diesmal blieb ich dabei. Danach gab es ein Portrait über Charles Aznavour, den ich mag und der Film war gut und interessant gemacht. Man vergisst ja gern den Türkischen Völkermord an den Armeniern, weil die Türke ihn leugnen. "Leugnen ist die Schwester von Lügen." ist ein altes ... Okay, so weit so gut. Und jetzt fällt der Fall zu!
Anschließend stand "Der Rosenkavalier" auf dem Programm. Ich fiel aus allen Wolken. `Wie kann das sein?´ dachte ich und: `Heute Nachmittag habe ich noch an diese Oper gedacht und BINGO!, hier kommt sie. Aber Hallo! So ein Zufall!´ So ähnlich dachte ich.
Ich weiß natürlich, dass das oben angeführte Zitat erst im zweiten Akt vorkommt ... Hmmm? Weiß ich das? Ich beschloss, mich zu vergewissern und googelte wieder einmal. Nicht vergebens, wie man unten sieht:

Na gut, es ist nicht Hochdeutsch, aber man kann es erkennen. (Ich fand die Inszenierung von den Glyndebourne Festspielen ganz nett, nicht überdreht modern, eher verspielt biedermeierisch, leicht, locker, bunt ... Mir hats g'falln! Man kann es in der Mediathek von arte noch anschauen.) Als Überraschung wollte ich die Szene aufnehmen und dann auf fb für die Userin hochladen. Die Szene kam:

Und dieser Teil war gestrichen! Ich konnte es nicht glauben! Zugegeben, es ist keine wichtige Passage, musikalisch aber nicht langweilig. Mir gefällt besonders das: "Mach er das Bett aus lauter Federbetten." wo das "Federbetten" so richtig luftig federt. Na ja, egal, es kam nicht.
Nun frage ich, war das ein "Zufall"? (Dass das Zitat fehlte, war ärgerlich!) Oder bin ich ein Medium, das METAPHYSISCH die Dinge einfach in eine Reihe bringt, egal wie unwichtig? Auf die Antwort bin ich gespannt! 
"Eine Antwort setzt eine Frage voraus, eine Frage kommt manchmal gern ohne Antwort aus." Ein Altphönizisches Sprichwort ...

Samstag, 25. Januar 2014

Über Meditation

Also ich kann das nicht. Meditieren. Schon allein der "Schneidersitz" ist eine Verrenkung, die mein Körper ablehnt. Ich kippe nach hinten um. Und wenn es gar um den korrekten Lotossitz/Lotussitz geht, da kann ich gleich liegen bleiben. 
Ich zitiere einmal kurz aus Wikipedia
"Im Lotossitz, der der Form einer Lotos-Blüte nachempfunden ist, sind die Beine verschränkt. Dabei ruht der rechte Fuß auf dem linken Oberschenkel nahe der Leistenbeuge und der linke Fuß entsprechend auf dem rechten Oberschenkel. Die Fußsohlen zeigen nach oben.
Sieht ja interessant aus, aber, wie gesagt, ich muss mich dabei so auf meinen Körper konzentrieren, dass kein Platz für Meditation in meinem Kopf bleibt. Es gibt sicher einen guten Grund für diese Haltung, schließlich geht sie ja auf den Buddha zurück, zumindest nehme ich das jetzt einfach einmal an, über wer's erfunden hat, konnte ich noch nichts googeln. Im Zweifelsfall die Schweizer. Kleiner Scherz am Rande. Aber im Gegensatz zum Schneidersitz, haben in der Lotoshaltung beide Knie Kontakt mit dem Boden, was den Körper stabilisiert. Schneidersitzende tendieren zum Umkippen. Sag ich doch! 



































Gründlich wie ich bin habe ich auch noch praktische Beispiele gegoogelt und festgestellt, dass die vom klassischen Buddha-stil abweichen.
Dann habe ich mich gefragt wie eine Lotos-Blüte aussieht und ich kann, ehrlich gesagt, keinen Zusammenhang zwischen ihr und dem verknoteten Menschen entdecken. Außerdem öffnet sich der Lotos erst nach Einbruch der Dunkelheit und schließt sich bei Tagesanbruch. …
Apropos Tagesanbruch. Eigentlich bin ich auf das Thema Meditation dadurch gekommen, dass ich ab Glockenschlag 6 Uhr wach war.




Und zwar so wach, dass ich auf stand und die Toilette besuchte. Danach stellte ich mich, zur Kontrolle, auf die Waage. Mich interessiert zur Zeit, wieviel Gewicht ich im Schlaf verliere. Also wiege ich mich vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen. Ich habe das jetzt zwei mal gemacht und es waren immer 600 Gramm Unterschied.
Wohin, fragte ich mich, nachdem ich wieder im Bett lag, gehen 600 Gramm Körpermasse während ich schlafe? Okay, ein Teil davon, nämlich 350 Milliliter, befinden sich in der Urinflasche neben meinem Bett, aber was ist mit dem Rest? Bin ich im Schlaf so aktiv, dass ich derart viel Gewicht, 250 Gramm, verliere? Das ist sicher eine Bratwurst mit Baguette-Brötchen und Senf! Dann wäre Schlafen ja die beste, und bequemste, Diät! Damit hatte ich diesen Gedankengang erschöpft.
Woran denkt man, wenn man nichts denken will? In dem Film "Toll trieben es die alten Römer" soll ein Darsteller eine Tote spielen und er fragt den anderen Darsteller, wie er das denn machen soll. "Leg Dich hin und denke tote Gedanken." rät ihm dieser. Ist das möglich? Genau genommen wollte ich ja wieder einschlafen und ich weiß aus Erfahrung, dass das nur gelingt, wenn ich nicht denke. Also versuchte ich es mit Meditation.
Meditation ist ein sehr weites Feld! Wikipedia kann ein Lied davon singen, wobei mir die Erklärung, dass das Lateinische meditatio "nachdenken, nachsinnen, überlegen" bedeutet, überhaupt nicht weiter hilft. Ich möchte doch eben diese Dinge nicht tun!  
Also ich entspanne mich auf dem Rücken liegend, die Hände rechts und links flach auf der Matratze, und versuche mir eine blumige Wiese vorzustellen. Aber ich bekomme nicht einmal die Farbe Grün hin, geschweige Grashalme. Eine wabernde gelbe Fläche mit roten und blauen Tupfen, die keine Kontur haben, wie ein sehr schlechtes Aquarell, ist alles was vor meinem inneren Auge erscheint. Lediglich die darübergaukelnden Schmetterlinge sind klar umrissen. Es sind aber lauter gleiche, Kleine Füchse oder sowas ähnliches.
Als nächstes versuche ich es mit einem Bach. Aber der strömt so schnell daher und dahin und gluckert und blubbert und plätschert, dass man dabei unmöglich schlafen kann.
An diesem Punkt angelangt, erkenne ich, dass ich für Meditation nicht geeignet bin, wahrscheinlich schon deshalb, weil ich im Schneidersitz umkippe. Aber inzwischen ist es 7 Uhr und ich stehe auf. Schließlich habe ich sechs Stunden geschlafen. Das muss für einen alten Mann genug sein.
Apropos Alter Mann. In unserem letzten Lesebuch der Volksschule stand ein Gedicht, das mich mit einer Zeile mein ganzes Leben lang verfolgt: "Mir altem Mann geht's wunderlich …" Ich habe endlos versucht dieses Gedicht zu finden, um es wieder einmal lesen zu können. Vergebens! Bis heute, bis eben jetzt, als ich "Das muss für einen alten Mann genug sein." geschrieben hatte. Obwohl ich es schon mehrmals im Internet versucht habe und nie fündig wurde, wollte ich Google eine letzte Chance geben. Und: Voila! Der Zufall will es. Das Gedicht ist von Rudolf Alexander Schröder und trägt den Titel (wen wundert's?):

Vom alten Mann

Mit altem Mann geht's wunderlich:
Hat viel gelernt, muss viel verlernen.
Ihm ist, als wollt sein eigen Ich
Sich leis aus ihm entfernen.

Des Abschiednehmens lichte Zeit
Verzehrt das flockichte Gewimmel;
In goldner Wölbung hoch und weit
Blaut über ihm der Himmel.

Noch weist zu Füßen mir die Flur, 
Als wär's durch Spiegel des Geschehens,
Die alt-vertraute Zauberspur
Des Kommens und des Gehens.

Die alt-vertraute Zauberspur,
Trotz alles Haderns, Zorn und Grämens
Geliebt, warum? - Und ist doch nur
Die Spur des Abschiednehmens.

O Abschiednehmen, goldne Zeit,
Gern bin ich deines Winks gewärtig, 
Vom Ziel des Weges nicht mehr weit
Und dennoch reisefertig!

Mir altem Mann geht's wunderlich,
Hab viel verlernt, muss Neues lernen. -
S'ist an der Zeit: befreunde dich
Der Nacht und ihren Sternen.

So deutlich sieht man selten Mosaiksteinchen ihren Platz finden wie das heute, in diesem "Zufall" geschehen ist. Erst gestern kam ich ja hier zu der Einsicht, dass dies die Zeit meines Abschieds ist. Das hört sich fatalistisch an, ist es aber nicht. Es bedeutet nur, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und das ist ja gut zu wissen!