Es ist kaum zu fassen, aber da hat man doch wahrhaftig alle Brücken entlang der Riva degli Schiavoni mit Rampen versehen, damit die armen, fetten Touristen nicht so viele Treppen steigen müssen! Wäre es nur wegen der Rollstuhlfahrer, könnte man ja darüber lachen, denn diese Stadt ist nun einmal ganz und gar nicht `behindertengerecht´. Das habe ich ja spätestens selbst bemerkt, wenn ich es nicht schon gewusst hätte, als ich mit meinem Koffer vom Bahnhof zum Hotel ging. Es sind nun einmal viele Brücken zu überwinden und alle haben Stufen die nach oben und solche die nach unten führen.
Jetzt bin ich erst seit zwei Tagen hier und habe beobachten können, dass die meisten Menschen die Rampen benutzen. Na schön, viele sind wirklich so dick, dass man sie eigentlich rollen müsste und es gibt tatsächlich auch Besucher im Rollstuhl, aber die habe ich nicht auf den Rampen an der Riva, sondern ratlos in den Calle der Stadt gesehen. Calle heißen hier die Straßen, die ja eigentlich nur Gassen und Gässchen sind und ich kam schon am ersten Tag durch solche, die man beim Durchgang mit den Schultern streift. Das ist nun einmal Venedig und nicht Paris. Damit will ich nicht sagen, dass Gehbehinderte nicht nach Venedig reisen sollten, sondern dass die Zeit Venedig überholt hat. Tatsachen kann man nicht `überbrücken´. Man wird ein virtuelles Venedig schaffen müssen, damit es alle erleben können.
So.
Jetzt einmal tief durchatmen.
Ich bin also in Venedig angekommen und vom Bahnhof zu Fuß zum Hotel gegangen. Luftlinienmäßig ist das nicht weit, nicht einmal ein Kilometer, denke ich, aber ebenerdig ist es ein Abenteuer wie das von Frodo Beutlin im "Herr der Ringe". Das Ziel ist klar, aber der Weg ist ein Rätsel. Ich gebe zu, dass ich niemals hierher gereist, wenn ich nicht schon vorher hier gewesen wäre. Venedig ist ein riesiger Irrgarten, in den viele Wege hinein und hinaus führen, aber wer einmal drin ist, sollte sich ganz einfach treiben lassen. Man kommt immer irgendwann am Markusplatz an, nur sollte man den Weg nicht an die Zeit binden, sonst macht das alles keinen Spaß. Ich kannte die Richtung und ging los. So lernt man diese Stadt und ihre verwinkelte Schönheit kennen.
Als ich hier, am Fischmarkt, ankam, roch ich das Venedig das mein Bauch so liebt. Wahrscheinlich ist es unser evolutionärer Ursprung im Wasser, der uns Fisch so schmackhaft macht. Vielleicht ist aber auch meine Nase nicht so empfindlich, dass ich Gerüche als angenehm oder bähhhhh einstufe. Riechen kann ich alles gern, weil alles was riecht lebt. Gestank ist eine Erfindung des Menschen und der ist, offensichtlich, ein Irrtum der Evolution.
Hier habe ich einem am Boden knienden Mann, nennen wir ihn ruhig einen Bettler, 50€ in die Hand gegeben. Es war mein Geburtstag, warum sollte ich niemand beschenken? Und der Drei-Mann-Combo, die so schöne und unpassende Musik machte, US amerikanische Schlager der 50er Jahre, spendete ich auch noch 5€ ... man soll nix übertreiben.
So kam ich schließlich zur Piazza San Marco, es gibt außer diesem keinen "Platz" in Venedig, alle anderen sind nur "Campo", und begriff hier endlich, was ich schon oft gelesen und im Fernsehen gesehen hatte, dass zu viele Touristen nach Venedig kommen und die Stadt ersticken, in ihrer Sucht "Da" gewesen zu sein, ohne zu wissen, dass sie etwas unbegreiflich Einmaliges erleben ...
Das Bisanzio betrat ich wie jemand, der wieder geboren wird. Niemand an der Rezeption fiel auf, dass ich Geburtstag hatte, oder aber man war echt italienisch diskret. Mache nie jemand darauf aufmerksam dass sie/er älter wird, sie/er will es gar nicht wissen! Italiener sind genetisch bedingt eitel!!
Endlich ein Bett! Ich bin im Himmel!!
Doppelzimmer mit Bad als Einzelzimmer.
Sicher, der Blick aus dem Fenster ist nicht spektakulär, aber ich wusste das ja. In meinen Roman sagt der Zweiköpfige: "Ich konnte in dieser Stadt nicht mehr leben. Ein Fenster blickt in das andere und das ist oft nur eine Armeslänge entfernt."
Ich bin "daheim".
Buon giorno Serenissima, bella Venezia!
Doppelzimmer mit Bad als Einzelzimmer.
Sicher, der Blick aus dem Fenster ist nicht spektakulär, aber ich wusste das ja. In meinen Roman sagt der Zweiköpfige: "Ich konnte in dieser Stadt nicht mehr leben. Ein Fenster blickt in das andere und das ist oft nur eine Armeslänge entfernt."
Ich bin "daheim".
Buon giorno Serenissima, bella Venezia!
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