| Torcello, Keimzelle Venedigs, meine Lieblingsinsel. |
Heute ist endlich der Tag der Abreise und ich sitze hier, klammere mich an Erinnerungen und zerre alte Souvenirs hervor. Was ist los mit mir? Hat mich Fridolin Asche endlich eingeholt, Anti-Held meiner Midlife-Crisis? Er war ein Paradebeispiel an Handlungsunfähigkeit, ließ sich von den Ereignissen treiben, wie Müll im schwappenden Gezeiten-hin-und-her auf dem trüben Wasser der Kanäle.
Eigentlich müsste ich ja meinen Koffer packen, aber selbst die Entscheidung was ich mitnehmen soll habe ich noch nicht getroffen. Ist es mein anstehender Geburtstag der mich lähmt? Geburtstage sind keine Tage die ich feiere, man feiert sie für mich, wie wahrscheinlich für jede/n andere/n auch. Gestern war mein Namenstag. ... Es ist der Geburtstag meiner Mutter und, treu einer alten, inzwischen vielleicht vergessenen bayerischen Tradition, wurde ich auf den Namen des Heiligen getauft, dessen Gedächtnis an diesem Tag gefeiert wird. Das ist der Heilige Gerhard Maiella, kein spektakulärer Wundertäter, ein einfacher Schneider, den seine Mitmenschen aber schon zu Lebzeiten `den Heiligen´ nannten. Ob das als Kompliment gemeint war kann man bezweifeln. Er starb am 16. Oktober 1755. So weit mir bekannt ist, war er nie in Venedig. ...
Diesen Krug kaufte ich in einem Antiquitäten-Laden auf Torcello.
Das Haus stand, in einem wunderbar verwilderten Garten, wo Marmorstatuen sich im Gebüsch zu verstecken schienen, hinter dem kleinen Museum, früher der "Bischofspalast" (Bischöfe waren im 5. Jahrhundert wesentlich bescheidener, als der Bischof von Limburg unserer Tage!) vor dem malerisch verstreut zerbrochene Säulen und Kapitelle lagen und ein Marmorstuhl, der Bischofs-Sessel genannt. Man sieht ihn auf dem alten Stich oben. (Im Volksmund heißt er auch Attilas Sessel, es ist allerdings zweifelhaft, dass dieser jemals auf der Insel war.) Damalige Besucher der Insel, also vor 30 und mehr Jahren, ließen sich gern in ihm fotografieren. ...
Ich hoffe sehr, dass sich wenigstens dort nicht viel verändert hat!
Ich hoffe sehr, dass sich wenigstens dort nicht viel verändert hat!
| Ein kleines Ölbildchen, vom Künstler auf dem Markusplatz verkauft. |
Und Venedig? Erst vor ein paar Tagen wurden die ersten Schleusentore eingeweiht, die die Stadt vor den verheerenden Hochwassern schützen sollen. Aber wer schützt sie vor den gigantischen Kreuzfahrt-Schiffen, die mehr Schaden anrichten als jedes Aqua Alta, auch durch ihre unvorstellbaren Mengen an Abgasen? Man kann eine Ertrinkende nicht retten indem man sie an einem Haar aus dem Wasser zu ziehen versucht. Arme zerbrechliche Serenissima!
| Murano-Glas, ein MUSS für jeden Venedigfan! |
Ehe ich jetzt endgültig in Depression schwelge, werde ich doch lieber den Koffer packen. Die rote Hose, in der ich in Antalya wie ein Paradiesvogel unter Krähen wirkte, nehme ich auf jeden Fall mit, obwohl ...
Da fällt mir der ältere Herr aus den USA ein, der an einem Käse-Ausflug in Amsterdam teilnahm und einen zitronengelben Anzug (Jacke und Hose!) trug. Er erregte bei der, wegen der Touristen, in Trachten gekleideten Bevölkerung des Dörfchens großes Aufsehen und Heiterkeit, und als einer der Holzschuhträger schließlich rief: "Excuse me Sir, are you the Yellow Rose Of Texas!?", wollte das Gelächter nicht mehr aufhören. Mir war das peinlich. Dem älteren Herrn auch
... Ob ich die Hose nicht doch lieber hier lasse? Ich möchte ja nicht von einem japanischen Touristen, die meistens schwarze Anzüge tragen, gefragt werden, ob ich der Storch im Salat bin.
| Ein Krug aus Opalglas auf Murano gesehen und gekauft. Die Zeit läuft, das Gepäck steht bereit. (Die rote Hose ist dabei.) |
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