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Freitag, 22. April 2016

Magnolien, ein Frühlingswunder


Ich weiß nicht, ob es der erste Baum ist der im Frühjahr blüht, aber es ist der spektakulärste. Man könnte meinen, dass er explodiert und ein permanentes Feuerwerk entfaltet. Im Maurischen Garten der Wilhelma stehen rund 70 Magnolienbäume der verschiedensten Sorten wie Sternmagnolie, Tulpenmagnolie und Purpurmagnolie. Bei günstiger Witterung hält sich die Blütenpracht so an die drei bis vier Wochen.



















































































Betritt man den Maurischen Garten durch eines der Tore in der ihn halbmondförmig umfassenden Mauer, ist es als verlasse man die Wirklichkeit und schwebe in einen Traum aus Formen und Farben.















































































































Von den Dutzenden Magnolien die Wilhelm I. ab 1850 pflanzen ließ, sind nur noch 16 erhalten. Leider wurde die Wilhelma im Krieg arg mitgenommen und dem verheerenden Bombenhagel fielen auch viele Bäume zum Opfer. Die Parkpfleger der Wilhelma sorgen durch ständiges Nachpflanzen aber für einen prachtvollen Zuwachs - der geradezu zum Fotografieren auffordert - dadurch besitzt die Wilhelma den größten Magnolienbestand nördlich der Alpen!















































































Zum Schluss noch ein paar Fakten: Magnolien gibt es in ca. 230 Arten, die aus Ostasien und Amerika stammen. Der Bundesstaat Mississippi wird "Magnolienstaat" genannt. Die Gattung verdankt ihren Namen Charles Plumier, der sie nach dem französischen Botaniker Pierre Magnol benannte, der Pflanzen nach ihren morphologischen Charakteristika neu gruppierte.
Für dieses Jahr ist die Magnolienblüte in der Wilhelma gelaufen, aber es wird ja wieder Frühling ... hoffe ich!



Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ein Jahr vorbei - Ein Blick zurück



Was bleibt von einem Jahr übrig: 365 vergangene Tage beladen mit mehr oder weniger eingeprägten Erinnerungen. Das bleibt auch noch nach 77 Lebensjahren so. In diesem Alter darf ich mich fragen: Hat es sich gelohnt sie zu leben? Habe ich ein Ziel erreicht? Hatte ich jemals ein "Ziel"?
Die Antwort ist, nach reiflicher Überlegung: Nein. Meine Ziele wurden durch Ereignisse und Personen vorgegeben, ich selber hatte nie eins. Vielleicht wollte ich nur einfach glücklich sein. Aber das ist kein Ziel sondern ein Wunsch. Und Wünsche sind nur Randerscheinungen des wirklichen Lebens. Habe ich also gar nicht wirklich gelebt?
Vor wenigen Minuten öffnete ich mein Küchenfenster um den Himmel zu fotografieren, als eine Amsel von dem kleinen "Balkon" aufflog und sich auf das Umgebungsgitter setzte. Ich war sehr überrascht, dass sie nicht floh. Sie saß da, nur einen Meter entfernt und sah mich an. Ich sagte: "Guten Tag." (Ich rede mit allem das Notiz von mir nimmt, auch mit meinen Socken wenn ich sie anziehe, oder mit der Bettdecke, wenn ich zu Bett gehe.)

 Manchmal erscheint meine Bettdecke als großer Vogel, der mit mir ins Land der Träume fliegt.


Die Amsel blieb sitzen. "Es freut mich dass Du da bist und von dem Futter frisst das ich in dem Futterhäuschen ausgelegt habe." sagte ich. Sie sah mich an. Ich wagte kaum nicht zu bewegen, schon die Bewegung meiner Lippen könnte sie aufscheuchen, befürchtete ich. Sie blieb sitzen. Sie ließ sich sogar fotografieren. (Leider wurde das Foto unscharf, wegen meines Tremors.) "Du bist schön." sagte ich ihr und andere belanglose Dinge. Erst als ich mich zum Fenster hinausbeugte um das Foto vom Himmel zu machen, flog sie davon, ohne die amseltypischen Warnrufe auszustoßen.
In dem Augenblick war ich glücklich.
Wenn es nur immer so einfach wäre!
Ein Jahr ist vergangen und ich blicke darauf zurück als wäre es ein schnell fließender aber doch zäher Brei, wie Lava die an der Oberfläche schnell erstarrt und im Inneren noch glüht. Was glüht sind die Erinnerungen, aber auch sie erkalten und werden dunkel.
In diesem Jahr erinnere ich mich an drei Augenarzt-besuche, bei denen jedes Mal die Verschlechterung meiner Sehfähigkeit ermittelt und bestätigt wurde. Obwohl ich diese Erinnerung gerne schnell verglühen sähe, schwimmt sie im Fluss des Jahres obenauf, weil sie meinen Alltag prägt. Daran wird sich auch im kommenden Jahr nichts ändern.
Darüber bin ich nicht glücklich!
Viele Glücksmomente verdanke ich der Wilhelma, dem botanisch-zoologischen Garten. Dass diese möglich wurden, und auch im nächsten Jahr werden, danke ich der Familie M. aus U., hauptsächlich deren drei Töchtern. Sie luden mich zu einem Wilhelmabesuch ein und ich entdeckte ein kleines Paradies das mir sehr gefällt. Es ist überschaubar. Zwar bin ich mit der Unterbringung der Tiere in verglasten Betonklötzen nicht einverstanden, aber sie überleben darin, was in der "freien Natur" immer unmöglicher wird. Die Menschheit, die sich ja auch immer mehr einbetoniert und verglast, denkt wohl, dass dies "artgerechte Haltung" für alle Lebewesen ist. (Über meine Wilhelmabesuche habe ich ja andere Kapitel geschrieben, also bitte dort nachlesen.)
Dass mir eine Aussöhnung mit meiner Schwester, nach jahrzehntelangem Schweigen (meinerseits, wegen einer, mir damals als großartig erscheinenden, kleinlichen Meinungsverschiedenheit an einem Heiligen Abend) gelungen ist, zählt auch zu dem Glück dieses Jahres.
(Weihnachten scheint ja generell die Zeit der Familienzwistigkeiten zu sein.)
Das sonntägliche gemeinsame Mittagessen (sie kocht vorzüglich!) und die danach zusammen verbrachten Nachmittage, haben sich inzwischen als "Tradition" etabliert. Wir sind beide glücklich darüber.
Es gibt viele ausgesprochene Dinge, die mich nicht glücklich machen, mit denen ich aber leben muss. Ich wurde als egoistisch, egozentrisch, selbstsüchtig und feige bezeichnet, von jemand mit dem ich ein viertel Jahrhundert meines Lebens verbrachte. Damit wurden alle Gefühle die ich hatte in Zweifel gezogen und 25 Jahre zu einer Lüge im Denken des Anderen. Seither schweige ich. Schon der Versuch einer Rechtfertigung wäre ein Verrat an mir selbst und ich müsste mich schämen für das, was ich fühlte. Jetzt fühle ich nur noch Kälte und Erstarrung bis auf den Grund des Flusses.
Heute ist der 31. Dezember 2015. Ich wünsche allen ein glückliches, freundlich fließendes Jahr 2016 und keine Unterbrechung danach!



Dienstag, 15. September 2015

Mehr Bilder aus der Wilhelma







































"Der König ist tot, es lebe sein Werk!" Ich bin zwar kein Royalist, aber auch kein Anhänger einer Feudalherrschaft des Kapitalismus, der die Monarchie nahtlos übernommen und noch perfektioniert hat. "Alle Macht den Großen" (dem Geld), die werden sie schon gerecht ihrer Auffassung verteilen. Sie bauen Stadien, wie einst in Rom. Vergessen ist die Zeit der hängenden Gärten der Sereamis, das Paradies ist endgültig verloren. In Stuttgart existiert ein lebendiges Modell dessen, was einst das Ideal der Schöpfung war. Jetzt muss ich aber auch gleich sagen, dass ich kein "Bibelfundamentalist" bin. Ich denke, dass Darwin richtig lag mit der Idee der Evolution. Wir "evolven" noch immer und zwar in Richtung "weit verbreitet, aber höchst gefährdet". Willkommen in der "Wilhelma Erde"!






































Ich besuche die Wilhelma gerne: nirgendwo sonst kann man besser Menschen in freier Wildbahn beobachten, in einer Umgebung die sie für natürlich und deshalb ihrer Natur für am angemessensten halten. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein." (Goethe) Kein Wunder schleppen Mütter ihre Kinder schon im Brustsaugalter hierher (kann man sehen, aber besser schnell wegsehen, sonst ist man ein Spanner!) Kinderwägen werden kolonnenweise durch die Gewächshäuser geschoben, als würden sich Klein- und Kleinstkinder für Orchideen, oder Kakteen interessieren.
Jetzt werde ich sicher als kinderfeindlich eingestuft. Aber in diesem Fall bin ich eher bewusst elternfeindlich. So lernt das Kind nichts als Langeweile! Was schlafende oder quängelnde Kinder zuhauf beweisen. Es kann nicht schaden, sich mit der eigenen Spezies intensiv zu befassen, bevor man einen Zoo besucht, um sein Kind mit der Natur zu konfrontieren.






































Das ist ein hoher Grundsatz! Wird er erfüllt? Wenn ich Kinder und Jugendliche beobachte, die auf einer jahrhundertalten Magnolie herumturnen, ohne zu bedenken, ohne überhaupt zu wissen, wie zerbrechlich eine Pflanze ist, dann zweifle ich an dieser Ideologie. In den Ferien wird die Wilhelma mehr und mehr zu einem "Freizeit und Abenteuerpark", der von den Eltern nicht mehr gesteuert wird. "Mein Kind darf alles!" ist die Devise. "Sie sollen es besser haben als wir." Ich kann das schon verstehen, nur: wie viel besser ist nötig um etwas zu zerstören? Und wie wenig Moral bedarf es um zu sagen: Ich muss ja nicht dafür bezahlen.






































Die Wilhelma ist ein Wunderland, ein kleines Paradies. Man sollte ihr den Respekt erweisen, den jeder Mensch für sich reklamiert.
Wenn ich auf meinen Rundgängen in die Augen der Tiere sehe, die mir begegnen, und denen ich bewusst in die Augen schaue, dann sehe ich Zweifel und manchmal Hoffnung, aber meistens völliges Missverständnis, als würden sie sagen: Du gehörst nicht zu uns.
Das Paradies ist sehr, sehr fern.


Mittwoch, 2. September 2015

Es herbstet



Kein Scheiß: Von Vorgestern auf Gestern ein Temperatursturz von 15°C, von prallster Sonne auf Dauerregen. Ist das normal? Da stellt sich allerdings die Frage: ist Wetter überhaupt "normal"? Es vollzieht sich ja quasi von selbst und ohne Plan. Das perfekte Perpetuum Mobile! Zwar zuverlässig was die Bewegung angeht, aber völlig chaotisch im Aussehen. Dabei ist es gerade die Äußerlichkeit des Wetters, die uns Menschen interessiert, der Motor brummt so oder so.
In diesem Zusammenhang ist es unvermeidbar auf den "Klimawandel" zu sprechen zu kommen. Wir erinnern uns alle, wir Älteren, mit wieviel Hohn und Spott das Wort überzogen wurde, als es aufkam. Wann war das? Was haben die damals gesagt? Wissenschaftliche Spinner! Inzwischen laufen die Eisbären von Alaska bis Grönland händeringend auf immer kleiner werdenden Eisplatten herum. Hat eigentlich jemand schon überlegt, dass wir bald Flüchtlinge aus ganz anderen Regionen als aus den arabischen Staaten und armen EU Ländern bei uns erwarten müssen. Denkt überhaupt jemand an die Natur als Immigrationsfaktor? Wer nimmt die Inuit auf (früher nannte man sie Eskimos) Wohin fliehen die Bewohner versinkender Südseeinseln? Die Weltbevölkerung wächst und wächst schneller als die Schuldenberge der Länder in denen sie auf Pump leben. Und das alles hängt mit dem Wetter zusammen. Denkt mal darüber nach.
Ich gehe in letzter Zeit oft in die Wilhelma. Das ist ein botanisch- zoologischer Garten in Stuttgart. Die Vielfalt der Pflanzen und Tiere, bis hin zu den Insekten, ist beeindruckend. Und beängstigend!


Wann werden wir durch Parks schlendern und ausgestorbene Menschenrassen bewundern? Man wird ihnen ein "artgerechtes Ambiente" errichten (ein Hohn!) und sie werden wie die Pinguine leben: angestarrt, gehänselt und unverstanden. Welcher Inuit möchte sich schon bei 38°C im Schatten, künstlich berieselt und gekühlt, in einem Beton-Igloo verkriechen und sich anhören wie die Besucher lachend sagen: "Die ficken jetzt."




















































































Diese Tiere verstehen es immer noch, trotz aufgezwungener und sehr auffälliger Markierung, Würde und Stolz auszustrahlen. Aber man darf ihnen nicht zu lange in das Auge schauen mit dem sie uns aufmerksam betrachten. Darin liegen Zweifel, Verzweiflung, Angst, auch Wut und die Frage: "Wie lange noch?" Und diese Frage gilt der Menschheit.
Möge uns das Wetter gnädig sein!






























Ich wünsche uns allen, Mensch und Tier, einen wunderschönen Herbst!









Sonntag, 23. August 2015

Bilder aus der Wilhelma


Rechts und links von einer Terrakottawand flankiert liegt der Eingangspavillon (links im Bild) und dahinter der Haupteingang der "Wilhelma". Das heutige "Kassenhaus" wurde 1843 erbaut. Es liegt ein Fuß (0,28 m!) über dem damals höchsten Wasserstand des Neckars. Dem Besucher von heute, der den Neckar tief unten in seinem kanalisierten Bett sieht, ist das unvorstellbar. Die Terrakottaplatten stammen aus dem Jahr 1856. Sie werden, je nach Bedarf, ständig restauriert.
König Wilhelm I. ließ die Anlage ab dem Jahr 1842 im Maurischen Stil, der damals Mode war und die Alhambra im spanischen Granada als Vorbild hatte, erbauen und gab ihr den auch heute noch gültigen Namen: Wilhelma. Eigentlich war es ein "Badhaus" mit Nebengebäuden und Parkanlage, nachdem 1829 Mineralquellen auf dem Gelände von Schloss Rosenstein, zu dem das Areal gehörte, gefunden wurden. 
So viel zur Geschichte, schließlich heißt der Beitrag ja "Bilder aus der Wilhelma". Nachdem ich im Juni, oder war es schon Juli? von Freunden aus Ulm (Mama, Papa und drei Töchter) zu einem Besuch der Wilhelma eingeladen wurde und dabei den horrenden Eintrittspreis von 16 €uro mitbekommen hatte, beschloss ich, mir eine Dauerkarte zu besorgen. Diese kostet 40 €uro und gilt ein ganzes Jahr! Als praktizierender Schwabe würde ich natürlich nie "äbbes (etwas) verkommen" lassen, also ungenutzt verschwenden. Deshalb war ich inzwischen schon wieder zwei Mal im zoologisch- botanischen Garten. Übrigens gibt es Tiere erst seit der Nachkriegszeit in der Wilhelma.
Jetzt aber hinein in die Welt von Pflanzen und Tieren! Gleich hinter dem Eingang kann man durch das Gewächshaus schlendern.


Neben allen möglichen Exoten gibt es hier 8000 Orchideen in 976 Arten. Es werden immer nur die gerade blühenden Pflanzen gezeigt. Übrigens sind Stuttgarter Orchideen in beinahe allen botanischen Gärten der Welt zu finden!





























Dann geht es in den Wintergarten mit mehreren Palmenarten. Hier ist der ganze Boden mit Moosfarn bewachsen und mit jahreszeitlich passenden Pflanzen dekoriert. Ein Hingucker sind die bunten Kois in ihrem kleinen Becken. Einige der mitgeführten Kleinkinder schlafen hier schon selig ...




























































































































































Nach den Fuchsien gelangt man endlich wieder ins Freie. Warum "endlich wieder"? Weil der Weg durch das Gewächshaus sehr schmal ist und, wenn man einen Rollstuhl, einen Kinderwagen für zwei oder gar eine alles fotografierende Reisegruppe vor sich hat, seeeeehr lang sein kann!
Übrigens dachte ich am Sonntag, der ein Regentag war, dass da doch wenig Andrang herrschen würde, um Dinge im Freien zu tun. O Gott, was für eine Fehleinschätzung! Regenschirme, Capes, Anoraks und Ponchos so weit das Auge reichte und dazwischen undenklich viele Kinderwagen in denen Kinder schliefen oder wie am Spieß schrien! 
Ich hätte ja umkehren und nach Hause gehen können, aber wie gesagt: der Schwabe lässt nix verkommen ...
































Wie gesagt, es war ein Regentag. Der Regen fiel unaufhörlich bis zum späten Nachmittag. Es war ein leichter Regen und ich war der Meinung, er würde im nächsten Moment aufhören. Tat er aber nicht und langsam bereute ich es, keinen Schirm dabei zu haben, wie andere. Zwar hatte ich das Mitführen eines Schirms erwogen, mich dann aber, im Hinblick auf die vielen Schirmverluste die ich schon erlitten habe, von der Idee distanziert und mich für eine Schirmmütze entschieden, die verhinderte dass es mir auf die ungeschützte Glatze regnet. Es gibt zwei Dinge die ich hasse: Staubsaugen und Regen auf die Glatze!































Meine erste Annahme, dass wegen der ungemütlichen Witterung wenige Besucher in der Wilhelma sein würden hatte sich ja gleich hinter dem Eingang als nicht zutreffend erwiesen und im Lauf der Zeit, je tiefer ich in die Anlage vordrang, musste ich auch die Meinung begraben, dass mehr Tiere sichtbar sein würden. Die meisten waren vernünftig und blieben in ihren Unterkünften. Ein paar Ausnahmen gibt es immer. Die Giraffenmama pflückte das letzte erreichbare Grün vom Akazienbaum, der Goldbär (nicht wirklich ein zoologischer Name, nur mein Eindruck von ihm.) lag faul und kaum sichtbar im Gelände und lediglich der Eisbar präsentierte sich publikumswirksam. Allerdings schien ihn das alles anzuöden.




Ich verstehe ja nicht, wie Eltern ihren vier- und fünfjährigen Kindern einen Marsch durch das Gelände zumuten können und sich dann wundern, oder sogar ärgern, wenn die Kleinen bockig werden. Das Argument: "Wir haben Dich doch gefragt ob Du in die Wilhelma willst." das ein sportlicher junger Papa seinem noch nicht lange den Windeln entwachsenen Sohn in anklagendem Ton entgegenhielt, stieß bei diesem auf taube Ohren. Er wollte, wie ET, nur "nach Hause". Mit dem Versprechen ihm ein Eis zu kaufen, lockte Papa ihn schließlich aus der Toilette im Affenhaus in den Regen, wo eine sichtlich genervte Mama auf die beiden wartete. Kinderwagen hatten sie nicht dabei.
Ich ging zur Seelöwen Fütterung.





Der Bulle stiehlt den Damen die Show und das Publikum dankt ihm mit Applaus. Ein Bekannter, der in der direkt an den Park angrenzenden Pragstraße wohnt, sagte mir, als ich erzählte dass die Seelöwen immer so schön "Uck uck uck!" rufen, dass die das auch schon um vier Uhr morgens tun. Ob ich das zu der Zeit schön finden würde, wagte ich zu bezweifeln. "Ich höre das schon gar nicht mehr." sagte er. Man passt sich den Zu- und Umständen an.
Apropos anpassen. Es sind auch zwei Baby Seelöwen in der Gruppe. Die beiden lagerten am Beckenrand und reckten die Hälse in Richtung Wasser und plötzlich, die Fütterungsshow war gerade beendet, der Wärter verschwunden, plumpste eines der Jungtiere ins Becken. `O Gott, es wird ertrinken!´ dachte ich. (Ich neige zu dramatischen Annahmen.) Aber vorläufig schwamm es an dem Abtrennungsgitter immer hin und her. Das andere Geschwister geriet derweil in Panik, robbte aufgeregt hin und her und stieß ein spitzes, heißeres Babykrächzen aus. `Das kann nicht gut gehen.´ dachte ich. Das schwimmende Jungtier tauchte immer wieder kurz auf, gab Wasser aus der Schnauze von sich und verschwand wieder unter Wasser. `Es ertrinkt.´ dachte ich und hielt nach dem Wärter Ausschau. Der war nirgends zu sehen. Im Geist bereitete ich mich auf einen beherzten Sprung ins Becken vor. Nass war ich von dem stetigen Regen sowieso. Der andere Jungseelöwe war inzwischen schreiend in die unterirdischen Räumlichkeiten der Anlage verschwunden. Plötzlich tauche eine Seelöwin unterwasser auf, schwamm zu dem Jungen, beschnupperte es kurz und verschwand wieder. `Die wird doch nicht ihr Kind ertrinken lassen!´ dachte ich. Die Natur kann grausam sein, das sieht man täglich in Tierdokus, die nicht auf "niedlich" zusammengeschnitten sind, im Fernsehen. Inzwischen stand ich schon eine viertel Stunde am Beckenrand. Die meisten anderen Besucher waren weiter gewandert. Nur ein paar besorgt aussehende Mütter schoben Kinderwagen vorbei. Der Seelöwenbengel, es musste ein Junge sein, zog weiterhin seine Unterwasserbahnen, tauchte kurz auf und weg war er wieder. Nach einer Weile, die Zeit kam mir plötzlich sehr lang vor, erschien die Mama, nehme ich an, wieder und nagelte das Junge in einer Ecke fest. `Das ist gar nicht die Mutter, das ist eine eifersüchtige Nebenfrau des Bullen, die das Baby jetzt fertig macht.´ dachte ich. Wie gesagt, ich befürchte immer das Schlimmste. Dort wo das Jungtier ins Wasser geplumpst war, konnte es unmöglich wieder ans Ufer gelangen. Die Zeit zog sich zäh wie kalter Honig in die Länge. Die Seelöwin verschwand wieder, das Jungtier zog noch ein paar Bahnen und auf einmal folgte es der Rundung des Beckens dorthin wo das Wasser ganz flach ist und noch ehe ich dort ankam, war es in den Katakomben verschwunden. Ich war froh, dass ich nicht ins Becken gesprungen war.


Erleichtert wandte ich mich dem Langen See in meinem Rücken zu, in dem die Pelikane beheimatet sind. Ein junger Vater kam mit seiner etwa 8jährigen Tochter herbei. "Da hast Du Deine Pinguine." sagte er. Ich schwieg, ging und fotografierte badende "Pinguine".


















































































Danach war ich eigentlich müde genug um nach Hause zu gehen, aber ich wollte mir dann doch noch den Blick vom "Belvedere" gönnen, dem einst höchsten Punkt der Wilhelma. Dahinter liegt das Mamutbaum-Wäldchen, das König Wilhelm, aus Sämlingen gezogen, anlegen ließ. Zum Glück wurde es bei den Bombenangriffen nicht zerstört. (Der König ließ übrigens in vielen Wäldern Württembergs diese Bäume pflanzen. Zwei haben mich durch Kindheit und Jugend begleitet. Sie stehen im Schönbuch und waren von unserer Wohnung in der Liebenau gut sichtbar, weil sie den Wald um Haushöhe überragten. Sie stehe nebeneinander und ähneln sehr den Türmen des Kölner Doms.) 
Ich nahm den Weg nach oben über die "Mediterrane Terrasse", vorbei an dem schönen maurischen Brunnen und den Vogelvolieren der Papageien. `Wie klein ist doch die Welt.´ dachte ich.
















Die Dame Pfau hat drei Küken. Also ist das auffallend schöne Werben des Herrn Pfau, das ich bei einem früheren Besuch bewundern durfte, doch nicht unerhört geblieben. Ich gratuliere den Eltern!






















































Die Aussicht war schön und es hörte auf zu regnen, also beschloss ich, zu Fuß nach Hause zu gehen. Warum? Keine Ahnung! Wahrscheinlich der Ehrgeiz des Schwaben. Also ging ich durch den Rosenstein Park, den Unteren Schlossgarten, wo die "Rossebändiger" aus weißem Marmor, erst vor wenigen Jahren gereinigt, langsam wieder schwarz werden, zum Hauptbahnhof ... Dort stieg ich in die U-Bahn.
Zuhause sichtete und editierte ich die an diesem Tag entstandenen Bilder.
Noch vor 20 Uhr fiel ich ins Bett und schlief 10 Stunden durch!
Es war ein schöner Regentag!