Der nette, gutaussehende junge Arzt, groß, blond, schlank, der meine Augen laserte erklärte mir, dass die Augenklinik ja nicht wirklich ein, im klassischen Sinn, "Krankenhaus" ist in dem "Kranke" stationär behandelt werden, und ich verstand was er meint. Es "siecht" hier niemand dahin. Wobei heutzutage ja niemand mehr dahinsiecht bei all der fürsorglichen Pflege der Menschen, für die der Staat gesetzliche Regelungen getroffen hat. So hat der Arzt das natürlich nicht gemeint, aber so ist es. Augenleiden verursachen keine Bettlägerigkeit, wie man das von einer Krankheit erwartet, und somit nicht die aufwändige Betreuung und Pflege, derer Kranke bedürfen. Leiden ist eben nicht gleich Kranksein. Leidende sind bedauernswert, Kranke sind lästig. Aber so hat das der nette Doktor schon gleich gar nicht gemeint, wir haben darüber ja nicht so ausführlich gesprochen, dafür fehlte die Zeit. Eigentlich machte ich nur eine Bemerkung über die Enge seines Behandlungsraumes und ob die Klinik nicht modernisiert würde, worauf er antwortete, dass dies zwar angedacht sei, aber nur schlecht zu realisieren wäre, weil Menschen mit Augenleiden ja nicht im eigentlichen, klassischen Sinn "Krankenhauspatienten" sind. ... Mir scheint, ich habe da ein Perpetuum Mobile in Gang gebracht!
Außerdem greife ich damit weit, weit, sehr weit vor.
Der "Nachtdienst" erwartete mich schon. Ein bisschen war ich froh, dass es nicht die Mädels vom Abend waren, deren Anführerin, (das ist wahrscheinlich nicht die richtige Bezeichnung für ihre Funktion) eine mich aufmerksam musternde junge blonde Frau, die, wie sich später herausstellte, sehr liebenswürdig ist, mich, als ich meine Papiere auf der Station abgab und sagte, dass ich später wieder kommen würde, weil ich zuhause noch ein paar Sachen holen wolle, mich streng fragte: "Warum zittern Sie?"
Hatte ich gezittert? Wahrscheinlich schon, bei Stress macht der Tremor Terror, ich merke es meistens erst wenn meine Knie weich werden. Das war da noch nicht der Fall. Ich streckte also meine Arme aus und ließ die Hände zittern, mein üblicher Modus demonstrandum, und sagte: "Ich habe einen Tremor."
"Das hab ich mir gedacht." antwortete sie.
Warum fragen Sie dann? hätte ich sagen können, unterließ es aber. Wie gesagt, ich war mit einer überwältigenden Ruhe und Gelassenheit gesegnet. Ohne Psychopharmaka!
Herr X., ein sympathischer Mann mit osteuropäisch klingendem Namen und Akzent führte mich zu meinem Zimmer. Ich hatte es für mich allein! Das andere Bett war zwar noch so zerwühlt wie es sein Okkupant hinterlassen hatte, aber das störte uns nicht.
"Richten Sie sich ein." sagte Herr X., "Ich komme später wieder und wir erledigen die Formalitäten."
Was soll ich über das Zimmer sagen? Es war sauber. Rechts standen die zwei Betten, links war ein Wandtisch montiert, dabei standen zwei Sesselstühle und darüber hing, wie der Felsklotz des Sisyphos oder das Schwert des Damokles, ein uralt Röhrenfernsehgerät, quasi raumbeherrschend! Mich schauderte bei dem Gedanken, dass hier zwei Personen, ohne Rücksicht auf ihre kulturelle Vorlieben, zu Gemeinsamkeiten gezwungen sein würden. Blasmusik versus Oper, zum Beispiel. Der Rest war auch mehr oder weniger deutsches Nachkriegsmittelalter. Ich hänge ein paar Bilder an.
| Mein Bett am nächsten Tag |
| Der "Nassbereich", Klo nebenan, keine Dusche |
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