Posts mit dem Label Caesar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Caesar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 12. Februar 2014

Apropos Phönix, Insomnia, Meditation ...


Um Viertel vor fünf war es wieder so weit. Ich konnte nicht mehr schlafen. Lag es an dem Traum kurz vor dem Aufwachen? Ich habe darin geweint und, wie in Heines Gedicht: 
" … Ich wachte auf, und die Träne
floss noch von der Wange herab."
Im Traum lebte ich, als alter Mann, bei meiner Mutter und "Onkel Franz". Ich hatte etwas gestohlen, das ihnen gehörte und sie hatten es bemerkt und sagten mir, beide vor Kummer weinend, dass ich nicht länger bei ihnen wohnen könne. Da weinte ich auch … Beim darüber nachdenken wurde  mir bewusst, dass ich eigentlich oft vom Weinen Träume und beim Aufwachen tatsächlich, wieder Heine:
"… Ich wachte auf, und ich weinte
noch lange bitterlich."
Und auch die dritte Variante hat schon zugetroffen:
"… Ich wachte auf, und noch immer
strömt meine Tränenflut."
Ist das normal? Weinen alle im Traum und erwachen in wirkliches Weinen? Wieviel war denn dann zuvor Traum? Oder weinte ich im Schlaf und löste damit den Traum aus? … Ich war wach und an wieder einschlafen war nicht zu denken. Also dachte ich kurz über Tränen nach, das führte zu "Wasser" und das zu "Angst oder Panik". Wovor habe ich mehr Angst, im Wasser zu sterben, oder im Feuer. Ertrinken oder verbrennen.
Ich erinnerte mich an den "Swim Call" auf dem Atlantik, als ich bei der US Navy war. Bei einer Überfahrt ins Mittelmeer trafen wir einmal, es war das einzige Mal dass ich es erlebte, auf völlig unbewegte See. Der Ozean war ein straff gespanntes, blaues Seidentuch von Horizont zu Horizont. Da ließ der Kapitän die Maschinen stoppen, der Anker wurde herunter gelassen, um den sich das Schiff dann ganz langsam drehte, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Und dann durfte, wer wollte, schwimmen gehen. Ich wollte. Schwimmen war mein Lieblingssport, wobei ich es nicht als Sport betrachtete sondern als Freizeitvergnügen. Die meisten Kameraden sprangen von der Reling aus, oder sogar vom Helikopter  "Flight Deck", was ich  nicht konnte. Vor freiem Fall hatte/habe ich Angst. Um in die Navy aufgenommen zu werden, musste ich vom Drei-Meter-Brett springen, Kein Kopfsprung sondern einfach Füße voraus nach unten. (So muss man springen, wenn das Schiff evakuiert wird, allerdings mit Schwimmweste.) Als ich am Brettende stand und springen sollte, konnte ich nicht. Ich hatte panische Angst! Zum Glück schubste mich der Nachfolgende und ich wurde gesprungen. Sonst wäre meine "Karriere" in der Navy dort beendet gewesen. Das hätte mir viel Kummer erspart! … Ich benutzte also die auf der Seite herunter gelassene Gangway um ins Wasser zu gelangen.
Die "Pocono", ein Flaggschiff der 6. Flotte. Das Bild ist Teil meiner, unvollständigen "Memoiren" und deshalb so detailliert beschriftet.
Ich hänge hier auch den Titel dieser Lebensschilderung an, dann habe ich das hinter mir.



Der Titel ist allerdings noch nicht endgültig, vor zwanzig Jahren fand ich das witzig und "geistreich". Aber das Bild würde ich auf jeden Fall beibehalten.
Zurück zum Schwimmen. Als ich ins Wasser stieg, hatte sich das Schiff so weit gedreht, dass ich mich auf der Schattenseite befand, die anderen sprangen auf der Sonnenseite herunter. Es war still. Ich glaube selbst damals dachte ich, dass die Welt den Atem anhalte, auf jeden Fall ist es so in Erinnerung geblieben. Ich glitt also in die Flut, um die Stille nicht zu stören. Ein unvorstellbares Glücksgefühl überkam mich, als ich mich einfach treiben ließ, ohne mich viel zu bewegen. Das Wasser trug mich. Es war wie fliegen, nur schöner, weil ich nicht abstürzen konnte. Und dann entschloss ich mich zu tauchen. Das war ein Fehler! Ich war/bin ein guter Taucher, weil ich die Luft sehr lange anhalten kann. Also holte ich tief Luft und tauchte kopfüber in die Tiefe. Und die griff mit grauenvoller Macht nach mir. Die Dunkelheit die mich erwartete sog mich förmlich auf. Schlagartig wurde mir bewusst, dass mehrere tausend Meter Wasser unter mir lagen. Unbewegt. Wartend. Für einen Herzschlag hing ich regungslos dort in Dantes' Limbus. Dann kam die Panik! Wie ein Pfeil schoss ich nach oben während tausend Ungeheuer nach mir aus der Tiefe griffen. Zum Glück hatte ich mich all zu weit vom Schiff entfernt. … Seither schwimme ich nur noch selten und das ungern. Und ich denke, langer Rede kurzer Sinn, dass ich deshalb ungern ertrinken würde. Siehe oben.
Feuer ist faszinierend. Es zu beobachten hat beinahe hypnotische Wirkung, wahrscheinlich auf jede/n. Das sich ständig wandelnde Bild der Flammen, die an Tänzer erinnern, ist ein Symbol für Bewegung schlechthin, finde ich. Ich hänge hier ein Video an, das zwar ein bisschen lang ist, man muss es sich nicht ganz ansehen, aber das was ich sagen möchte ohne Worte illustriert.


In dem Film "Johanna von Orleans" sagt Ingrid Bergman, die Johanna, als sie Zeugin wird wie jemand in einer brennenden Burg umkommt: "Es muss schrecklich sein zu verbrennen." Natürlich stirbt sie dann auf dem Scheiterhaufen. Eine Holzhammer Parallele, aber so machte man damals Filme.
Mein Protagonist in "Abschied von Aschenbach" heißt Fridolin Asche. Mein zweiter Roman trägt den Titel "Caesars Asche" und in diesem kommt es mehrfach zu Feuersbrünsten. Und neulich träumte ich von einem großen Feuer am nachtschwarzen Horizont. Was hat das zu bedeuten? …

                                    Wie man sieht, besteht Caesars Mantel aus Flammen ...

Wahrscheinlich bedeutet es gar nichts …
So weit war ich in meinem Versuch zu meditieren gekommen, allerdings dauerte das nur wenige Sekunden, als ich mich entschloss die Nacht zu beenden und Kaffee zu machen.
Es ist erstaunlich, wie viele Worte nötig sind, um die Gedanken von einigen Sekunden auch nur halbwegs zu erfassen.
Ich glaube aber nicht, dass ich gerne verbrennen würde um zu sterben. Also bin ich wohl doch kein Phönix.

Montag, 16. September 2013

Ein Epilog der ein Prolog ist


"Alea iacta est." ... Schon hier wird es schwierig. Üblicherweise wird dieses Caesar-Zitat mit: "Der Würfel ist gefallen" übersetzt. Dabei heißt es "Der Würfel ist geworfen." Es hängt, quasi, noch alles im Ungewissen, nichts ist entschieden. Wenn der Würfel gefallen ist, weiß der Spieler, ob er gewonnen oder verloren hat. "Alea iacta est" ist also das Lateinische für "Rien ne va plus", also: "Nichts geht mehr". Caesar soll den Satz übrigens auf griechisch ausgesprochen haben und in dieser Sprache heißt es dann wörtlich: "Hochgeworfen sei der Würfel". Jetzt wissen wir wenigstens, wie in der Antike bei Griechen und Römern das Würfelspiel ausgeführt wurde: man warf den/ die, Würfel hoch und wartete. Genug davon: Ich habe eine Reise nach Venedig gebucht.
Der/die Würfel ist/sind also definitiv gefallen.

Mein Wunsch, Venedig noch einmal zu besuchen, war ja immer im Hinterkopf präsent, aber eher als eine Hoffnung, die nicht unbedingt erfüllt werden muss, so wie ein großer Lottogewinn. Aber um im Lotto zu gewinnen, muss man einen Schein abgeben und um eine Reise nach Venedig zu realisieren, muss man diese buchen. Nun neige ich ja nicht zu spontanen Entscheidungen, außer bei um Geld Bittenden auf der Straße. Ich sehe eine Person, egal ob Mann oder Frau, ob aus einem nahen oder fernen Ausland (z. B. Bayern oder Schleswig Holstein) oder aus hiesiger Gegend, und greife spontan zum Geldbeutel. Das passiert nicht oft, aber es passiert. Da endet aber meine Spontaneität auch schon. Alles andere überlege ich mir, mehr oder weniger lang und gut, ehe ich zur Tat schreite. Es ist also schon erstaunlich, dass ich am Freitag, als ich nach dem Kieser Training die Königstraße hinunter zum Hauptbahnhof bummelte, vor dem Schaufenster irgendeines Reisebüros stehen blieb, mir kurz die ausgehängten Angebote ansah, ohne sie zu lesen, und dann einfach in das Büro ging und zu einer der beiden Angestellten, die gerade nicht beschäftigt war, sagte: "Ich möchte gern für sieben Tage nach Venedig fahren." Da war der Würfel hochgeworfen.

Die Reisebürokauffrau war sehr freundlich und hilfsbereit, na ja, wie sollte sie auch anders sein, und legte mir sofort einen Katalog mit Hotels in Venedig vor. Es war ein Blättern in meinen Erinnerungen! Im Laufe der Jahre habe ich Venedig über ein dutzend Mal besucht, zu jeder Jahreszeit, mal nur für drei Tage, mal für zwei Wochen. Die Stadt zog mich an wie ein Magnet und ich musste mich immer losreißen, um sie zu verlassen. Kein anderer Ort besitzt für mich diese Magie. Eine Erklärung gibt es nicht dafür, es sei denn, ich würde an Reinkarnation glauben, daran, dass ich einst dort so glücklich war, dass ich jetzt immer wieder zurückkehren muss, um einen Abglanz dieses Glücks zu spüren. Klingt verstiegen, ist es auch und schließlich kann man das Unerklärbare eben nicht erklären. Auf jeden Fall waren mit vielen Hotelnamen persönliche Erfahrungen verbunden. Im Danieli, dem vornehmsten, und teuersten, aller venezianischen Hotels, verbrachte ich einmal fünf Tage, als Freunde aus Amerika Europa bereisten. Das war Luxus pur. Aber mehr als schlafen und im Lounge sitzen konnte man dort auch nicht. Es war nur sündhaft teuer! Viel öfter erinnere ich mich an die kleine Pension in einer der belebtesten Gassen direkt hinter der Piazza San Marco, mit nur drei Zimmern, die nach hinten lagen und den Blick in kleine, gepflegte Gärtchen öffneten. Es war ein Familienbetrieb, mit Restaurant, das immer gut besucht war. Papa kochte vorzüglich, der Sohn kellnerte, die Schwiegertochter war für die Zimmer zuständig und Mama strahlte Wärme und Wohlbehagen aus während sie alles am Laufen hielt. Ich war, es war auch im Oktober, der einzige Gast und wurde sehr verwöhnt ... Ich sehe schon, meine Erinnerungen gehen mit mir durch! Schließlich entschied ich mich für das Hotel "Bisanzio", das ich auch kenne und von dem ich weiß, dass es in einem ruhigen Gässchen nicht weit vom Markusplatz liegt. Leider war erst ab dem 18. Oktober ein Zimmer für eine Woche zu haben, aber das war mir dann egal. Ich würde am 17. den Nachtzug nehmen und an meinem Geburtstag früh morgens in Venedig ankommen.
So habe ich es dann gebucht.

Die Anreise per Bahn konnte mir die freundliche, hilfsbereite Frau im DER Reisebüro leider nicht vermitteln, nur Flugreisen. Also ging ich die paar Schritte zum Hauptbahnhof und hatte wieder das Glück, gleich einen freien Schalter zu finden, hinter dem ein sehr freundlicher, hilfsbereiter Mann saß. Er recherchierte für mich die günstigsten Preise, reservierte den Liegeplatz für Hin- und Rückfahrt und druckte alles aus während sich hinter mir eine lange Warteschlange bildete.
Glück muss man haben, sonst hat man Frust!

Jetzt habe ich also die nötigen Papiere. Habe ich aber das notwendige Gepäckstück? Die  zwei Koffer im Keller sind zu groß, selbst der kleinere von Beiden. Schließlich sind sie für Gepäck für drei oder sieben Wochen gedacht. Mein größter Rucksack ist aber nicht für normales Gepäck geeignet, er ist mehr auf Notebooks plus Zubehör angelegt. Also werde ich wohl demnächst wieder Einkaufen gehen müssen. ...

Ach ja, irgendwo liegt auch der Roman, den ich vor 40 Jahren geschrieben habe, venedigbegeistert, in einer Schublade oder einem Schrank. Er trägt den Titel "Abschied von Aschenbach" in Anlehnung an Tomas Manns "Tod in Venedig". Ich werde das Manuskript mitnehmen und versuchen die Stationen meiner damaligen Reise aufzuspüren und zu sehen, was davon übrig ist an Substanz und Gefühlen.
Ich freue mich darauf!