Montag, 16. September 2013

Ein Epilog der ein Prolog ist


"Alea iacta est." ... Schon hier wird es schwierig. Üblicherweise wird dieses Caesar-Zitat mit: "Der Würfel ist gefallen" übersetzt. Dabei heißt es "Der Würfel ist geworfen." Es hängt, quasi, noch alles im Ungewissen, nichts ist entschieden. Wenn der Würfel gefallen ist, weiß der Spieler, ob er gewonnen oder verloren hat. "Alea iacta est" ist also das Lateinische für "Rien ne va plus", also: "Nichts geht mehr". Caesar soll den Satz übrigens auf griechisch ausgesprochen haben und in dieser Sprache heißt es dann wörtlich: "Hochgeworfen sei der Würfel". Jetzt wissen wir wenigstens, wie in der Antike bei Griechen und Römern das Würfelspiel ausgeführt wurde: man warf den/ die, Würfel hoch und wartete. Genug davon: Ich habe eine Reise nach Venedig gebucht.
Der/die Würfel ist/sind also definitiv gefallen.

Mein Wunsch, Venedig noch einmal zu besuchen, war ja immer im Hinterkopf präsent, aber eher als eine Hoffnung, die nicht unbedingt erfüllt werden muss, so wie ein großer Lottogewinn. Aber um im Lotto zu gewinnen, muss man einen Schein abgeben und um eine Reise nach Venedig zu realisieren, muss man diese buchen. Nun neige ich ja nicht zu spontanen Entscheidungen, außer bei um Geld Bittenden auf der Straße. Ich sehe eine Person, egal ob Mann oder Frau, ob aus einem nahen oder fernen Ausland (z. B. Bayern oder Schleswig Holstein) oder aus hiesiger Gegend, und greife spontan zum Geldbeutel. Das passiert nicht oft, aber es passiert. Da endet aber meine Spontaneität auch schon. Alles andere überlege ich mir, mehr oder weniger lang und gut, ehe ich zur Tat schreite. Es ist also schon erstaunlich, dass ich am Freitag, als ich nach dem Kieser Training die Königstraße hinunter zum Hauptbahnhof bummelte, vor dem Schaufenster irgendeines Reisebüros stehen blieb, mir kurz die ausgehängten Angebote ansah, ohne sie zu lesen, und dann einfach in das Büro ging und zu einer der beiden Angestellten, die gerade nicht beschäftigt war, sagte: "Ich möchte gern für sieben Tage nach Venedig fahren." Da war der Würfel hochgeworfen.

Die Reisebürokauffrau war sehr freundlich und hilfsbereit, na ja, wie sollte sie auch anders sein, und legte mir sofort einen Katalog mit Hotels in Venedig vor. Es war ein Blättern in meinen Erinnerungen! Im Laufe der Jahre habe ich Venedig über ein dutzend Mal besucht, zu jeder Jahreszeit, mal nur für drei Tage, mal für zwei Wochen. Die Stadt zog mich an wie ein Magnet und ich musste mich immer losreißen, um sie zu verlassen. Kein anderer Ort besitzt für mich diese Magie. Eine Erklärung gibt es nicht dafür, es sei denn, ich würde an Reinkarnation glauben, daran, dass ich einst dort so glücklich war, dass ich jetzt immer wieder zurückkehren muss, um einen Abglanz dieses Glücks zu spüren. Klingt verstiegen, ist es auch und schließlich kann man das Unerklärbare eben nicht erklären. Auf jeden Fall waren mit vielen Hotelnamen persönliche Erfahrungen verbunden. Im Danieli, dem vornehmsten, und teuersten, aller venezianischen Hotels, verbrachte ich einmal fünf Tage, als Freunde aus Amerika Europa bereisten. Das war Luxus pur. Aber mehr als schlafen und im Lounge sitzen konnte man dort auch nicht. Es war nur sündhaft teuer! Viel öfter erinnere ich mich an die kleine Pension in einer der belebtesten Gassen direkt hinter der Piazza San Marco, mit nur drei Zimmern, die nach hinten lagen und den Blick in kleine, gepflegte Gärtchen öffneten. Es war ein Familienbetrieb, mit Restaurant, das immer gut besucht war. Papa kochte vorzüglich, der Sohn kellnerte, die Schwiegertochter war für die Zimmer zuständig und Mama strahlte Wärme und Wohlbehagen aus während sie alles am Laufen hielt. Ich war, es war auch im Oktober, der einzige Gast und wurde sehr verwöhnt ... Ich sehe schon, meine Erinnerungen gehen mit mir durch! Schließlich entschied ich mich für das Hotel "Bisanzio", das ich auch kenne und von dem ich weiß, dass es in einem ruhigen Gässchen nicht weit vom Markusplatz liegt. Leider war erst ab dem 18. Oktober ein Zimmer für eine Woche zu haben, aber das war mir dann egal. Ich würde am 17. den Nachtzug nehmen und an meinem Geburtstag früh morgens in Venedig ankommen.
So habe ich es dann gebucht.

Die Anreise per Bahn konnte mir die freundliche, hilfsbereite Frau im DER Reisebüro leider nicht vermitteln, nur Flugreisen. Also ging ich die paar Schritte zum Hauptbahnhof und hatte wieder das Glück, gleich einen freien Schalter zu finden, hinter dem ein sehr freundlicher, hilfsbereiter Mann saß. Er recherchierte für mich die günstigsten Preise, reservierte den Liegeplatz für Hin- und Rückfahrt und druckte alles aus während sich hinter mir eine lange Warteschlange bildete.
Glück muss man haben, sonst hat man Frust!

Jetzt habe ich also die nötigen Papiere. Habe ich aber das notwendige Gepäckstück? Die  zwei Koffer im Keller sind zu groß, selbst der kleinere von Beiden. Schließlich sind sie für Gepäck für drei oder sieben Wochen gedacht. Mein größter Rucksack ist aber nicht für normales Gepäck geeignet, er ist mehr auf Notebooks plus Zubehör angelegt. Also werde ich wohl demnächst wieder Einkaufen gehen müssen. ...

Ach ja, irgendwo liegt auch der Roman, den ich vor 40 Jahren geschrieben habe, venedigbegeistert, in einer Schublade oder einem Schrank. Er trägt den Titel "Abschied von Aschenbach" in Anlehnung an Tomas Manns "Tod in Venedig". Ich werde das Manuskript mitnehmen und versuchen die Stationen meiner damaligen Reise aufzuspüren und zu sehen, was davon übrig ist an Substanz und Gefühlen.
Ich freue mich darauf!







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