Um Viertel vor fünf war es wieder so weit. Ich konnte nicht mehr schlafen. Lag es an dem Traum kurz vor dem Aufwachen? Ich habe darin geweint und, wie in Heines Gedicht:
" … Ich wachte auf, und die Träne
floss noch von der Wange herab."
Im Traum lebte ich, als alter Mann, bei meiner Mutter und "Onkel Franz". Ich hatte etwas gestohlen, das ihnen gehörte und sie hatten es bemerkt und sagten mir, beide vor Kummer weinend, dass ich nicht länger bei ihnen wohnen könne. Da weinte ich auch … Beim darüber nachdenken wurde mir bewusst, dass ich eigentlich oft vom Weinen Träume und beim Aufwachen tatsächlich, wieder Heine:
"… Ich wachte auf, und ich weinte
noch lange bitterlich."
Und auch die dritte Variante hat schon zugetroffen:
"… Ich wachte auf, und noch immer
strömt meine Tränenflut."
Ist das normal? Weinen alle im Traum und erwachen in wirkliches Weinen? Wieviel war denn dann zuvor Traum? Oder weinte ich im Schlaf und löste damit den Traum aus? … Ich war wach und an wieder einschlafen war nicht zu denken. Also dachte ich kurz über Tränen nach, das führte zu "Wasser" und das zu "Angst oder Panik". Wovor habe ich mehr Angst, im Wasser zu sterben, oder im Feuer. Ertrinken oder verbrennen.
Ich erinnerte mich an den "Swim Call" auf dem Atlantik, als ich bei der US Navy war. Bei einer Überfahrt ins Mittelmeer trafen wir einmal, es war das einzige Mal dass ich es erlebte, auf völlig unbewegte See. Der Ozean war ein straff gespanntes, blaues Seidentuch von Horizont zu Horizont. Da ließ der Kapitän die Maschinen stoppen, der Anker wurde herunter gelassen, um den sich das Schiff dann ganz langsam drehte, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Und dann durfte, wer wollte, schwimmen gehen. Ich wollte. Schwimmen war mein Lieblingssport, wobei ich es nicht als Sport betrachtete sondern als Freizeitvergnügen. Die meisten Kameraden sprangen von der Reling aus, oder sogar vom Helikopter "Flight Deck", was ich nicht konnte. Vor freiem Fall hatte/habe ich Angst. Um in die Navy aufgenommen zu werden, musste ich vom Drei-Meter-Brett springen, Kein Kopfsprung sondern einfach Füße voraus nach unten. (So muss man springen, wenn das Schiff evakuiert wird, allerdings mit Schwimmweste.) Als ich am Brettende stand und springen sollte, konnte ich nicht. Ich hatte panische Angst! Zum Glück schubste mich der Nachfolgende und ich wurde gesprungen. Sonst wäre meine "Karriere" in der Navy dort beendet gewesen. Das hätte mir viel Kummer erspart! … Ich benutzte also die auf der Seite herunter gelassene Gangway um ins Wasser zu gelangen.
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Die "Pocono", ein Flaggschiff der 6. Flotte. Das Bild ist Teil meiner, unvollständigen "Memoiren" und deshalb so detailliert beschriftet.
Ich hänge hier auch den Titel dieser Lebensschilderung an, dann habe ich das hinter mir.

Der Titel ist allerdings noch nicht endgültig, vor zwanzig Jahren fand ich das witzig und "geistreich". Aber das Bild würde ich auf jeden Fall beibehalten.
Zurück zum Schwimmen. Als ich ins Wasser stieg, hatte sich das Schiff so weit gedreht, dass ich mich auf der Schattenseite befand, die anderen sprangen auf der Sonnenseite herunter. Es war still. Ich glaube selbst damals dachte ich, dass die Welt den Atem anhalte, auf jeden Fall ist es so in Erinnerung geblieben. Ich glitt also in die Flut, um die Stille nicht zu stören. Ein unvorstellbares Glücksgefühl überkam mich, als ich mich einfach treiben ließ, ohne mich viel zu bewegen. Das Wasser trug mich. Es war wie fliegen, nur schöner, weil ich nicht abstürzen konnte. Und dann entschloss ich mich zu tauchen. Das war ein Fehler! Ich war/bin ein guter Taucher, weil ich die Luft sehr lange anhalten kann. Also holte ich tief Luft und tauchte kopfüber in die Tiefe. Und die griff mit grauenvoller Macht nach mir. Die Dunkelheit die mich erwartete sog mich förmlich auf. Schlagartig wurde mir bewusst, dass mehrere tausend Meter Wasser unter mir lagen. Unbewegt. Wartend. Für einen Herzschlag hing ich regungslos dort in Dantes' Limbus. Dann kam die Panik! Wie ein Pfeil schoss ich nach oben während tausend Ungeheuer nach mir aus der Tiefe griffen. Zum Glück hatte ich mich all zu weit vom Schiff entfernt. … Seither schwimme ich nur noch selten und das ungern. Und ich denke, langer Rede kurzer Sinn, dass ich deshalb ungern ertrinken würde. Siehe oben.
Feuer ist faszinierend. Es zu beobachten hat beinahe hypnotische Wirkung, wahrscheinlich auf jede/n. Das sich ständig wandelnde Bild der Flammen, die an Tänzer erinnern, ist ein Symbol für Bewegung schlechthin, finde ich. Ich hänge hier ein Video an, das zwar ein bisschen lang ist, man muss es sich nicht ganz ansehen, aber das was ich sagen möchte ohne Worte illustriert.
In dem Film "Johanna von Orleans" sagt Ingrid Bergman, die Johanna, als sie Zeugin wird wie jemand in einer brennenden Burg umkommt: "Es muss schrecklich sein zu verbrennen." Natürlich stirbt sie dann auf dem Scheiterhaufen. Eine Holzhammer Parallele, aber so machte man damals Filme.
Mein Protagonist in "Abschied von Aschenbach" heißt Fridolin Asche. Mein zweiter Roman trägt den Titel "Caesars Asche" und in diesem kommt es mehrfach zu Feuersbrünsten. Und neulich träumte ich von einem großen Feuer am nachtschwarzen Horizont. Was hat das zu bedeuten? …
Wie man sieht, besteht Caesars Mantel aus Flammen ...
Wahrscheinlich bedeutet es gar nichts …
So weit war ich in meinem Versuch zu meditieren gekommen, allerdings dauerte das nur wenige Sekunden, als ich mich entschloss die Nacht zu beenden und Kaffee zu machen.
Es ist erstaunlich, wie viele Worte nötig sind, um die Gedanken von einigen Sekunden auch nur halbwegs zu erfassen.
Ich glaube aber nicht, dass ich gerne verbrennen würde um zu sterben. Also bin ich wohl doch kein Phönix.
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