Venezianischer Morgen
Fürstlich verwöhnte Fenster sehen immer,
was manchmal uns zu bemühn geruht:
die Stadt, die immer wieder, wo ein Schimmer
von Himmel trifft auf ein Gefühl von Flut,
sich bildet ohne irgendwann zu sein.
Ein jeder Morgen muss ihr die Opale
erst zeigen, die sie gestern trug, und Reihn
von Spiegelbildern ziehn aus dem Kanale
und sie erinnern an die andern Male:
dann gibt sie sich erst zu und fällt sich ein
wie eine Nymphe, die den Zeus empfing.
Das Ohrgehäng erklingt an ihrem Ohre;
sie aber hebt San Giorgio Maggiore
und lächelt lässig in das schöne Ding.
(Rainer Maria Rilke)
Man kann sie nicht übersehen, die Insel San Giorgio Maggiore, wenn man Venedig besucht. Wer von der See her in das Markusbecken einfährt, wird von ihr quasi zur Linken begrüßt und wer im Vaporetto vom Bahnhof, oder dem Parkplatz auf der Piazzale Roma ankommt, wird auch mit der Nase darauf gestoßen. Am schönsten erlebt man sie aber, wenn man das Gassengewirr der Stadt hinter sich gelassen hat, unter dem Uhrturm hervor auf die Piazza San Marko tritt und dann geradeaus über die Piazetta auf die zwei Säulen zugeht, die dieses "Plätzchen" flankieren. Dann schließt San Giorgio den Blick ein. Ohne die Insel mit ihrer Kirche würde das Auge in die Lagune abschweifen und sich verlieren.
Irgendwie trifft Rilkes Beschreibung als "das schöne Ding" genau den Kern. Sie ist ein Spielzeug, oder eben ein Spiegel, nicht wirklich notwendig aber unverzichtbar, wenn nicht irgend etwas fehlen soll, das die Harmonie vollkommen macht. Und Venedig ist Harmonie in Vollkommenheit. Unendlich sind die Spiegelbilder, die die Stadt aus den Kanälen zieht, sich selbst betrachtet und wieder vergisst. "Das Ohrgehäng" sind ihre Glocken, die von überall her erklingen und den Besucher kurz an die Erde fesseln, ehe er sich in Licht und Klang und Bild um Bild in Zeit und Raum verliert. ...
Sofern er vor 30 Jahren und früher hier war. Die unvorstellbaren Touristenmassen, die sich jetzt durch die Stadt wälzen, lassen keine Harmonie mehr zu. Das ist schlimmer als Disneyland, denke ich. Dort erwartet man ja nichts anderes als Trubel und seichte Unterhaltung. Venedig heute ist nur noch Kulisse, "Leben" findet hier nicht mehr statt, es sei denn als `Event´ in einer `special location´. Ich frage mich, was die heutigen Venedigbesucher mit nach Hause nehmen, außer einem Smartphone voll Bilder und der Aussage: "In Venedig bin ich schon gewesen."...
Zurück zu San Giorgio. Gestern habe ich sie besucht. Hier ist alles `feminin´, weil man früher die Schönheit mit Frauen gleich setzte und hier ist alles Schönheit, selbst der Müll in den Plastiksäcken, wobei der Inhalt durchaus auch Schmutzwäsche aus den Hotels sein kann.
Ich nahm also den Vaporetto 4.2, nachdem ich am Eingang zum Landesteg mein Ticket, das für eine Woche Gültigkeit auf allen Fahrzeugen des Öffentlichen Nahverkehrs hat, für diese Fahrt entwertet hatte. Diese Karte ist, wenn man mehr als zwei- oder dreimal die Transportmittel in und um Venedig in Anspruch nimmt, sehr empfehlenswert, weil eine einfache Fahrt, sei es auch nur vom Bahnhof zum Markusplatz, wirklich ein Katzensprung, 7, 00 €uro kostet. Nicht 0,70€, um Irrtümer auszuschließen. Die Dauerkarte kostet zwar 50 €, aber wenn man bedenkt, dass eine Fahrt vom Markusplatz nach Torcello, einmal Umsteigen, und zurück 28 € kostet, ohne Unterbrechung auf Murano und/oder Burano, denn dann sind für die Weiterfahrt wieder 7 € fällig, dann haben sich 50 €uro ganz schnell zamma`gläbbert (akkumuliert), wie der Schwabe sagt.
Willkommen auf der Isola San Giorgio Maggiore, südlich im Bacino Venedig vorgelagert. In Wikipedia heißt es zwar, dass die Benediktinerabtei und die Kirche den gleichen Namen tragen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie ihn von diesen erhalten haben. Die Kirche ist Sankt Georg geweiht und, wenn man Pracht und Prunk erwartet, im Inneren eine herbe Enttäuschung. Alleine die Architektur zählt und wirkt. Zur Zeit befindet sich eine Kunstinstallation aus poliertem Swarovski Kristall direkt im Zentrum, wo sie die Laterne der Kuppel spiegelt und die Architektur "auf den Kopf stellt". Sehr schön.
Jetzt mache ich aber einmal eine Pause, ehe ich den Aufzug auf den Campanile besteige. Hunger habe ich auch und es gibt da so ein kleines Bistro gleich um die Ecke, wo einem die Spatzen das Brot vom Teller stehlen... wollen.
Sofern er vor 30 Jahren und früher hier war. Die unvorstellbaren Touristenmassen, die sich jetzt durch die Stadt wälzen, lassen keine Harmonie mehr zu. Das ist schlimmer als Disneyland, denke ich. Dort erwartet man ja nichts anderes als Trubel und seichte Unterhaltung. Venedig heute ist nur noch Kulisse, "Leben" findet hier nicht mehr statt, es sei denn als `Event´ in einer `special location´. Ich frage mich, was die heutigen Venedigbesucher mit nach Hause nehmen, außer einem Smartphone voll Bilder und der Aussage: "In Venedig bin ich schon gewesen."...
Zurück zu San Giorgio. Gestern habe ich sie besucht. Hier ist alles `feminin´, weil man früher die Schönheit mit Frauen gleich setzte und hier ist alles Schönheit, selbst der Müll in den Plastiksäcken, wobei der Inhalt durchaus auch Schmutzwäsche aus den Hotels sein kann.
Ich nahm also den Vaporetto 4.2, nachdem ich am Eingang zum Landesteg mein Ticket, das für eine Woche Gültigkeit auf allen Fahrzeugen des Öffentlichen Nahverkehrs hat, für diese Fahrt entwertet hatte. Diese Karte ist, wenn man mehr als zwei- oder dreimal die Transportmittel in und um Venedig in Anspruch nimmt, sehr empfehlenswert, weil eine einfache Fahrt, sei es auch nur vom Bahnhof zum Markusplatz, wirklich ein Katzensprung, 7, 00 €uro kostet. Nicht 0,70€, um Irrtümer auszuschließen. Die Dauerkarte kostet zwar 50 €, aber wenn man bedenkt, dass eine Fahrt vom Markusplatz nach Torcello, einmal Umsteigen, und zurück 28 € kostet, ohne Unterbrechung auf Murano und/oder Burano, denn dann sind für die Weiterfahrt wieder 7 € fällig, dann haben sich 50 €uro ganz schnell zamma`gläbbert (akkumuliert), wie der Schwabe sagt.
Jetzt mache ich aber einmal eine Pause, ehe ich den Aufzug auf den Campanile besteige. Hunger habe ich auch und es gibt da so ein kleines Bistro gleich um die Ecke, wo einem die Spatzen das Brot vom Teller stehlen... wollen.
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