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Montag, 13. Oktober 2014

Der Mann im Rollstuhl

Wie erzählt man einen Alptraum der keiner ist, sondern Wirklichkeit war? Wenn ich ganz am Anfang beginnen möchte, muss ich wieder einmal auf mein Sehen zu sprechen kommen. Daran hat sich nämlich nichts Grundsätzliches gebessert. Sogar der weiße Schleier liegt noch vor dem linken Auge, obwohl am Mittwoch, also Übermorgen, sechs Wochen seit der Operation vergangen sind. Ich illustriere hier noch einmal wie ich sehe, weil es für diesen Bericht eine wichtige Rolle spielt.
So sehe ich mit dem rechten Auge:




















Und so mit dem linken:





























Leider decken sich die beiden Bilder nicht genau, so dass sich meine Augen immer leicht hin und her bewegen bei dem Versuch ein Bild zu erwischen das scharf ist und keinen blinden Fleck aufweist. Dazu kommt die Lichtempfindlichkeit, trotz Sonnenbrille, die mich in letzter Zeit davon abgehalten hat, vor Sonnenuntergang das Haus zu verlassen, außer für Einkäufe in der Nachbarschaft. Meine Spaziergänge machte ich immer in die umliegenden Hügel, wo keine, oder nur wenige Lampen sind, weil Lichtquellen eine zusätzliche optische Irritation durch "Strahlenbildung" hervorrufen, ähnlich der  scharfen Bündelung von Sonnenlicht in einem Glas, oder Spezialfiltern vor der Kameralinse. 
So z. B.: Das Licht "sticht" ins Auge.


Gestern Abend wollte ich aber wieder einmal zum Hauptbahnhof und dort eine der fantastischen Thüringer Bratwürste im Baguette Brötchen mit viiiiiiel Senf essen. (Ansonsten ernähre ich mich ja hauptsächlich von selbst zusammengemischtem Müsli mit linksdrehendem Joghurt, frischem Obst, Krautsalat, (sehr gut!)  Magerkäseprodukten, fettarmen Putenbällchen, dunklem Brot ... etc. Gesund eben.)
Ich hatte ganz vergessen, dass zur Zeit  das Volksfest stattfindet und wurde von den Dirndlmädels und Krachlederjungs förmlich weggespült, als ich die Treppe zur U-Bahn hinunter gehen wollte, um die Heimfahrt anzutreten. Als die Menschenwelle sich verlaufen hatte, bemerkte ich einen Mann, der vor einem Rollstuhl stand, den er wohl schon vor einem Weilchen verlassen hatte, weil er die Treppe hinunter gehen wollte. Er hielt sich mit beiden Händen am Treppengeländer fest und versuchte einen Fuß so weit nach vorn und unten zu bewegen, wie nötig ist, um die erste Stufe zu bewältigen. Es gelang ihm nicht. Der Mann war ungefähr 1,80 Meter groß und sehr schlank, um nicht zu sagen mager. Er trug ein hellblaues Polohemd, eine schwarze Trainingshose und braune Halbschuhe und machte einen ungepflegten Eindruck, weshalb ihn die Passanten argwöhnisch ansahen, um dann schnell weg zu schauen.
Bis hierher war alles "normal". Dann ging ich zu ihm hin, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er doch den Aufzug benutzen könne um zum Bahnsteig zu gelangen. Langsam, sehr langsam drehte er sich zu mir um und ich sah sein Gesicht ... und plötzlich war ich ein Jahr jünger und besuchte meinen Freund Walter, der schwer parkinsonkrank in einem Pflegeheim lag. Die selbe sich abschuppende Haut, die an seinem Gesicht klebte, die kranken, rotgeränderten Augen, die ständig tränen, das dünne, schüttere weiße Haar ... aber das unheimlichste war die Stimme in meinem Kopf, die plötzlich eine Bibelstelle zu rezitieren begann und nicht mehr aufhörte: 
"Wo du hingehst, da will ich auch hin gehen, wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch; da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, der Tod muss mich und dich scheiden."
Gleichzeitig hörte ich auch die, von Hugo von Hofmannsthal für die Oper "Arabella" von Richard Strauß, umgedichtete Bibelstelle. Vor 50 Jahren hatte ich Walter beim Anstehen um Karten für diese Oper kennengelernt.
"Und du wirst mein Gebieter sein und ich dir untertan, dein Haus wird mein Haus sein, in deinem Grab will ich mit dir begraben sein, so gebe ich mich dir auf Zeit und Ewigkeit."
Die Stimmen wiederholten diese Texte gleichzeitig unaufhörlich, sowie ich mich mit dem Mann befasste, ohne abzulenken oder zu stören. 
Ich sagte ihm, dass er doch den Aufzug nehmen soll.
Er tat sich sehr schwer damit Worte zu artikulieren. Ich wusste sofort, dass er Parkinson hat.
"Ich will den Aufzug nicht nehmen."
"Kann ich ihnen helfen:?
"Ich will keine Hilfe."
Er versuchte wieder einen Schritt die Treppe hinunter zu machen. Ein junger Mann und seine Freundin blieben stehen und fragten ob sie behilflich sein könnten. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, erklärte ihnen aber kurz die Situation. Der junge Mann bot an, den Rollstuhl an den Fuß der Treppe zu tragen. Der Mann war damit einverstanden. Dann verabschiedete sich das junge Paar schnell. Sie mussten einen Zug erreichen. Ich griff nach einer Hand des Mannes und unterstützte mit meiner anderen Hand seinen Ellenbogen. Da gab er nach und tat den ersten Schritt auf die oberste Stufe. Wie viele Stufen es sind, weiß ich nicht, aber gefühlt waren es unendlich viele. Dazu kam noch meine eigene Trittunsicherheit, gerade beim Treppensteigen. Und dass dann ausgerechnet wieder eine Bahn voll lustiger Festbesucher ankam, die uns höchst verwundert beobachteten und lachten war auch nicht hilfreich.



























Unten stand der Rollstuhl zum Glück so günstig, dass der Mann sich ohne Schwierigkeiten setzen konnte. Ich war völlig verschwitzt. Als ich ihm anbot, ihn zum Bahnsteig zu schieben, lehnte er dies geradezu verärgert ab. 
"Ich brauche keine Hilfe." Speichel tropfte aus seinem Mundwinkel auf sein Hemd und die Hose, die schon sehr befleckt aussahen. Er hatte Mühe den Kopf zu wenden, heben konnte er ihn gar nicht.
"Wohin möchten sie denn?" fragte ich. Wenigstens wollte ich so lange in der Nähe bleiben, bis er sicher in der Bahn war. Zuerst konnte ich nicht verstehen, was er sagte. Es machte ihm große Mühe den Namen auszusprechen, der aus mehr als einer Silbe bestand. Schließlich begriff ich. Er wollte nach Degerloch.
Wir waren auf dem falschen Bahnsteig!
Ich machte ihm das klar und bot an, ihn zum Aufzug und zur anderen Seite zu bringen. Er lehnte ab und entfernte sich mit seinem Rollstuhl so eindeutig, dass ich ihn gehen ließ.
Es wird sich schon jemand finden, der ihm weiter hilft. Dachte ich.
Und dann merkte ich, dass die Stimmen schwiegen. Gottseidank! dachte ich. Inzwischen war meine Bahn, die auf dem Gleis verkehrt, an dem der Mann jetzt wartete, gerade abgefahren. Die nächste ging in 15 Minuten. Sonntagsverkehr. Also ging ich nach oben und schlenderte langsam durch die Klett Passage von einem Ende zum anderen und zurück. Schließlich sah ich auf der Anzeige, dass ich nur noch drei Minuten warten musste, also ging ich die Treppe hinunter ... 
Er hatte es, ohne Hilfe, bis zum ersten Absatz geschafft. Jetzt war er mit seinen Kräften am Ende. Ich habe noch nie einen hilfloseren Menschen gesehen. Die an ihm vorbei gingen machten lediglich einen Bogen um ihn.
Und seit ich ihn auf der Treppe entdeckt hatte, waren die Stimmen wieder da: "Wo du hingehst ..." 
"Darf ich ihnen helfen?" fragte ich. Er nickte nur.
Eine junge Frau, die von unten kam, fragte, ob sie etwas tun könne. Man müsste den Rollstuhl nach oben tragen, sagte ich. Ein junger Mann holte ihn und stellte ihn oben ab.
Der Mann konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten und es war nicht damit getan ihm eine Hand zu reichen. Er legte von sich aus einen Arm um meinen Hals und tat wohl das selbe bei der Frau und dann setzte er Fuß vor Fuß wie eine Marionette, während wir ihn quasi nach oben trugen. 
Sowie er im Rollstuhl saß, lehnte er wieder jede Hilfe ab. Ich ging hinter ihm her. Es wunderte mich, wie unbeteiligt die Passanten waren. Ich nehme an, dass sich die meisten vor ihm ekelten.
An der anderen Treppe wiederholte sich die ganze Szene von vor ... wie langer Ewigkeit? Es war wieder ein junger Mann der den Rollstuhl nach unten trug und mir blieb es wieder überlassen den Mann die Treppe hinunter zu führen. Zum Glück war da der Kraftaufwand für ihn zu schaffen. Ich frage mich aber schon, was sich die Menschen dachten, als sie einen doch nicht mehr jungen Mann beobachteten, der einem schwerst Behinderten die Treppe hinunter half. Ich war ehrlich gesagt an der Grenze meiner physischen Belastbarkeit und merkte, dass mein Tritt immer wackeliger wurde. Es waren wohl starke Schutzengel an unserer Seite.
Auf dem Bahnsteig rollte der Mann sofort wieder von mir weg. Er sprach ein junges Mädchen an, das aber wahrscheinlich gar nicht verstand was er sagte. Sie schüttelte nur den Kopf und lachte verlegen, während sie auf ihrem Handy herumtippte.
Also blieb ich in der Nähe bis die nächste Bahn nach Degerloch kam und achtete darauf, dass die Tür so lange geöffnet blieb, bis er an Bord war. Es ging nicht ohne Hilfe von innen, wo man die viel zu kleinen Vorderräder anheben musste ...
"Er will nach Degerloch." sagte ich etwas ratlos in das Wageninnere hinein. Eine Frau nickte. Die Tür ging zu und die Bahn fuhr ab. 
Die Stimmen waren still. 
Als ich zur Treppe ging hatte ich den Eindruck, dass alle Menschen auf dem Bahnsteig nur Silhouetten oder Schatten wären. Auf der Treppe war niemand. Sie war leer. Ganz oben stand ein Mann der zu mir heruntersah, als würde er auf mich warten. Er war klein, fast zierlich, hatte eine ausgeprägte Stirnglatze und sehr weiße Haut und trug einen schwarzen Anzug. Als ich oben ankam war er verschwunden.
Ich fragte mich, ob ich das Richtige getan hatte. Hätte ich die Polizei auf den Mann im Rollstuhl aufmerksam machen sollen und ihr die Verantwortung für ihn überlassen? Wohin ging er? Hatte er ein Ziel? Aber dann dachte ich, dass er wohl ein Ziel haben musste, sonst wäre er nicht so hartnäckig darauf zu gesteuert. Und vielleicht fürchtete er sich ja vor der Polizei mehr als vor allen anderen die ihm Hilfe anboten. Vielleicht will er nur Freiheit.
Zum Glück musste ich nicht lange auf eine Bahn warten und ich dachte auf der Heimfahrt: Wenn das kein Albtraum war und ich mich morgen noch daran erinnere, dann schreibe ich es auf. 
Siehe oben ...







Samstag, 30. August 2014

Ist Hoffnung falsch? - Ein Nachgedanke zum Joghurt



In dem Bericht des WDR über die Entdeckung Dresdener Wissenschaftler, dass Milchsäure "tote" Nervenzellen wieder beleben könne, was für an Parkinson Erkrankte einen Hoffnungsschimmer bedeute. Die Erkrankten selber sind sich durchaus bewusst, dass diese Hoffnung gering ist, aber "die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt eine Betroffene. So weit so gut.
Jetzt frage ich mich: Ist es nötig, dass der Parkinson-Experte der Bonner Uni-Klinik zusätzlich vor "falscher Hoffnung" warnt? Seine Argumente sind fundiert und stichhaltig, das bezweifle ich nicht, aber muss man eine Bombe auf ein Gebäude werfen, das noch gar nicht gebaut ist? Hoffnung, ganz gleich wie groß, ist immer sehr zerbrechlich und sollte nicht ohne Grund zerstört werden. Die Dresdener haben ja nicht gesagt: Juhu! Parkinson war gestern, heute ist Joghurt! Sie haben nur berichtet, dass ihre Entdeckung verblüffend ist und Hoffnung machen könne. Hoffnung ist ja immer auf die Zukunft ausgerichtet. Die Fakten des Bonner Professors basieren auf Ergebnissen der Vergangenheit (ich füge das Bild hier noch einmal ein).



Allerdings ist es eine Frage des Journalismus, ob man zwei so gegensätzliche Positionen in einem Beitrag verbindet. Genau genommen hat die Dresdener Entdeckung mit den Bonner Fakten so lange nichts zu tun, bis der Befragte dazu gezielt Stellung bezieht und nur zu negativen Ergebnissen kommt. Das nennt man dann "vor falscher Hoffnung warnen" und "erste Euphorie dämpfen". 



Nötig ist das nicht. Joghurt ist allemal gesund! Und in die Zukunft "falsche" Hoffnung haben ist besser als vor Fakten resignieren, die sich schon morgen als "falsch" erweisen können.

Mittwoch, 27. August 2014

Joghurt als Strohhalm


In einer Sendung des WDR wurde von Forschungen berichtet, die zu dem Ergebnis kamen, dass man mit Milchsäure "tote" Nervenzellen "reparieren" kann, sie also "wiederbeleben", wie mit Mund-zu-Mundbeatmung. So ähnlich. Die Methode ist ja Wurscht, das Ergebnis zählt.

"Betroffene reagieren skeptisch." Und trotzdem klammern sie sich an einen Strohhalm, an die Hoffnung "die stirbt zuletzt". Ich frage mich ganz nebenbei, wieviel Hoffnung auf Rettung ein Ertrinkender hat, der sich an einen Strohhalm klammert. Ein Wissenschaftler rückt diese Hoffnung dann wirklich in den Bereich des Strohhalms:





























Wenn er sagt: ",,, keinen positiven Einfluss auf das Risiko an Parkinson zu erkranken.", dann muss sich der schon daran Erkrankte fragen, ob er sich überhaupt noch Hoffnung machen darf. Oder soll er jetzt doch lieber auf Koffein umsteigen und täglich 10 Tassen Kaffee trinken?
Welchen Sinn haben solche Berichte? Am Ende der 2.49 Minuten wird gezeigt, dass der "Betroffene" sich linksdrehenden Joghurt und noch nicht ganz reife Pflaumen gekauft hat. Ach so, ja, "frühreifes Obst" enthält auch einen Wirkstoff der abgestorbene Zellen reaktiviert.

Und hier kommt mein großes Interesse an diesem Strohhalm ins Spiel. Bei meinem Glaukom-Anfall sind Zellen des Sehnervs abgestorben. Daran besteht kein Zweifel, ich kann es sehen. Vielmehr sehe ich, dass ich im linken unteren Bereich des rechten Auges nur noch einen grauen Fleck sehe, der das "Allgemeinsehen" dahingehend behindert, dass ich beim Fokussieren Schwierigkeiten habe und vieles nur verschwommen wahrnehme. Das verursacht Unsicherheit beim Gehen, weil der Boden unter den  Füßen "verwabert", wie eine im Hitzeflimmern verschwimmende Landschaft, und so sich der "Wahrnehmung" entzieht. Diese Unsicherheit, die sich mit der Zeit, also je länger ich gehe, sehr verstärkt, hindert mich daran längere Wanderungen zu machen und beschränkt auch die Dauer normaler Spaziergänge.
Also machte ich mich googelnd über "Griechischen Joghurt" schlau, der ist linksdrehend und das ist absolute Vorbedingung, wenn die Milchsäure die Nerven zum Wiedererwachen animieren soll. Wie auch immer man "linksdrehend" verstehen soll, wichtig dafür ist das Bacillus bulgaricus ... das ist eine lange, aber interessante, Geschichte, die man in Wikipedia unter Joghurt lesen kann. Das Wort ist übrigens türkischen Ursprungs.
Wo bekomme ich Griechischen Joghurt? In meiner Nachbarschaft leben hauptsächlich Türken. Aber, dachte ich, wenn die Türken den Joğurt mehr oder weniger erfunden haben, dann muss es doch auch in einem türkischen Supermarkt Joghurt mit Bacillus bulgaricus geben. Ich machte mich sofort auf den Weg. Leider vergaß ich eine Brille mit zu nehmen. Zwar kann ich seit meiner Augenoperation inzwischen wieder ohne Brille Zeitung lesen, oder diesen Blog schreiben, aber das "Kleingedruckte" ist dann doch nicht lesbar. (Noch nicht? Am 3. 9. wird das linke Auge operiert. Wer weiß ...) Ich griff mir also eine Joghurt Becher mit türkischem Namen. Zuerst versuchte ich noch irgendwo im Minitext ein B auszumachen, aber vergeblich. Das Mädchen an der Kasse, sie war wirklich noch keine "junge Frau" (sehr hübsch, nicht "verschleiert") half mir schließlich, konnte aber auch kein Bacillus bulgaricus entdecken, sehr zu ihrem Bedauern.
"Na ja," sagte ich voller Zuversicht, "dieser Joghurt ist doch in der Türkei hergestellt, dann wird er schon die richtigen Bazillen enthalten."
"Nein." antwortete sie. "Der Joghurt wird in Deutschland produziert."
Ich blickte überrascht und erstaunt und fragte: "Echt?"
Sie bestätigte es und konnte meine Verwunderung nicht so richtig verstehen, das sah ich ihr an. 
`Dritte Generation´, dachte ich, `die Zeit schreitet fort´.
Sie schrieb dann den Namen des Bacillus auf und versprach, den Joghurt Lieferanten bei seinem nächsten Vorbeikommen danach zu fragen. Sie würde zwar nicht da sein, aber ihrer Kollegin Bescheid sagen. Das hat mich sehr beeindruckt.
`Wenn es irgendwo in Stuttgart griechischen Joghurt gibt, dann in der Markthalle.´ dachte ich. Dort gibt es griechische, türkische, italienische, ungarische, pakistanisch-indische, französische, spanische, schweizer und deutsche Spezialitäten. Ich entschied mich gleich für den ersten Stand an dem griechische Wimpel hingen.
"Haben Sie griechischen Joghurt?" fragte ich, ein bisschen verlegen, die hübsche junge Frau hinter den Verglasungen.
"Aber ja." antwortete sie und zeigte auf eine Schüssel in der Vitrine.
Da stand ganz einfach "Joghurt" und "100g 1€" und "10% Fett". Da würde ich meinen Diätplan ändern müssen!
Ich war müde und brachte nicht die Energie auf nach dem Linksdrehen und Bacillus bulgaricus zu fragen. 
"Fünfhundert Gramm, bitte." sagte ich.
...
Ich aß ihn in drei Portionen, so viel Disziplin muss sein. Er schmeckte verrücklich gut!!!
Beim nächsten Besuch in der Markthalle verglich ich dann die Preise an zwei verschiedenen Ständen. Am griechischen waren es weiterhin 1 Euro für 100 Gramm. Das ist nicht billig! Am türkischen Stand waren es nur 65 Cent für 100 Gramm. Da schlug ich zu und kaufte gleich ein Kilo. 
Wie lange er im Kühlschrank halten würde, fragte ich.
"Ca. eine Woche." antwortete die hübsche junge Frau ... 
Ich kann nix dafür, dass sie alle jung und hübsch sind!
Er hielt natürlich keine Woche, dafür schmeckte er viel zu gut.
"Da muss Disziplin her", sagte ich mir, "auch beim Einkauf."
Zuerst durchforstete ich das Joghurt Angebot im Bonus Supermarkt um die Ecke, wo ich gewöhnlich einkaufe. Aber da waren die Bakterien nur thermophil und völlig unbulgarisch. Also ging ich zum Mutterkonzern, zu Edeka, auch nicht weit entfernt und sah mich um. Wer hätte gedacht, dass es so viele Joghurt Hersteller gibt?!
Und wer würde glauben, dass ich schon wieder keine Brille dabei hatte!? 
Warum nimmt der Produktname und der des Herstellers so viel Platz auf einem Etikett ein und warum ist das wirklich Wichtige so winzig gedruckt? Eine gute Frage, die ich vor mich hinseufzte, während ich einen Joghurt Becher in meiner Hand hin und her drehte.
"Das frage ich mich auch immer." sagte eine blonde Frau neben mir, die einen Eisbecher in der Hand hatte. Sie war weder jung noch hübsch und ob sie wirklich blond ist, wage ich in Frage zu stellen.
Ich erklärte ihr mein Dilemma mit den Bacterium bulgaricus und dem Kleingedruckten und dass ich keine Brille dabei habe.
"Ja ja" sagte sie mitfühlend, "mir geht es genau so."
Da wollte ich schon aufgeben und dann: BINGO! sprang mich das was ich suchte förmlich an. Griechischer Joghurt in Hülle und Fülle, im 200 Gramm Becher, aus Kuhmilch und aus Schafsmilch hergestellt in Griechenland! Und natürlich mit L. Bulgaricus und S. Thermophilus. Halleluja!




Jetzt hoffe ich, dass auch drin ist was drauf steht. Ich habe den Vorrat, gemischt Kuhmilch, Schafsmilch, für 8 Tage gekauft, dann muss ich ja in die Klinik ...
Der Schafsmilch-Joghurt hat übrigens nur 4,5% Fett, dafür ist er zwar weniger cremig, aber lebendiger im Geschmack. Ich werde ihn auf meinen täglichen Speiseplan setzen, auch wenn mein Sehnerv sich nicht darum kümmert. Nachdem ich  das alles hier geschrieben habe und er mitgelesen hat, weiß er auf jeden Fall Bescheid. Vielleicht klammert er sich ja an den Strohhalm?!