Warum ich mit der Überlegung aufwachte, ob die Mehrzahl von Sucht, Suchten sei, ist mir ein Rätsel.
An dem Traum, den ich kurz zuvor hatte, konnte es nicht liegen, der fand nämlich auf einem Weihnachtsmarkt statt. Und das kurz vor Ostern. Es handelte sich übrigens um keinen gewöhnlichen Weihnachtsmarkt, sondern um einen höchst merkwürdigen und das lag nicht daran, dass alle Besucher schwarz gekleidet waren, das fand ich ganz normal und das ist ja auch kein Wunder, wenn man in das gegenwärtige Straßenbild schaut. "Trist ist in" was die Mode betrifft.
Na ja, die allgemeine Weltlage ist schließlich auch nicht zum Jubeln. Nur Angela Merkel freut sich über die vielen Flüchtlinge und dass dadurch billige Arbeitskräfte nach Europa kommen. Für sie besteht die Welt doch nur aus "Arbeitsplätze", zumindest ist das das Wort das am häufigsten von ihr zu hören ist.
Zurück vom Arbeits- auf den Weihnachtsmarkt. An der ersten Bude, die ich übrigens, wie alle anderen auch, einige Zentimeter über dem Boden schwebend passierte, wurde Anti-Stress-Likör aus Hagebutte angeboten. Meine Frage, ob es das auch als Schnaps gäbe, wurde negative beschieden. Danach versuchte mir ein Rauschgoldengel in russischer Tracht mit einer komplizierten Spitzenhaube einen Luftballon auf den ein Weihnachtsbaum gemalt war zu verkaufen. Dazu gab es ein kleines Fläschchen Helium. "Baum schwebt" sagte der Engel. Ich nahm ihn ihr nicht ab.
An einem anderen Stand umarmte eine Frau einen ganzen Berg von Kleidungsstücken und fragte die Verkäufern: "Warum kaufe ich das denn überhaupt?" Die Gefragte steckte eine weiße Hand in das Bündel, wühlte eine Weile darin herum und befummelte schließlich eine Bluse. "Die wird sie sehr glücklich machen." flötete sie mit süßer Stimme. Die Käuferin blickte entzückt. "Und was ist mit dem Rest?" wagte ich zu fragen. Die Esoterische mit der weißen Hand schoss mir einen Dolchblick zu und zischte: "Hau ab! Du Anti-Aura-Spasti!!"
So etwas wird man nur in Träumen genannt ...
Zuletzt schwebte ich auf einen Presslufthammer zu, der von dem Mann bedient wurde, der erblindet war, nachdem er sich im Knast einen Tintenbleistift in beide Augen gestochen hatte. Das tat er auf Anraten eines Knastbruders mit langjähriger Erfahrung, der sagte: "Das ist völlig ungefährlich, Du kommst nur eine Woche oder zwei auf die Krankenstation. Dann siehst Du wenigstens 'mal was anderes." Inzwischen sah er, wie gesagt, gar nichts mehr und bediente auf normalen Weihnachtsmärkten eine Drehorgel. Hier nun spielte er mit dem Presslufthammer laut dröhnend "Stille Nacht, heilige Nacht." ... Daran bin ich aufgewacht. Allerdings war es nicht das Geräusch eines Presslufthammers (heute ist Sonntag!) das mich weckte, sondern die Klospülung meiner Nachbarin, die immer mit einem lauten Knall abschaltet.
Jetzt aber zum Thema Sucht und Suchten. Mir war schon klar, auch noch im Halbschlaf, dass es Süchte heißt, aber wie das so ist zwischen Tag und Traum, fragte ich mich dann, warum die Mehrzahl von Frust nicht Früste heißt und warum es für Leder überhaupt keine Mehrzahl gibt, ganz zu schweigen von Frust, wo mich doch durchaus mehrere solche plagen. ... Ja ... und von Sucht kam ich dann logischerweise (?) auf Blutdruck messen ...
Dass Blutdruckmessen süchtig machen kann, weiß ich seit ich wegen meines Schlaganfalls (die Entlassung aus dem Krankenhaus liegt heute 31 Tage zurück. Das erkenne ich an den ASS Blisterkärtchen, denen ich jeden Tag eine Aspirin-Tabllette zur Blutverdünnung entnehme. Tage zählen kann auch zur Sucht werden!) in Reha bin. Dort ist das erste das man machen muss das Messen des Blutdrucks und das Resultat auf einem Zettel zu notieren, der in einen roten Kasten gesteckt wird. Nachdem bei mir ein "viel zu hoher!" (die Stimme der Stationsschwester wurde beinahe schrill!) Blutdruck registriert war und ich postwendend ein Medikament dagegen bekommen hatte, wurde mir ein mehrmaliges Messen pro Tag verordnet. Morgens, vormittags, nachmittags und am Abend. Schon am zweiten Tag beobachtete ich bei mir ein erhöhtes Begehren nach Blutdruckmessung.
Jedes Mal wenn ich mich in dem Raum befand, in dem das Gerät seinen Standort hat, sah ich mich von dem Bedürfnis bedrängt die Manschette anzulegen und den Schmerz des Pumpens an meinem linken Oberarm erwartungsvoll und schließlich den ganzen Arm befriedigend zu ertragen. Anfangs hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, hauptsächlich wegen der vielen Zettel die ich, pflichtbewusst ausgefüllt, in den roten Kasten warf. Nachdem ich aber von den Pflege- und Verwaltungspersonen nicht gerügt wurde, habe ich das Blutdruckmessen zu einer meiner Therapie-Einheiten erklärt. Ich ging sogar so weit, der Ärztin vorzuschlagen, ein Seminar über den Blutdruck abzuhalten. Es gibt ja schon welche über das "vom Schlaganfall geschädigte Hirn" und über "Alltagsdrogen" (Alkohol und Zigaretten) die zu Sucht und Schlaganfall führen können. (Dieses verließ ich mit den Worten: "Jetzt schnell einen Schnaps und eine Zigarette.") Warum also nicht eine "Einführung in den Blutdruck"? Das würde mich wirklich interessieren!
Übrigens habe ich mich schon im Internet über Blutdruck-Messgeräte schlau gemacht. Die sind gar nicht soooo teuer wie ich dachte und man kann sie sich sogar zuschicken lassen. Ich werde allerdings demnächst zu Saturn oder Mediamarkt gehen und mir die Dinger 'mal ansehen. Schließlich bin ich ja nicht ewig in Reha und wer kümmert sich dann um meinen Blutdruck? Diese Frage erhöht nicht nur meine Früste!
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