Sonntag, 4. Mai 2014

Was ist und was nicht ist

Heute Nachmittag war ich in meinem Lieblings-Café und bestellte, wie meistens, ein Apfelschorle und eine Riesen-Butterbrezel. Manchmal, wenn ich zuvor etwas gegessen hatte, bestellte ich nur Apfelschorle. Die "Riesen-Butterbrezel" ist aber schon erwähnenswert, weil sie wirklich sehr groß ist und trotzdem eine ganz normale, schwäbische Brezel. Ich weiß, dass die Bayern denken, sie hätten die "Breez'n" erfunden, mag auch sein, wenn sie diese harten, seelenlosen Backwaren in Form einer Brezel meinen, die man im münchener Hauptbahnhof zugeschoben bekommt, wenn man eine Brezel verlangt, aber das ist keine Brezel. Brezeln haben eine Persönlichkeit, haben individuellen Geschmack, je nach Bäcker, und eine Seele, die weit über das Bayerische hinaus geht! Das muss einmal gesagt werden! Eine schwäbische Brezel ist einmalig, jede einzelne!!!
Aber zurück zum heutigen Nachmittag. Ich bestellte also meine Schorle und die Brezel, wartete auch am Tresen darauf, weil ziemlich viel Betreib war an diesem langen Wochenende nach dem 1. Mai, wobei ich keinen Unterschied zu Weihnachten feststellen konnte. Dann setzte ich mich an ein Tischchen im Freien, fast alle frei, weil es doch ziemlich kühl war mit 8 Grad in der nicht vorhandenen Sonne und dort stellte ich dann fest, nachdem ich die knusprigen "Ärmchen" der Brezel geknabbert hatte, dass der "Körper" keine Butter enthielt. Eine Butterbrezel ohne Butter! Ich fragte mich wieder einmal, ob ich nicht in eine Computer-Simulation unserer Welt geraten bin, in der solche "Irrtümer" einfach normal sind. Die "Welt am Draht", in der eine Straße im Nichts endet, weil der Rest dahinter noch nicht geplant, nur gedacht ist. Eine Butterbrezel ohne Butter, weil sie noch nicht verkauft ist. Das passt doch zu dieser Vorstellung, wie das "Lied ohne Worte" von Tschaikovsky; dass später jemand Worte dazu geschrieben hat, bestätigt ja nur die Simulation, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Oder umgekehrt. Wir sind nicht echt, wir sind Projektionen, Erfindungen von Programmierern, die unsere Welt als ein Computerspiel betreiben. Betreiben, weil sie natürlich daran verdienen, wenn ihre "Datei", also ich, anfängt selbstständig zu denken.
Zum Beispiel über das Gehen. Darüber mache ich mir zunehmend Gedanken, je mehr mir ins Bewusstsein rückt, dass meine Füße nicht meiner Körperkontrolle unterliegen. Sie sind frei. Das ist eine erschreckende Erkenntnis!
Meine Freunde P. und K. hatten einen Bekannten, hatten, weil er inzwischen gestorben ist, wahrscheinlich wegen des Rauchens ... der ein Jahr jünger war als ich und trotzdem 10 Jahre älter wirkte. Er sah "greisenhaft" aus, das muss ja gesagt werden, und wirkte "wirklich alt". Dabei war der Unterschied zwischen ihm und mir gar nicht so auffällig, außer in der Art, in der er sich "fortbewegte". Er ging alt. Vorsichtig, jeden Schritt berechnend, als würde ein Computer ihn steuern.
"Ich habe Angst, dass ich fallen könnte." sagte er, als man ihn darauf ansprach.
Er betrachtete jede Treppe als einen Feind, den er besiegen musste und dementsprechend ging er sie auch an. Im Vergleich zu mir lagen dazwischen nicht nur ein Jahr, sondern eine Generation.
Inzwischen hat sie mich eingeholt! Ich gehe jetzt nicht mehr unbewusst, sondern ich navigiere. Vorläufig bezieht sich das nur auf das Treppenhinabsteigen, wo ich wirklich bewusst meine Schritte setze, aber ich bemerke es auch darin, dass ich darauf achte, wer sich mir nähert, sich von mir wegbewegt während ich unterwegs bin. 
Ich "gehe" in einer Welt die real existiert und bewältigt werden will!
Wir bewältigen unsere Jahre, so wie sie uns gegeben werden. Ihr Inhalt ist entscheidend dafür, wie "es uns geht". 
Mir geht es ...

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