Hier hat es angefangen. "Es", das Krafttraining, von dem ich erhoffte, und immer noch erhoffe, dass es meinen essentiellen Tremor reduziert. Mit "Bodybuilding", wie das früher genannt wurde, hatte ich so viel am Hut wie für chinesische Orthographie. Oder für Sport überhaupt. In der Schule, 1945 bis 1953, hieß "Sport" Schnitzeljagd und Völkerball. Es existierte in Waldenbuch zwar eine Turnhalle, aber wir durften sie nur sehr selten nutzen, wahrscheinlich weil der Sportverein fürchtete, dass wir die Geräte ruinieren würden. Hätten wir wahrscheinlich auch. Abgesehen davon war ich immer ein "schmales Handtuch", was nicht nur an unzureichender Nahrungszufuhr lag, sondern an meinen Genen. Zwar war mein Vater ein sportlicher Mensch, wenn ich meiner Schwester glauben darf, aber er starb zwei Monate vor meiner Geburt und konnte mich also nicht anspornen. Ein "Muskelpaket" war er aber auch nicht. Also Gene eben. Als Teenager entwickelte ich wohl Ehrgeiz für Muskelaufbau, aber der war mit endlosen Liegestützen und Kniebeugen, etc. verbunden und ebbte schnell ab, nachdem nach zwei Wochen noch kein einziger Muskel an meinem Körper in Erscheinung getreten war.
Ich spielte auch lieber Federball als Fußball.
Ein hoffnungsloser Fall also. ...
Als Buchdrucker, ein ausgestorbener Beruf, musste ich zwar schwer heben, die einzelnen Seiten der sechtzehnseitigen Druckformen waren aus Blei, das Papier das ich bewegte, in die Maschine und aus ihr heraus, war auch nicht leicht, aber Muskulatur baute ich keine auf. Die Hoffnung darauf hatte ich auch aufgegeben. So hat sich an meinem "Körperbau" zwischen meinem 14. und 17. Lebensjahr nichts verändert. Siehe unten.
Zwischen meinem 17. und 74. Lebensjahr hat sich meine Figur zwar mehrmals verändert, aber nie zum dauerhaften Vorteil. Es ist verblüffend, wie schnell man(n) einen "Ranzen" bekommt und wie schwer es ist, ihn wieder los zu werden. Liebeskummer, das konnte ich mehrmals feststellen, ist die beste Abnehm-Diät! Hätte ich niemals Beziehungsstress gehabt, würde ich inzwischen garantiert 2 Zentner wiegen! Denn maßhalten beim Essen gehörte nicht zu meinen Tugenden. Beim Trinken schon, da konnte ich jede Menge "Maß" halten!
Es war ein Teufelskreis.
Als ich bei "Meister Ali" zu trainieren anfing, siehe ganz oben, wog ich ca. 75 Kilo, meist Fett. Meine Beinmuskulatur war so ziemlich die einzige, die nicht ganz im Argen lag. Ich gehe viel, laufe aber nicht. Hast ist ein Laster. Die Armmuskulatur hingegen war einfach nicht existent, anders kann man es nicht sagen. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, hielt ich dieses Manko an Kraft für einen Grund meines starken Tremors, wenn ich etwas heben musste, wollte, sollte. Womit ich also endlich wieder beim Thema bin: Krafttraining.
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, rekapituliere ich gerne noch einmal einige Stationen des Werdegangs meines Trainings. Dies ist also quasi eine Rückblende wie im Film. (Der Leser kann sich glücklich schätzen, dass ich hier nicht Richard Wagners Methode anwende, die dieser im "Ring des Nibelungen" praktizierte, und jeden geschriebenen Satz und jedes gezeigte Bild zum Anlass nehme, noch einmal die ganze Geschichte von Anfang an zu erzählen!)
"Meister Ali"
Trotzdem sei Ali Gölpınar noch einmal lobend erwähnt, weil ich ohne seine unaufdringliche Ermunterung nicht weit gekommen wäre. Ich weiß nicht, ob sich die Direktion des Royal Wings Hotels darüber im Klaren ist, welch ein vorzüglicher Personal Trainer in ihrem Fitnesscenter beschäftigt ist. Er zeigte mir nicht nur die Geräte und erklärte ihre Funktion, sondern beschrieb auch welcher Muskel bei den einzelnen Übungen trainiert und gekräftigt wird ... Ich tendiere wohl doch zu wagner'scher Epik!
Dann hieß es Abschied nehmen von Meister Ali und dem all inclusive Leben im Hotel Royal Wings. Zugenommen hatte ich nicht, was ich als sehr positiv wertete. (Zwei Gästinnen schon etwas gereifteren Alters aber noch keine Seniorinnen, kamen jeden Morgen, wenn außer mir noch niemand da war, in den Fitness Raum und stellen sich auf die Waage (die einzige im Hotel?). Anfangs lobten sie sich noch vernehmlich gegenseitig wegen ihrer "Disziplin", aber sie wurden "zunehmend" leiser im Lauf der Zeit und blieben schließlich ganz aus. Ich dachte erst noch, dass sie abgereist wären, traf sie aber noch des öfteren im Restaurant, wo sie ihre Disziplin offensichtlich verloren hatten.)
In Stuttgart entschied ich mich für das "Kieser Training", wie an anderer Stelle schon beschrieben. Ein Kieser Studio unterscheidet sich grundsätzlich von herkömmlichen "Mucki-Buden" und die Geräte, auch wenn sie den selben Zweck erfüllen, wie die im Fitness-Center, kann man nicht vergleichen. Ich werde einige Bilder zur Illustration hinzufügen.
Ich habe nicht vor eine Biografie von dem Schweizer Werner Kieser zu schreiben, die kann man googeln, wenn man sich dafür interessiert. Nur so viel: Er kam nach einem Sportunfall, beim Boxen, als mehr oder weniger Reha Maßnahme, zum Krafttraining und machte dieses schließlich zu seinem Beruf. Sein Ziel, und er meint, das müsste das Ziel jedes Menschen sein, ist es, die Körperkraft, also die Muskulatur, so weit wie es der individuelle Körper "zulässt" aufzubauen und dann zu erhalten. In einem Interview sagte er, als Antwort auf:
Der deutsche Psychiater Manfred Lütz wirft der Fitnessgemeinde vor, vorbeugend zu leben, um einmal gesund zu sterben.
Das ist nicht abwegig: Sterben muss man so oder so. Es ist aber ein Unterschied ob man vor dem Tod jahrelang dahinsiecht oder ob man fit in die Kiste geht. (Tages Anzeiger, Zürich, 10. 4. 2010)
Kieser entwickelte Geräte, auf bereits vorhandene Patente aufbauend, die geeignet sind jeden Muskel separat, so weit das möglich ist, zu kräftigen, ohne andere Muskeln "zur Hilfe" zu nehmen. Mir leuchtete das ein und verstand daher auch, dass man sich bei manchen Geräten fest anschnallt um nicht "nachgeben" zu können und somit dem zu trainierenden Muskel "entgegen zu kommen".
Musik gibt es auch nicht bei Kieser, kein hämmerndes mpfda, mpfda, mpfda, das keine Konzentration zulässt und es gibt auch keinen Raum zum "Chillen" nach dem Training, mit Getränken und Gemütlichkeit. "In einer Kirche gibt es auch keine Saftbar." sagt er.
Ich glaube dass der Interviewer noch humorloser war, als "Menschen an Kraftmaschinen". Mir ist das Lachen auf jeden Fall noch nicht vergangen, aber ich nehme das Training ernst. Sonst könnte ich es bleiben lassen.
Um sich selbst und seine Fortschritte zu dokumentieren, führt man ein Trainingsprotokoll in dem jedes Gerät eingetragen ist das man benutzt. Außerdem sind darauf die Einstellungen der Sitzhöhe, der Lehne und, bei manchen Geräten, der Fixierungspunkte festgelegt. Ich vermerke das jeweils angewandte Gewicht und die Zeit die ich für die Übung aufgewendet habe. Komme ich dabei auf unter 90 Sekunden ehe ich keine volle Bewegung mehr durchführen konnte, lege ich beim nächsten Training ein Kilo weniger auf, schaffe ich 120 Sekunden ohne den Muskel zu erschöpfen, nehme ich das nächste Mal ein Kilo mehr. Selbst wenn ich keinen Fortschritt "sehen" kann, sprich: den Waschbrettbauch, habe ich auf jeden Fall die Gewissheit, dass meine Kraft zunimmt. Und darauf kommt es mir an.
Auf keinen Fall soll man jeden Tag trainieren, da dies dem Muskelwachstum entgegen wirkt. Eine Pause von mindestens 48 Stunden sollte dazwischen liegen, eher mehr als weniger. Da es mir dabei gut geht und ich mich nicht mit Muskelkater unwohl fühle, denke ich, dass ich so weiter machen kann. Jetzt heißt es eben Geduld haben und dem Tremor eine Chance geben sich zu beruhigen. Vorläufig gefällt es ihm aber noch bei mir ... Übrigens wiege ich inzwischen konstant 73 Kilo.
"Meister Ali"
Trotzdem sei Ali Gölpınar noch einmal lobend erwähnt, weil ich ohne seine unaufdringliche Ermunterung nicht weit gekommen wäre. Ich weiß nicht, ob sich die Direktion des Royal Wings Hotels darüber im Klaren ist, welch ein vorzüglicher Personal Trainer in ihrem Fitnesscenter beschäftigt ist. Er zeigte mir nicht nur die Geräte und erklärte ihre Funktion, sondern beschrieb auch welcher Muskel bei den einzelnen Übungen trainiert und gekräftigt wird ... Ich tendiere wohl doch zu wagner'scher Epik!
Training ist kein "Zeitvertreib" wenn man(n) als "absolute beginner" herangeht und Resultate erzielen möchte. Für mich war erst einmal alles die reinste Tortur, nicht weil es schmerzhaft gewesen wäre, sondern weil es einfach Kraft erforderte, die ich nicht hatte, was mir manchmal schon peinlich war. Ich konnte, z. B. zwei der leichtesten Gewicht (2 Kilo) nicht mit gestreckten Armen über meinen Kopf heben!
Es war demütigend ...
Nach 5 Wochen täglichem Training, aufgeteilt in zwei "Einheiten" von jeweils mindestens 45 Minuten (Morgens etwas länger, weil ich da so lange wie möglich "Radfahren" musste, wegen des "Aufwärmens" und "Cardio" Trainings, schließlich ist das Herz ja DER Muskel, der am meisten leisten muss) hatte ich auf den Oberarmen leichte "Schwellungen", die man als Bizeps bezeichnen konnte, sofern man mir schmeicheln wollte. Natürlich war ich stolz darauf! Und inzwischen schaffte ich auch zwei Mal 4 Kilo über den Kopf ...
Dann hieß es Abschied nehmen von Meister Ali und dem all inclusive Leben im Hotel Royal Wings. Zugenommen hatte ich nicht, was ich als sehr positiv wertete. (Zwei Gästinnen schon etwas gereifteren Alters aber noch keine Seniorinnen, kamen jeden Morgen, wenn außer mir noch niemand da war, in den Fitness Raum und stellen sich auf die Waage (die einzige im Hotel?). Anfangs lobten sie sich noch vernehmlich gegenseitig wegen ihrer "Disziplin", aber sie wurden "zunehmend" leiser im Lauf der Zeit und blieben schließlich ganz aus. Ich dachte erst noch, dass sie abgereist wären, traf sie aber noch des öfteren im Restaurant, wo sie ihre Disziplin offensichtlich verloren hatten.)
Ich habe nicht vor eine Biografie von dem Schweizer Werner Kieser zu schreiben, die kann man googeln, wenn man sich dafür interessiert. Nur so viel: Er kam nach einem Sportunfall, beim Boxen, als mehr oder weniger Reha Maßnahme, zum Krafttraining und machte dieses schließlich zu seinem Beruf. Sein Ziel, und er meint, das müsste das Ziel jedes Menschen sein, ist es, die Körperkraft, also die Muskulatur, so weit wie es der individuelle Körper "zulässt" aufzubauen und dann zu erhalten. In einem Interview sagte er, als Antwort auf:
Der deutsche Psychiater Manfred Lütz wirft der Fitnessgemeinde vor, vorbeugend zu leben, um einmal gesund zu sterben.
Das ist nicht abwegig: Sterben muss man so oder so. Es ist aber ein Unterschied ob man vor dem Tod jahrelang dahinsiecht oder ob man fit in die Kiste geht. (Tages Anzeiger, Zürich, 10. 4. 2010)
Kieser entwickelte Geräte, auf bereits vorhandene Patente aufbauend, die geeignet sind jeden Muskel separat, so weit das möglich ist, zu kräftigen, ohne andere Muskeln "zur Hilfe" zu nehmen. Mir leuchtete das ein und verstand daher auch, dass man sich bei manchen Geräten fest anschnallt um nicht "nachgeben" zu können und somit dem zu trainierenden Muskel "entgegen zu kommen".
Kieser Geräte sind schlicht. Sie sind nicht, wie die meisten Apparaturen in herkömmlichen Fitness Studios, multifunktional, sondern sie ermöglichen nur das Trainieren eines ganz bestimmten Muskels, oder einer mit diesem korrespondierenden Muskelgruppe. Lauf- oder andere Bewegungsgeräte gibt es nicht. Im oben schon zitierten Interview sagt er, Marathonlauf betreffend: Marathon zu laufen ist Sport, mehr aber nicht. Zu glauben, dies sei der Gesundheit zuträglich, ist ein fataler Irrtum. Erstens sind wir keine Lauftiere, sondern gehören zu den Homoniden: einer Affenart. Unser Fuß ist ein - etwas verkümmertes - Greiforgan und besteht aus 29 Knochen. Im Unterschied etwa zum Pferd, einem Lauftier, dessen Huf aus drei gut gepolsterten Knochen besteht.
Musik gibt es auch nicht bei Kieser, kein hämmerndes mpfda, mpfda, mpfda, das keine Konzentration zulässt und es gibt auch keinen Raum zum "Chillen" nach dem Training, mit Getränken und Gemütlichkeit. "In einer Kirche gibt es auch keine Saftbar." sagt er.
Interviewer: "Humorlosigkeit zeichnet Menschen an Kraftmaschinen aus."
Kieser: Bitte schön. Ich gehe jedes Jahr ins Humorfestival. Doch Trainieren ist eben nicht besonders lustig, aber notwendig.
Interviewer: "Und hat alle Attribute einer todernsten Gesundheitsreligion."
Kieser: Das könnte man auch von der Zahnsteinentfernung sagen. Die ist auch nicht humorvoll, aber wirkungsvoll in Bezug auf Prävention. Die Zähne pflegen wir. Den Bewegungsapparat aber schikanieren wir ein Leben lang. Dabei können wir Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit sehr wohl bis ins hohe Alter beeinflussen.
Ich glaube dass der Interviewer noch humorloser war, als "Menschen an Kraftmaschinen". Mir ist das Lachen auf jeden Fall noch nicht vergangen, aber ich nehme das Training ernst. Sonst könnte ich es bleiben lassen.




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