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Donnerstag, 30. April 2015

Maultaschen und Kartoffelsalat


Ich musste mir wieder einmal eine neue Sonnenbrille kaufen, inzwischen die vierte! Langsam komme ich mir wie `Heini´ vor, oder wie immer der heißt. Das aber nur nebenbei.
Manche Dinge lassen mich einfach nicht ruhen. Nicht dass ich verbohrt oder eigenwillig wäre, ganz im Gegenteil: ich bin Allem aufgeschlossen! Kann ja gar nicht anders sein bei meinem Sternzeichen, Waage, und Lebenswandel, vage! Nachdem ich neulich die Maultasche(n) mit Kartoffelsalat bei `Kächele´ so quasi `getestet´ und das Resultat veröffentlicht habe, kam mir gestern, als mir der Zufall dieses Schild in den Weg stellte:



die Idee, die `Testreihe´ fortzusetzen. Und wenn schon, warum nicht hier? Die Location (ich liebe das neue Deutsch!) war nicht schlecht: Mitten auf der Königstraße mit dem Hauptbahnhof, meinem zweiten Wohnzimmer, im Blickfeld.






























Auch das Dekor war ansprechend, siehe oben. Die Sache hatte nur einen Haken: Wo sollte ich mich hinsetzen um meinen Tremor zu verbergen? Also fragte ich die nette Serviererin ob es auch Innenräume gäbe.
(Mit dem Wort `servieren´ habe ich in diesem Zusammenhang so meine Hemmungen, seit ich weiß, dass man die Hilfestellung die man Hengsten gibt, die beim Besteigen der Stute Schwierigkeiten haben, so nennt. Man ergreift dabei den ... aber das ist eine andere Geschichte.) 
Zu meinem Erstaunen verneinte sie dies. Ein Restaurant ausschließlich im Freien und ohne Namen? Kurios, oder "Faszinierend" wie Mr. Spock sagen würde. (Später kam mir der Gedanke, dass das Essen aus der Kantine des `Marquart´ kommen könnte. In meinen jungen Jahren verdiente ich mir dort im `Gloria Palast´, dem größten Kino im Marquart, als Kartenkontrolleur ein `Taschengeld´, obwohl ich als Buchdrucker sehr gut verdiente. Es war nur ein `Zeitvertreib´. Auf jeden Fall hatten wir Zugang zur Personalkantine und das Essen war vielfältig und vorzüglich! Ich hätte also nichts dagegen, wenn das `Essen im Freien´ von dort käme!)


Ich wählte die vorderste Reihe, Richtung Bahnhof, in der die zwei direkt angrenzenden Nebentische nicht besetzt waren und hoffte das Beste. Das Personal bestand aus einer Auftragefrau und einem jungen Kassierer, bei dem ich meine Bestellung, Maultaschen mit Kartoffelsalat, aufgab und ihn bat, auch einen Löffel meinem Besteck hinzuzufügen, da ich eventuell sonst Schwierigkeiten beim Verzehr des Kartoffelsalats haben könnte. Genau so, nur nicht so blumig, begründete ich meinen Wunsch nach einem Löffel. Daran muss ich mich wohl gewöhnen.
Das Essen ließ nicht lange auf sich warten, was ich als angenehm empfand. Zwar schien mir die Sonne auf den Rücken und wärmte ihn, aber von links nahte der Abendschatten und der war, was ich später bemerkte, sehr kühl.

Es sah gut aus. Und es waren zwei Maultaschen, was den Preis von 8.50 € rechtfertigte. (Bei Kächele bezahlte ich 5.00 € für eine Maultasche und, ehrlich gesagt, eine kleinere Portion Salat.) Geschmacklich fand ich die Maultaschen ganz gut, sie waren auf jeden Fall nicht ins Pfefferfass gefallen. Trotzdem würde ich hier nur drei Sterne vergeben im Vergleich, weil die Konsistenz der Kächelevariante etwas lockerer, leichter ist. Diese hier sind kompakter, fest im Schnitt und Biss, was durchaus okay ist! Es sind Durchschnitt-Maultaschen. Der Kartoffelsalat war nicht besser und nicht schlechter als der andere, höchstens einen Hauch weniger essiglastig. Aber er war kalt! Es half auch nicht die Zwiebel und die Soße darunter zu mischen, es kühlte nur diese gleichfalls ab.
(Als abgeräumt wurde, fragte ich die nette Frau, ob es möglich wäre, bei der Bestellung anzugeben, dass man den Kartoffelsalat angewärmt haben möchte.
"Wenn es die Zeit erlaubt, sehe ich da kein Problem." meinte sie freundlich. Ich werde das bei Gelegenheit testen, wenn es die Witterung erlaubt.)





























Wie man sieht, habe ich alles gegessen, inklusive die dekorative Tomatenspalte, die Gurkenscheibe und das Salatblatt. Der Schwabe lässt "nix vorkommâ"! Wie man auch sieht, hat das mit dem Löffel nicht geklappt. Zum Glück brauchte ich keinen. Ich machte den Kassierer auf dieses Manko aufmerksam und er bedauerte es sehr. Ich verzieh ihm. Er ist jung und sicher noch sensibel.
Ich gab 1.50 € Trinkgeld und dachte flüchtig, dass ich für zehn Euro bei Kächele auch zwei Maultaschen und eine große Portion Salat bekommen hätte ...
Mal sehen wo sich der nächste `Test´ anbietet?

Dienstag, 21. Januar 2014

Nachgedacht


Krafttraining fördert die Durchblutung, auch des Hirns, denke ich. Denn beim Stemmen der Gewichte, ganz egal nach welcher Methode, kann man entweder die Bewegungen zählen und auf die Uhr schielen und keuchen, oder man lässt die Gedanken schweifen, damit die Anstrengung des Körpers nicht bewusst wahrgenommen wird. Ich habe mich heute für die letztere Methode entschieden und, voila! bin zu dem Schluss gekommen, dass weder Tod noch Gewissen Gottes schlechteste Erfindung sind, sondern die Erinnerung.
Mir ist schon klar, dass sich die Physis an ihre Funktionen erinnern muss, sonst würden wir nicht leben, aber wozu die Psyche bemühen? Damit sich die Seele an vergangene Qualen erinnert, nur damit man einen einmal begangenen Fehler nicht wieder macht? Nicht nur mein eigenes Leben, sondern die gesamte Menschheitsgeschichte beweisen, dass das nicht klappt. Das Leben besteht aus nichts als Wiederholungen, im Kleinen, dem Tagesablauf, wie im Großen, den Jahren die man lebt. Das ist eine Binsenweisheit, ich weiß, aber ich will damit sagen, dass ich das weiß. Okay?
Wozu also Erinnerungen an "das Leben"? Ohne solche gäbe es keine Alzheimer Erkrankung. Ja, gut, Alzheimer ist kompliziert, aber der Körper könnte sich ja außer an automatische Tätigkeiten, wie die notwendigen Bewegungen, auch an so nützliche Dinge erinnern, wie die Schlüsselablage und dass Schuhe nicht in den Kühlschrank gehören. Die praktische Ebene des Lebens müsste abgedeckt sein. Der Rest wäre wohltuendes Schweigen. Und sollte jemand meinen, dass er gerne später einmal wissen würde, wie er sich in dieser oder jener Situation, dem oder jenem Urlaub gefühlt hat, könnte er das ja aufschreiben und nachlesen. Es könnte trotzdem Bücher voller Memoiren geben, die andere zu ihrem eigenen Leben machen könnten. Ohne Stress und ohne seelisches Leid. 
Apropos Bücher. Ich lese zur Zeit, zum ersten Mal, wie ich mit Erstaunen feststelle, "Peter Pan". Was für ein Buch! Wohl eher für Erwachsene als für Kinder geschrieben, denn schon die Kinder-Kalkulation, wieviel werden sie kosten, gleich im ersten Kapitel, wird wohl kaum von einem Kind verstanden, es sei denn, die Eltern rechnen ihm immer wieder vor, wie teuer es ist es zu halten anstatt, sagen wir, einem Papagei. Mich begeistert das Buch, eine noch nicht so alte Ausgabe, mit vielen, für mein Empfinden kitschigen Abbildungen, gedruckt in China, wegen der Anmut der Fantasie des Autors (dessen Charakter mehr und mehr ins Zwielicht gerät, je mehr man sich seiner Biografie nähert). 

Peter Pan kenne ich seit meinen Jugendtage aus dem Zeichentrickfilm von Walt Disney, der 1953 entstanden ist. Wann ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, in der synchronisierten Fassung im deutschen Kino, weiß ich nicht mehr genau. Sicher war ich zu "alt" dafür, schließlich ging ich da schon in die Lehre. Aber in diesem Film erlebte ich meine Kindheit, so wie ich sie mir gewünscht hätte! Wie oft hatte ich mir vorgestellt, dass ich fliegen kann? Oder unsichtbar bin? Na gut, unsichtbar ist Peter Pan nicht unbedingt, aber eben auch nicht für jede/n sichtbar. Oder einen Vater hätte ... Ich will es hier einmal ganz klar und deutlich sagen: ich hatte keine schöne Kindheit! Ende der Durchsage.

Ich nehme an, dass dieses Bild im Frühjahr 1939 entstand, da meine Mutter noch schwarz trägt.  Mein Vater war zwei Monate vor meiner Geburt an Magenkrebs gestorben. Dies für all diejenigen, die mein/en Blog nur ab und zu lesen und deshalb mit dieser Tatsache nicht vertraut sind.

Den Disney-Film sah ich wohl zwanzig Mal, obwohl ein Kinobesuch viel von meinem Taschengeld verschlang. Nachts  träumte ich mich nach Nimmerland und ich glaube dass meine Aufmerksamkeit im ersten Jahr meiner Buchdruckerlehre sehr zu wünschen übrig ließ. Soll ich deshalb ein schlechtes Gewissen haben? Oder weil ich onanierte? Damals hatte ich ein schlechtes Gewissen für beides. Ich ging ins Kino, statt den Englisch-Kurs der Volkshochschule zu besuchen, für den ich eigentlich mein Taschengeld ausgeben sollte, und ich onnanierte, obwohl iich das immer in der Beichte zugeben musste, was mir sehr peinlich war. Ohne die Beichte hätte ich völlig gewissenlos onaniert. Das nur am Rande.
Aber daran erinnere ich mich eben auch. Wozu? Welchen Nutzen zieht meine Seele daraus, oder mein Körper? Ist das Sadomaso zwischen mir und mir? Ich könnte darauf verzichten! Das soll nicht heißen, dass ich mir Alzheimer wünsche, das wünscht sich niemand, aber ich möchte Gott darauf aufmerksam machen, dass er nicht alles wohl bedacht hat, als er mich ins Leben rief. Für andere kann ich nicht reden, die Schöpfung als solche mag ich nicht pauschal kritisieren und mit den Resultaten der Evolution, also der Zeit die zwischen Schöpfung und heute vergangen ist, kann man ja sowieso nicht unbedingt zufrieden sein, wenn man darüber nachdenkt.
Nachdenken während des Trainings kann ganz schön anstrengend sein!
Übrigens habe ich den Disney Peter Pan selbstverständlich auf CD und schaue ihn mir mindestens einmal im Jahr an, eher öfter. Deshalb habe ich allerdings kein schlechtes Gewissen.