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Samstag, 17. Oktober 2015

Meisen-Alarm!


Nachdem ich mit den Amseln im Frühjahr eigentlich recht erfolgreich war, was das Anlocken auf eine Futterstelle und diese auch regelmäßig Frequentieren betrifft, und ich außerdem immer gut zu Vögeln bin, dachte ich mir, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, auch im Winter eine Futterstelle anzubieten.
Also etablierte ich neulich diese:


Ich gebe zu, dass sie an Design, "Interior Decoration" und anderen Anreizen nicht viel zu bieten hat. Aber "Hey! sind wir nicht cool am Ablaufen damit?!" (So stelle ich mir moderne Sprache vor.)
Er bietet eben alles was ein Meisenknödel zu bieten hat, außer einer warmen Unterkunft in kalten Tagen.
Nun bin ich ja niemand der gut gut genug sein lässt, das widerspricht meiner Natur.
Ich bin Waage.
Aber vorläufig war ich mit dem Arrangement zufrieden: Nahrung, optisch schön präsentiert, was will eine Meise mehr? Ich rückte sogar noch meinen Hibiskus etwas näher, um einen Wald zu suggerieren. (Wenn das Wort nicht geläufig ist, man kann es googeln.)






























Es hat nichts gebracht! Alternativ dazu brachte ich einen zweiten Knödel an (ist das eine männliche Sexfantasie?) und zwar mehr oder weniger "hinter Gittern", in der Annahme, dass traumarisierte Meisen eher darauf anspringen. (Ich warte immer noch auf Feed Back von Knastmeisen.)





























Jetzt kommt aber die gute Nachricht! Heute interessierte sich tatsächlich eine Meise für einen meiner Knödel!! Sie saß schon quasi darauf, als ich auf meinem Weg zur Toilette das Küchenfenster passieren musste. Ich war erfreut! Erstarrt!!! ... Aber die Natur muss was sie muss ... Und trotzdem: Die neugierige Meise saß immer noch auf dem Gitter und kontemplierte (auch dieses Wort kann man googeln) meinen Knödel.
`Die darfst Du auf keinen Fall erschrecken.´ dachte ich.
Ich ließ mich also auf Hände und Knie nieder und robbte so unterhalb des Küchenfensters, (und der Einsichtschneise der Meise, dachte ich) vorbei. Als ich mich dann mühsam am Türrahmen wieder in die Senkrechte hochgezogen hatte, (kein Witz!) war die Meise weg.
Aber schön war es doch! Und vielleicht kommt sie ja wieder? Ich bin gespannt!

Donnerstag, 11. Juni 2015

"Talk to the animals ..."


Nein, ich bin nicht Doktor Doolittle und auch kein Pferde- Hunde- Katzen- Raupenflüsterer. 
Ich rede mit Amseln. 
Nicht schon immer, erst seit sie mich nicht mehr auf mein Klo lassen. Nicht dass jetzt die Vermutung aufkommt, dass mich Mordamseln terrorisieren, eher im Gegenteil, sie kommen sich von mir terrorisiert, oder zumindest belästigt vor.
Dabei fing doch alles mit Gutem Willen an! (Der ist meist ein Fehler!) Ich hatte die Idee, den Vögeln nicht nur durch den Winter zu kommen zu helfen, sondern sie in der danach folgenden, sehr anstrengenden Phase zu unterstützen. 
Da ist zuerst einmal die Werbung um eine geeignete Partnerin. Dieses anstrengende Gepiepste, Getrillere, Geschluchze schon vor Sonnenaufgang und dann noch mehrmals am Tag! Scheißtreibend kann ich da nur sagen ... ich kaufe ein w.
Dann kommt das unumgängliche "Häusle bauen". 
(Sind Vögel, also alle, genetisch der Spezies "Schwaben" überzuordnen? Eine interessante Frage, auf deren Beantwortung wir wohl noch warten müssen, bis geklärt ist, warum der allgemeine, menschliche Geschlechtsverkehr im Deutschen mit "vögeln" belegt ist.) 
Auf jeden Fall ist der Nestbau auch nicht immer eine lautere Freude. Keine Bausparkasse, nicht einmal Green Peace greift der ornithologischen Bevölkerung unter die Flügel! 
(Da gibt es doch ein Theaterstück von so einem alten Griechen, Eripedes oder so ähnlich, könnte auch Soffonkles sein ... egal, das Stück heißt "Die Vögel" und man kann daraus irgendetwas lernen, wenn man sich nicht den Arsch wundsitzt und das Theater vor dem Schlussvorhang verlässt. In Stuttgart gab es vor Jahren eine Inszenierung davon, von Heyme, wenn ich mich recht erinnere. Also der Mann hatte es schwer nach Peymann. ... Auf jeden Fall wurden da auf der Bühne Hähnchen gebraten ... warum brät man keine Hühnchen? Die müssten doch zarteres Brustfleisch haben als diese faserigen, trockenen Teile der Hähne!? ... Ich glaube, ich schweife wieder einmal ab. Manchmal fühle ich mich wie Michael Ende, Gott hab ihn selig, beim Verfassen der "Unendlichen Geschichte".)
Der Nestbau ist beendet, der Geschlechtsakt, schon vorher!, vollzogen und die Frau legt Eier. Eins pro Tag. Ich hatte vor ein paar Jahren Gelegenheit das augennah zu erleben. 

Da könnte die Natur von der Industrie noch etwas lernen. Fließbandarbeit! 
Ein Amsler befruchtet vier Amselinnen, sie bauen gemeinsam ein Nest, jede legt ein Ei, er ruht von der Arbeit aus, und: Voila! Vier Amselgenerationen auf einen Schlag! 
Und selbst angenommen es käme zum Worst Case (zu Deutsch: Wurscht Käs) und die Katze holt die Babies, da bleibt genügend Zeit, um sich wieder an die Arbeit zu machen! 
Alas, das ist Utopia. 
Die Realität sieht so aus, dass ich diese Futterstation eingerichtet habe und die Amseln sie tatsächlich nutzen. (Siehe das entsprechende Kapitel) Auch Meisen und eventuell ein(?) Rotschwänzchen. Dazu kommt, seit Neuestem, eine Taube. Die ich, entschuldigt das harte Wort (ich fand kein härteres!) Verabscheue! Ein Vorurteil vielleicht? Ratten der Luft! Venedigs beschissene Fassaden? Sei's drum, sie ist da. Aber nur wenn ich sie nicht erwische! 
... Das passiert selten ... 
Irgendwie habe ich den Faden verloren? Worum geht es hier? 
Ich kuck mal oben ... Ach ja "I talk to the animals"! Ich rede mit den Tieren.
Quasi notgedrungen tu ich das, wenn ich, was öfters der Fall ist (siehe das entsprechende Kapitel) aufs Klo muss, vorbei am Fenster mit der Futterstelle und an anklagenden, mich als Mensch in Frage stellenden Blicken von Amseln, die dort gerade versuchen genügend Futter in den Schnabel zu stapeln, um ihre Brut durch schwere Zeiten zu bringen.

"Entschuldigung." flüstere ich.
"Tut mir leid!" entschuldige ich mich.
"Ich bin gleich wieder weg." sage ich.
Scheiß drauf, denkt sie und tut es.
Dementsprechend sieht mein "Balkon" aus. Hoffentlich regnet es bald wieder ausgiebig!
Vorläufig wechsle ich noch drei Mal am Tag die Hosen, wenn es mir wieder nicht gelungen ist den "Checkpoint Charlie" unbefeuchtet zu passieren.
Ja. 
Und jetzt?  
Ich erkundige mich mal nach Windeln für Männer. Ewig halten kann ich das nicht und wenn die Amsel noch so treuherzig kuckt!
Ganz zu Schweigen von der Scheiße!
Leute, lasst euch nicht auf die Natur ein: Sie ist unbarmherzig!


Mittwoch, 6. Mai 2015

Es ist ganz leicht, gut zu Vögeln zu sein!

Ich, zum Beispiel, habe eine Futterstelle auf meinem kleinen "Katzenbalkon" eingerichtet, die mit Haferflocken und Äpfeln bestückt ist. Amseln mögen Äpfel, und Haferflocken, gemischt mit Sonnenblumenkernen, locken sogar ein Rotschwänzchen und die eine oder andere Kohlmeise an. 
Es heißt natürlich nicht, dass ich eine Katze habe, das wäre ja pervers, aber der kleine Vorbau vor dem Küchenfenster wurde ursprünglich für Katzen angebracht, die mein Freund P. hatte. Inzwischen ist er in die Jahre gekommen und hängt ein bisschen windschief an der Wand, aber das stört meine Amseln nicht. Und es sind hauptsächlich zwei Amsel Paare, die sich einfinden.





























Frau Amsel darf immer als erste fressen, während der Amselerich Wache schiebt. Manchmal pickt er aber auch schon an einem Apfelschnitz, während sie sich Haferflocken schmecken lässt.




























Warum ich die Vögel jetzt noch, oder erst jetzt füttere? Ganz einfach, weil ich mich wunderte, dass sich nie ein Vogel vor meinem Küchenfenster zeigte. Nicht einmal um sich kurz auf dem Gitter auszuruhen, das früher die Katzen davon abhielt, sich in den Hof zu stürzen. Und dann war da noch der Gesang, mit dem mich die Amseln morgens um 4 Uhr schon weckten und nervten. Also entschied ich mich, sie mit Futter anzulocken, damit ich sie wenigstens auch manchmal zu Gesicht bekomme. Das ist mir gelungen. Inzwischen sind es, wie erwähnt, zwei Paare, die sich bei mir stärken und  ihren, anscheinend schon vorhandenen, Nachwuchs mit Kraftfutter (Haferflocken) mästen.


Dass es zwei verschiedene Paare sind, merkte ich erst, als ich den Zoff mitbekam, den sich die beiden Vogelmännchen lieferten. Und auch die Damen waren, und sind, sich nicht zu schade, um kräftig aneinander hoch zu gehen! Da rappelt dann das Balkonkonstruckt und mein Hibiskus duckt sich. Ich habe versucht das zu fotografieren, aber seltsamerweise sind die Vögel extrem scheu, was ich von Amseln gar nicht gewohnt bin, die auf den Gehwegen ja manchmal wie Stolpersteine agieren. (Ob Stolpersteine agieren mag dahingestellt sein.) Hier in der Nachbarschaft wohne nur freundliche Türken, Kroaten und andere Restjugoslawen und das sind doch keine Singvögelesser, oder?



Dies ist ein "Action" Foto. Die zwei Amsler zanken sich, während sich eine Amselin, die andere floh, kaum dass der Kampf anhob, ans Gitter drückt und bewundernd zusieht.   
Im unteren Bild ist dann der Sieger verschwommen zu sehen, von seiner Gemahlin bewundert. Die Bildqualität lässt zu wünschen übrig, aber das Drama kann man doch nachvollziehen.


































Jetzt frage ich mich, warum ich mir das antue. Inzwischen ist es nämlich so, dass ich es nicht mehr   wage, mich in der Küche zu bewegen, während die Vögel sich vollfuttern. Wenn sie eine Bewegung wahrnehmen, sind sie sofort weg. Und das möchte ich nicht. Schließlich möchte ich keine frustrierte Amseln in meiner Nachbarschaft. 
Dann röchelt meine Kaffeemaschine vor sich hin, während ich, zur Salzsäule erstarrt, daneben stehe. Oder ich überlege, ob ich schnell auf die öffentliche Toilette gehe, die zwar sieben Minuten entfernt ist, weil der Weg zu meinem Klo durch die Küche führt! 
Irgendwann hören die Vögel ja auf zu singen. Ich glaube, das ist am Ende der Arterhaltungszeit. Bis dahin muss ich jetzt halt durchhalten!