Sonntag, 19. Januar 2014

Romeo und Julia oder Licht und Schatten


"O Gott, ich hab ein Unglück ahnend Herz." Das ist mein absolutes Lieblingszitat aus Shakespeares Liebestragödie in fünf, langen, Akten. Nicht weil ich ein dramatisches Gemüt mein eigen nenne, sondern weil es bei mir einfach zutrifft.





























Mein Herz wird schwer und drückt mir den Brustkorb gleichzeitig zusammen und auseinander. Nicht rhythmisch mit dem Herzschlag sondern simultan und ohne Unterbrechung. Gleichzeitig nimmt dieser Druck mir den Atem und sitzt wie ein Flaschenpfropf, der vom Schlundanfang bis zum Mageneingang reicht, in meiner Kehle. Ein sehr unangenehmes Gefühl. Jetzt wird manche/r sagen: "Da würde ich aber schleunigst damit zum Arzt gehen! Am besten gleich in die Mayo Klinik." 
(Eigentlich "Clinic". Am besten mal in Wikipedia googeln. Ist interessant. Da sollten sich die deutschen Krankenhäuser ein Beispiel nehmen!)
Aber so einfach ist das nicht mit meinem Unglück ahnend Herz. Die Symptome habe ich nur, wenn sich in meinem persönlichen, also eigentlich meinem seelischen, Umfeld etwas in Richtung Ungemach verändert. Sicher wird es sich dann auch auf die physischen Gegebenheiten auswirken. Ich könnte jetzt hier eine laaange Geschichte aus dem Jahr 2012 erzählen, aber dazu fehlt mir heute die Geduld und außerdem ist dieser Druck wieder da, brauche also nicht noch unangenehme Erinnerungen aufwärmen, und ich warte jetzt gespannt darauf, welche Katastrophe sich auf mich zuwälzt. 
Einerseits bin ich dadurch vorgewarnt und könnte also einfach das Unglück (früher dachte ich es heiße "Unheil", was ich noch viel dramatischer fand) abwarten, um dann sagen zu können: "Aha! Das ist es also gewesen." Aber das ist es ja gerade, dann ist das Gefühl vorbei und das Unglück/Unheil da! Was habe ich also von meiner Ahnung? Nichts! Nur unbequeme Stunden, oder sogar Tage, und jetzt die Bescherung. Bei Romeo und Julia, sie ist übrigens die Unglückahnende, läuft das Ganze ja auf mehrere unfreiwillige Todesfälle hinaus, was bei mir bisher nicht der Fall war. Übrigens habe ich nicht  ein "O Gott", sondern nur eben ein ganz ziviles Unglück ahnend Herz. Wobei ich nicht daran zweifle, dass diese Ahnung von Ihm kommt. Ich hatte ein Erlebnis, das es mir unmöglich macht, nicht an Gott und sein gezieltes Wirken in meinem Leben zu glauben. Aber das ist eine andere Geschichte.
Hat die Ahnung etwas mit meinem geplanten, lang ersehnten und inzwischen in die sehr konkrete Phase getretenen Istanbulbesuch zu tun? Ich will es nicht hoffen. Schließlich Sind die Flüge und das Hotel gebucht! 6. Mai bis 28. Mai Drei Wochen Istanbul pur.
Apropos Hotel buchen! Das ist gar nicht so einfach. Nicht die Buchung, die macht sich fast von alleine, sondern das Finden. Und nicht ein Hotel finden, sondern das Hotel. Das richtige Hotel. Es kommt ja nicht nur auf Kategorie und Lage an, sondern auf die Finanzierbarkeit. Schließlich reduziert sich die Suche sogar nur noch auf das letztere Kriterium. Wenn dann die Lage und die Ausstattung des Zimmers (eins hatte nur 7 Quadratmeter!) noch einigermaßen in dem Rahmen liegen, den man erträglich findet, muss man zugreifen. Oder aufgeben. Das ist die Schattenseite der Vorfreude! (Ich wusste doch, dass ich die Kurve zu meinem "oder" im Titel noch kratzen würde!)
Es gibt, laut einer aktuellen Studie, 2885 vom Ministerium für Tourismus und Kultur zugelassene Hotels und Pensionen in der Türkei. Das  glaube ich nicht! Prontohotel, ein Internet Hotelportal bietet 1674 Hotels in Istanbul an! Da bliebe ein Rest von nur 1211 Hotels/Pensionen für die restliche Türkei?!
Trivago hat 205 in Ankara geortet, Expedia bietet 306 in Antalya an, booking.com hat 500 für Alanya gelistet … Das sind 1011, fehlen nur noch 200 … Egal, ich habe in Internet/Istanbul stundenlang, tagelang gesucht, war in zwei Reisebüros und wurde in letzter Minute fündig, nämlich als ich an dem Punkt angekommen war wo ich mir sagte: Forget Istanbul, ich mache Urlaub in Waldenbuch! Zum Glück bin ich dazu nicht gezwungen!! Den Flug zu buchen war dann eine Sache von wenigen Minuten. Da ich im europäischen Teil der Stadt mein Quartier habe, wegen der Vielzahl der Sehenswürdigkeiten, kam für mich nur Turkish Airlines in Frage, die einzige Fluglinie, die den Ataturk Airport von Stuttgart aus direkt anfliegt. Somit fällt wieder volles Licht auf die Vorfreude.
Licht braucht man ja um die Dinge überhaupt sehen zu können, Schatten vertieft sie, gibt Kontur, macht das sichtbar was sonst verborgen bliebe. Diesen Gedanken, er kam mir heute Morgen im Halbschlaf, musste ich irgendwie noch unterbringen.
Damit kann ich dieses Kapitel beruhigt schließen.
Bleibt nur noch mein Unglück ahnend Herz …

























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