Abschied nehmen fällt immer schwer, aber manche Abschiede tun weh. Venedig zu verlassen ist für mich immer mit Wehmut verbunden. Weh, wegen des Abschieds und Mut, weil es ja ein Wiedersehen geben kann, wenn ich will. Venedig wird auf mich warten … Wird sie das? Wenn man die Bilder vom knietief unter Wasser liegenden Markusplatz in diesen Tagen sieht und weiß, dass diese Maxi-Hochwasser immer öfter auftreten, dann können mir schon Zweifel an einem Wiedersehen kommen. Ob die Flut-Schleusen, die Gott-weiß-wann fertig gestellt werden und dann auch, vielleicht, funktionieren, die Stadt noch retten können, ist mehr als fraglich, weil die Zeit und die Natur dagegen arbeiten. Ich verstehe auch nicht wie man denken kann, dass man etwas sehr zerbrechliches, wie eine Stadt die buchstäblich auf Wasser gebaut ist, jahrzehntelang der schlechtesten Behandlung aussetzen kann und meinen, man könnte es mit einfachsten Mitteln retten. Die Fundamente werden unterspült, das Holz, auf dem sie stehen wird frei gelegt und fault. … Das ist ein unumkehrbarer Prozess. …
Wer "rettet" also Venedig? Viele wünschen es sich, dass sie gerettet wird, viele bezweifeln, dass sie gerettet werden kann. Ich auch. Die Natur könnte sie retten, aber die hat kein Interesse daran, sie wird das übernehmen, was von der Stadt übrig bleibt. Sie hat ja die Zeit und die Geduld. Sie hat ganze Pyramiden mit Dschungel überwuchert und "unsichtbar" gemacht, da wird es ihr auch ein Leichtes sein die Paläste Venedigs verschwinden zu lassen. Letztendlich wird sich nur noch der Himmel an die Serenissima erinnern, der schon heute über ihr liegt wie ein Spiegel des Vergänglichen. …
Schwebt da ein Engel? Man könnte es meinen. Das wäre allerdings ein Wunder … Aber nur ein Wunder kann Venedig noch helfen. Ich würde es ihr wünschen. …
Sieben Tage sind zu wenig um diese Stadt zu sehen. Sieben Wochen wären zu wenig um sie zu erleben. Auch nach sieben Jahren würde ich sie nicht ganz begreifen, ihren Zauber, ihr Geheimnis. Nicht einmal sieben Leben wären genügend um sagen zu können, jetzt ist es genug. Dass eine Stadt diese Macht über eine Seele gewinnen kann ist erstaunlich; aber die Seele, der das widerfährt, besitzt einen der größten Schätze die ein Mensch besitzen kann. Er hat das Wesen der Schönheit erkannt in all seiner Vielschichtigkeit. Das stellt keinen Wert dar. Aber es macht glücklich. Danke Venedig.
Ich werde als Nachtrag einige Passagen aus meinen Notizbüchern posten. Eigentlich wollte ich sie ja immer wieder als Zitate der Vergangenheit einbauen, aber ich kam gar nicht dazu sie zu lesen, so sehr war ich in die Stadt vertieft. Nicht einmal im Café Bellavista, wo ich stundenlang saß und nur den Touristenstrom beobachtete, der sich in ständigem Fluss in beide Richtungen bewegte, bis schließlich die Nacht kam. …
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