" ... Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch, ..."
Name ist Schall und Rauch, ..."
Goethe, Faust. Na ja wer und wo auch sonst? Wenn man im Deutschen zitiert, ist meistens Goethe der zitierte und der "Faust" die Quelle. Zwar gibt es viel mehr Schiller-Zitate, und bei ihm stammen sie aus den unterschiedlichsten Werken, aber wenn man den Mann auf der Straße fragen würde, oder die Frau, von wem dieses Zitat stammt: "Dem Manne kann geholfen werden." und aus welchem Theaterstück, würde sie/er todsicher antworten: (außer: "Keine Ahnung."), "Das ist von Goethe, aus dem Faust." Das wäre natürlich falsch, es ist von Schiller, aus "Die Räuber", aber wen interessiert das schon?
Und es geht jetzt ja um Namen und nicht um Zitate.
"Ali" ist ein aus dem arabischen stammender Name, der: "der Hohe", "der Erhabene" bedeutet. Er ist in der gesamten islamischen Welt sehr beliebt und kommt sicher so oft vor wie "Mohamed". Ich kann mir vorstellen, dass er auch wegen seiner Kürze ein Renner geworden ist. Er ist leicht zu schreiben und zu merken. Das war in Familien mit zehn und mehr Kindern, die meisten Söhne, sehr wichtig. Ich denke da an den "Barbier von Bagdad", die Oper in der der Titelgeber, er heißt Abul Hassan Ali Ebn Bekar, das Schicksal seiner sechs Brüder und sein eigenes bedauert. Aber das ist nebensächlich. Ali ist und bleibt ein beliebter Name, auch bei den Türken.
Abgesehen davon, dass ich auch hier, in Stuttgart, einige Alis kenne, geht es mir aber um drei ganz besondere in Antalya ... Na ja, eigentlich nur um zwei ... Aber ich fange am besten im November des Vorjahres an. Da war ich, wie erwähnt, für drei Wochen im Hotel Royal Wings. Dort arbeitete im "Italienischen" Restaurant (im "Gondelstil" dekoriert, als wäre Venedig ganz Italien) der Kellner Ali Özcan, der sich als sehr kompetent und einfühlsam erwies ... Ich sehe schon, ich muss noch weiter ausholen, damit hier keine Missverständnisse aufkommen.
Ich "leide" unter einem "Essentiellen Tremor". In anderen Worten: ich zittere. Manchmal, speziell wenn man mir bei einer Tätigkeit zusieht und ich das weiß, so stark, dass ich das, was ich gerade tue, beenden muss. In diesem Fall sprechen wir vom Essen und Trinken. Es ist mir dann unmöglich eine Gabel zum Mund zu führen, ohne dass der darauf liegende Bissen heruntergeschüttelt wird, meist über den Tellerrand hinaus. Suppe zu essen ist völlig unmöglich, es sei denn, ich schlürfe sie durch einen Strohhalm oder aus einer Schnabeltasse. Mit Getränken ist das nicht anders. Eine "normal" gefüllte Tasse, ein Glas, erreicht meinen Mund nicht ohne dass große Mengen des Getränks auf meinem Hemd, meiner Hose und dem Tischtuch landen. In beiden Fällen, Essen und Trinken, ist mir das, gelinde gesagt, höchst peinlich!
Dazu muss jetzt gesagt werden, dass ich, bis vor ungefähr drei Jahren, keine Ahnung hatte, dass mein Zittern "krankhaft" sein könnte und einen eigenen Namen hat. Schon als Kind zitterte ich wenn ein Lehrer, oder später, als Lehrling, wenn ein Ausbilder hinter mir stand. Das war zwar lästig, ließ sich aber nicht ändern. Ich konnte mit meinen Händen die feinsten, diffizilsten Arbeiten erledigen, wenn mich niemand dabei beobachtete. Sowie aber jemand in meine Nähe kam, war es aus mit der Ruhe, was oft im Berufsleben dazu führte, dass die Kollegen kopfschüttelnd sagten: "Ich versteh gar nicht, wie Du mit dem Zitterer überhaupt in diesem Beruf arbeiten kannst." Damals war ich Offset-Druckformhersteller, eine Arbeit die höchste Präzision erforderte. Das wird jetzt alles von Computern erledigt, schnell und haargenau ...
Mein Zittern hörte aber mit dem Eintritt in die Rente nicht auf, es nahm stetig zu. Ich versuchte es zu überspielen, ging nicht in Restaurants oder Cafés, ganz einfach um den Peinlichkeiten auszuweichen, und achtete im Freundeskreis darauf, dass man mir keine Suppe servierte und meine Trinkgefäße nicht ganz so voll geschenkt wurden, wie die der anderen. Dass ich mir dabei immer noch wie ein Behinderter ohne richtige Behinderung vorkam ist nur mir verständlich. Man versichert mir immer aufs freundlichste, dass man dafür doch Verständnis habe und ich mich deshalb nicht selber ausgrenzen müsse. Aber ich sehe die verstohlen beobachtenden Blicke, die mich beim Essen wie Leuchtturmfeuer streifen, ganz genau. Das ist ja auch verständlich, so ist der Mensch nun mal ...
Bei einem Besuch beim Hausarzt sagte dieser eines Tages aus heiterem Himmel: "Ich mache mir Sorgen wegen Ihres Tremors."
Ich fiel aus allen Wolken. War das wirklich so auffallend? Mir war wohl bewusst, dass inzwischen auch meine Beine zitterten, manchmal auch der Kopf, aber dass andere das sehen konnten?! ...
"Wir müssen das untersuchen, um Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und andere Demenz-erkrankungen ausschließen zu können." sagte der Arzt.
Das Resultat war dann die Diagnose "Essentieller Tremor", keine Krankheit, sondern eine "Nervensache", mit der viele Menschen leben müssen. Es gibt keine Medikamente, mit denen man gezielt die Ursache heilen kann. Man kann das gar nicht "heilen", man kann nur versuchen mit Medikamenten die das Nervensystem beeinflussen, Betablocker z. B., das Zittern zu reduzieren. Mir waren die Nebenwirkungen dieser Medikamente wesentlich unangenehmer, als mein Tremor. Als letzter Ausweg wäre noch die Implantation eines Schrittmachers im Hirn möglich ... Ich verzichtete.
Nachdem das Kind jetzt aber einen Namen hatte, konnte ich mich mit ihm, wenn schon nicht anfreunden, so es doch distanzierter betrachten und darüber reden. Vorher vermied ich jede Bemerkung darüber und war peinlich berührt, wenn andere es erwähnten.
Okay, ich zittere, was können wir tun?
Der Neurologe hatte mir vorgeschlagen, in den Lokalen, die ich eventuell besuchen würde, zu sagen, dass man meine Gläser und Tassen nicht zu voll machen solle. Das habe ich zwar nie getan, ich vermied die Öffentlichkeit und damit war das Problem vom Tisch, im wahrsten Wortsinn.
Und jetzt war ich also im Hotel Royal Wings und würde, wohl oder übel, in der "Öffentlichkeit" essen müssen. Oder verhungern. Als ich im Mai mit meinem Freund hier war, hatte dieser darauf geachtet, dass nichts überschwappen konnte, notfalls trank er selber einen Schluck ab bevor er das Getränk an mich weiterreichte. Diese Variante fiel jetzt weg.
Ich nahm meine Courage zusammen und legte der Dame vom Hotelservice mein Problem dar. Sie war absolut souverän! Kein Erstaunen, kein irritierter Blick, sondern einfach Verständnis und das Bestreben eine Lösung zu finden. Diese bestand darin, dass ich, meinem Wunsch entsprechend, einen Tisch "am Rand" bekam, nicht mitten im Trubel, und dass die Kellner informiert wurden, dass meine Gläser nicht "Standard" gefüllt würden. Das wusste auch der Kellner, der mich am zweiten Abend bediente und ich fragte ihn, ob er immer in diesem Revier arbeite. Er war aber nur aushilfsweise vom besagten "Italienischen" Restaurant eingesetzt worden, also beschloss ich, am nächsten Abend dort zu essen ...
Aber er hatte an dem Abend frei. Dafür servierte mir ein anderer Kellner die verschiedenen Gänge des Italienischen Menüs, und das war eben dieser sehr kompetente und einfühlsame Mann, den ich oben erwähnte. Er hieß Ali Özcan, heißt immer noch so. Das war im November. Ich entschied, dass er der absolut beste Kellner der Welt ist!
Zwei Tage später, immer noch im November 2012, setzte ich mich zum zweiten Frühstück oben ins Bistro und wurde, sehr zuvorkommend, kompetent und einfühlsam von einem Kellner versorgt, der, als ich ihn nach seinem Namen fragte, sagte, dass er Ali heiße. Na ja, dachte ich, das ist nun mal ein häufig vorkommender Name in dieser Gegend. Es wunderte mich dann nicht, als ich den zweiten Ali nach dem Namen des Personal Trainers aus dem Fitness Center fragte, der mir wegen seiner durchtrainierten Figur und seinem Profil, das an einen ägyptischen Pharao oder einen persischen Großkönig erinnert, gleich beim ersten Besuch im Mai aufgefallen war, dass dieser auch Ali heiße. Drei mal Ali also.
Jetzt komme ich wieder zurück zum Februar 2013. Der erste Ali, der beste Kellner der Welt, arbeitete nicht mehr im Restaurant- sondern im Barbereich. Der zweite Ali war nicht mehr im Bistro beim zweiten Frühstück beschäftigt, sondern im Hauptrestaurant. Ich setzte mich immer an einen Tisch in seinem Revier. Es blieb nicht aus, dass ich dem ersten Ali vom zweiten Ali berichtete und wie begeistert ich von seiner Art sei, mich regelrecht zu verwöhnen!
"Welche Ali?" fragte der original Ali.
"Der im Restaurant. Klein, stabile Figur. Sieht aus wie ein Italiener." beschrieb ich Ali den zweiten.
"Im Restaurant kein Ali. Ich bin einigste Kellner Ali." sagte das Original.
Na ja, dachte ich, der kann ja auch nicht jeden Kellner kennen, der hier arbeitet.
"Na ja, Du kennst sicher auch nicht jeden Kellner der hier arbeitet." sagte ich.
"Doch." beharrte er. "Keine andere Kellner Ali. Ich bin einigste."
Ich beschrieb den anderen noch einmal: "Er hat ein bisschen einen dicken Kopf." Quadratschädel wäre genauer gewesen, aber ich dachte nicht, dass dieser Ausdruck im Wortschatz meines OriginalAli vorkommen würde.
"Dieser Mann Name Turgay." sagte Ali mit Bestimmtheit. "Wir sind Freunde. Er ist mein Nachbar."
Oje, dachte ich, was habe ich da angerichtet? Und wechselte das Thema.
Am nächsten Morgen eilte Ali der zweite lachend auf mich zu und zeigte mir sein Namensschild, das er an seine Weste gepinnt trug und das ich nie beachtet hatte, auch bei keinem der anderen Kellner. (Ich habe kein Talent fürs Lesen von Schildchen, ich muss Namen hören ... trotzdem vergesse ich die meisten wieder.)
"Mein Name nicht Ali. Ich heiße Turgay." Er konnte kaum aufhören zu lachen. "Ali hat mich gefragt, warum sagst Du Dein Name Ali?"
Also gut. Ich komme zum Ende dieses etwas überlangen Kapitels.
Ein paar Tage später sprach ich den Fitness Trainer an, weil ich versuchen wollte, mit Muskelzuwachs dem Tremor eventuell beizukommen, ihn wenigstens zu reduzieren. Der Neurologe meinte, es wäre einen Versuch wert, könnte aber auch das Gegenteil bewirken ... Hier war, ich las sein Namensschild vorsichtshalber, vielleicht hatte Turgay ja nur scherzhaft gesagt, dass dieser Mann Ali heiße, Ali Drei. Denn für mich blieb Turgay Ali, ich nannte ihn auch weiterhin so, obwohl unbewusst.
So kam es, dass ich die nächsten sechs Wochen, eine Woche war schon vorbei, in meinem Namen-gedächtnis drei Ali speicherte.
"AliAli". Mein original Ali.
"TurgayAli". Der Witzbold.
"MeisterAli". Weil er es übernahm meinen Körper das Krafttraining zu lehren. Er hat es geschafft!
Wie sagt der Dichter: "... Name ist Schall und Rauch ..."
Nicht immer, Herr Goethe
Abgesehen davon, dass ich auch hier, in Stuttgart, einige Alis kenne, geht es mir aber um drei ganz besondere in Antalya ... Na ja, eigentlich nur um zwei ... Aber ich fange am besten im November des Vorjahres an. Da war ich, wie erwähnt, für drei Wochen im Hotel Royal Wings. Dort arbeitete im "Italienischen" Restaurant (im "Gondelstil" dekoriert, als wäre Venedig ganz Italien) der Kellner Ali Özcan, der sich als sehr kompetent und einfühlsam erwies ... Ich sehe schon, ich muss noch weiter ausholen, damit hier keine Missverständnisse aufkommen.
| Ali Özcan "AliAli", der beste Kellner der Welt und ein guter Freund |
Dazu muss jetzt gesagt werden, dass ich, bis vor ungefähr drei Jahren, keine Ahnung hatte, dass mein Zittern "krankhaft" sein könnte und einen eigenen Namen hat. Schon als Kind zitterte ich wenn ein Lehrer, oder später, als Lehrling, wenn ein Ausbilder hinter mir stand. Das war zwar lästig, ließ sich aber nicht ändern. Ich konnte mit meinen Händen die feinsten, diffizilsten Arbeiten erledigen, wenn mich niemand dabei beobachtete. Sowie aber jemand in meine Nähe kam, war es aus mit der Ruhe, was oft im Berufsleben dazu führte, dass die Kollegen kopfschüttelnd sagten: "Ich versteh gar nicht, wie Du mit dem Zitterer überhaupt in diesem Beruf arbeiten kannst." Damals war ich Offset-Druckformhersteller, eine Arbeit die höchste Präzision erforderte. Das wird jetzt alles von Computern erledigt, schnell und haargenau ...
Mein Zittern hörte aber mit dem Eintritt in die Rente nicht auf, es nahm stetig zu. Ich versuchte es zu überspielen, ging nicht in Restaurants oder Cafés, ganz einfach um den Peinlichkeiten auszuweichen, und achtete im Freundeskreis darauf, dass man mir keine Suppe servierte und meine Trinkgefäße nicht ganz so voll geschenkt wurden, wie die der anderen. Dass ich mir dabei immer noch wie ein Behinderter ohne richtige Behinderung vorkam ist nur mir verständlich. Man versichert mir immer aufs freundlichste, dass man dafür doch Verständnis habe und ich mich deshalb nicht selber ausgrenzen müsse. Aber ich sehe die verstohlen beobachtenden Blicke, die mich beim Essen wie Leuchtturmfeuer streifen, ganz genau. Das ist ja auch verständlich, so ist der Mensch nun mal ...
Bei einem Besuch beim Hausarzt sagte dieser eines Tages aus heiterem Himmel: "Ich mache mir Sorgen wegen Ihres Tremors."
Ich fiel aus allen Wolken. War das wirklich so auffallend? Mir war wohl bewusst, dass inzwischen auch meine Beine zitterten, manchmal auch der Kopf, aber dass andere das sehen konnten?! ...
"Wir müssen das untersuchen, um Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und andere Demenz-erkrankungen ausschließen zu können." sagte der Arzt.
Das Resultat war dann die Diagnose "Essentieller Tremor", keine Krankheit, sondern eine "Nervensache", mit der viele Menschen leben müssen. Es gibt keine Medikamente, mit denen man gezielt die Ursache heilen kann. Man kann das gar nicht "heilen", man kann nur versuchen mit Medikamenten die das Nervensystem beeinflussen, Betablocker z. B., das Zittern zu reduzieren. Mir waren die Nebenwirkungen dieser Medikamente wesentlich unangenehmer, als mein Tremor. Als letzter Ausweg wäre noch die Implantation eines Schrittmachers im Hirn möglich ... Ich verzichtete.
Nachdem das Kind jetzt aber einen Namen hatte, konnte ich mich mit ihm, wenn schon nicht anfreunden, so es doch distanzierter betrachten und darüber reden. Vorher vermied ich jede Bemerkung darüber und war peinlich berührt, wenn andere es erwähnten.
Okay, ich zittere, was können wir tun?
Der Neurologe hatte mir vorgeschlagen, in den Lokalen, die ich eventuell besuchen würde, zu sagen, dass man meine Gläser und Tassen nicht zu voll machen solle. Das habe ich zwar nie getan, ich vermied die Öffentlichkeit und damit war das Problem vom Tisch, im wahrsten Wortsinn.
Und jetzt war ich also im Hotel Royal Wings und würde, wohl oder übel, in der "Öffentlichkeit" essen müssen. Oder verhungern. Als ich im Mai mit meinem Freund hier war, hatte dieser darauf geachtet, dass nichts überschwappen konnte, notfalls trank er selber einen Schluck ab bevor er das Getränk an mich weiterreichte. Diese Variante fiel jetzt weg.
Ich nahm meine Courage zusammen und legte der Dame vom Hotelservice mein Problem dar. Sie war absolut souverän! Kein Erstaunen, kein irritierter Blick, sondern einfach Verständnis und das Bestreben eine Lösung zu finden. Diese bestand darin, dass ich, meinem Wunsch entsprechend, einen Tisch "am Rand" bekam, nicht mitten im Trubel, und dass die Kellner informiert wurden, dass meine Gläser nicht "Standard" gefüllt würden. Das wusste auch der Kellner, der mich am zweiten Abend bediente und ich fragte ihn, ob er immer in diesem Revier arbeite. Er war aber nur aushilfsweise vom besagten "Italienischen" Restaurant eingesetzt worden, also beschloss ich, am nächsten Abend dort zu essen ...
Aber er hatte an dem Abend frei. Dafür servierte mir ein anderer Kellner die verschiedenen Gänge des Italienischen Menüs, und das war eben dieser sehr kompetente und einfühlsame Mann, den ich oben erwähnte. Er hieß Ali Özcan, heißt immer noch so. Das war im November. Ich entschied, dass er der absolut beste Kellner der Welt ist!
Turgay "Ali"
Zwei Tage später, immer noch im November 2012, setzte ich mich zum zweiten Frühstück oben ins Bistro und wurde, sehr zuvorkommend, kompetent und einfühlsam von einem Kellner versorgt, der, als ich ihn nach seinem Namen fragte, sagte, dass er Ali heiße. Na ja, dachte ich, das ist nun mal ein häufig vorkommender Name in dieser Gegend. Es wunderte mich dann nicht, als ich den zweiten Ali nach dem Namen des Personal Trainers aus dem Fitness Center fragte, der mir wegen seiner durchtrainierten Figur und seinem Profil, das an einen ägyptischen Pharao oder einen persischen Großkönig erinnert, gleich beim ersten Besuch im Mai aufgefallen war, dass dieser auch Ali heiße. Drei mal Ali also.
Jetzt komme ich wieder zurück zum Februar 2013. Der erste Ali, der beste Kellner der Welt, arbeitete nicht mehr im Restaurant- sondern im Barbereich. Der zweite Ali war nicht mehr im Bistro beim zweiten Frühstück beschäftigt, sondern im Hauptrestaurant. Ich setzte mich immer an einen Tisch in seinem Revier. Es blieb nicht aus, dass ich dem ersten Ali vom zweiten Ali berichtete und wie begeistert ich von seiner Art sei, mich regelrecht zu verwöhnen!
"Welche Ali?" fragte der original Ali.
"Der im Restaurant. Klein, stabile Figur. Sieht aus wie ein Italiener." beschrieb ich Ali den zweiten.
"Im Restaurant kein Ali. Ich bin einigste Kellner Ali." sagte das Original.
Na ja, dachte ich, der kann ja auch nicht jeden Kellner kennen, der hier arbeitet.
"Na ja, Du kennst sicher auch nicht jeden Kellner der hier arbeitet." sagte ich.
"Doch." beharrte er. "Keine andere Kellner Ali. Ich bin einigste."
Ich beschrieb den anderen noch einmal: "Er hat ein bisschen einen dicken Kopf." Quadratschädel wäre genauer gewesen, aber ich dachte nicht, dass dieser Ausdruck im Wortschatz meines OriginalAli vorkommen würde.
"Dieser Mann Name Turgay." sagte Ali mit Bestimmtheit. "Wir sind Freunde. Er ist mein Nachbar."
Oje, dachte ich, was habe ich da angerichtet? Und wechselte das Thema.
Am nächsten Morgen eilte Ali der zweite lachend auf mich zu und zeigte mir sein Namensschild, das er an seine Weste gepinnt trug und das ich nie beachtet hatte, auch bei keinem der anderen Kellner. (Ich habe kein Talent fürs Lesen von Schildchen, ich muss Namen hören ... trotzdem vergesse ich die meisten wieder.)
"Mein Name nicht Ali. Ich heiße Turgay." Er konnte kaum aufhören zu lachen. "Ali hat mich gefragt, warum sagst Du Dein Name Ali?"
Also gut. Ich komme zum Ende dieses etwas überlangen Kapitels.
Ein paar Tage später sprach ich den Fitness Trainer an, weil ich versuchen wollte, mit Muskelzuwachs dem Tremor eventuell beizukommen, ihn wenigstens zu reduzieren. Der Neurologe meinte, es wäre einen Versuch wert, könnte aber auch das Gegenteil bewirken ... Hier war, ich las sein Namensschild vorsichtshalber, vielleicht hatte Turgay ja nur scherzhaft gesagt, dass dieser Mann Ali heiße, Ali Drei. Denn für mich blieb Turgay Ali, ich nannte ihn auch weiterhin so, obwohl unbewusst.
| Ali Gölpınar "Meister Ali", Trainer par Excellence! |
So kam es, dass ich die nächsten sechs Wochen, eine Woche war schon vorbei, in meinem Namen-gedächtnis drei Ali speicherte.
"AliAli". Mein original Ali.
"TurgayAli". Der Witzbold.
"MeisterAli". Weil er es übernahm meinen Körper das Krafttraining zu lehren. Er hat es geschafft!
Wie sagt der Dichter: "... Name ist Schall und Rauch ..."
Nicht immer, Herr Goethe


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