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Samstag, 7. März 2015

Schutzengel ... wer für wen?


Eben, es war cirka 23 Uhr, stieg ich aus der Straßenbahn und wollte so schnell wie möglich nach Hause kommen. Deshalb nahm ich auch, wie sonst immer, diesmal das Risiko auf mich, bei "Quasi Rot/Grün" über die Kreuzung zu gehen. Das heißt, dass an der Querstraße Grün ist, und an der Geradeausstraße Rot. Weil die Straßenbahn aber immer Vorfahrtsrecht hat, oder zu haben scheint, kann man die Kreuzung gefahrlos überqueren, sobald die Bahn losfährt. Normalerweise gehe ich ja erst über die Querstraße, ob bei Grün oder Rot kommt auf das Verkehrsaufkommen an, aber heute war dort Rot, in Fahrtrichtung aber Grün. Also ging ich diagonal. Ist ja logisch, oder?
Schon in der Bahn war mir aufgefallen, dass sich hinter mir eine junge Frau mit jemand am Handy unterhielt. Ist ja normal. Ich dachte mir nichts dabei. Ich stieg aus. Sie stieg aus ... und sprach weiterhin in ihr Telefon. Ich ging, entgegen allen Verkehrsregeln, diagonal über die Kreuzung (siehe die Ampelkonstellation oben) und hörte weibliche Schritte und den ununterbrochenen Fluss von Telefonkonversation hinter mir.
Der hörte auch nicht auf, nachdem wir/ich die andere Straßenseite erreicht hatte/n.
Der weibliche Schritt, hohe Absätze, hielt sich dich hinter mir.
Die hat sicher Angst, dachte ich, und sah nicht hinter mich, um sie nicht zu erschrecken.
Sie telefonierte weiter und hielt sich an meine Fersen.
Die denkt, dass ich ein Mann bin, und sie deshalb niemand belästigen wird, dachte ich.
Sie hält Dich für ihren Schutzengel! dachte ich.
(Man beachte den Unterschied zu "Die denkt" und "Sie denkt"!)
Wir gingen, sie telefonierend, ich denkend, bis zu der Querstraße, in die ich abbiegen musste, ohne dass irgend etwas Bedrohliches unseren Weg kreuzte oder versperrte. 
Dann waren die Stöckelschritte und das Telefongespräch plötzlich weg.
Jetzt blickte ich hinter mich. Niemand weit und breit!
Ich war kurz darauf zuhause.
War ich nun ihr Schutzengel, oder sie meiner?






Samstag, 8. Juni 2013

Im fünfzehnten Kapitel besuche ich die Stadt Antalya


Was wusste ich über Antalya bevor meinem ersten Besuch? Nichts! Selbst der Name war mir nicht bekannt, ehe meine Freunde dort Urlaub machten ... und begeistert waren! Aber dafür interessiert habe ich mich trotzdem nicht. Schade! Ich hätte schon 10 Jahre früher diese schöne Stadt und die Region kennen lernen können. Na ja: "Better late than never", wie der Schwabe sagt.
Das Bild am Anfang habe ich bewusst gewählt, es wurde in "Kaleici" (das c mit "Anhang nach unten", sprich also tsch) der Altstadt von Antalya aufgenommen, der einzige Stadtteil den die meisten Touristen kennen lernen, wenn sie das "all inclusive" Hotelgelände überhaupt verlassen. Ehrlich gesagt ist es auch der interessanteste, wenn man nicht meint, "Terra City", ein Einkaufszentrum der Sonderklasse, wäre das non plus Ultra dieser Millionenmetropole. Wer gerne exklusiv "Shoppen" geht, und das tun anscheinend viele, wenn man es danach beurteilt wie viele Touristen dort den  stadteinwärts fahrenden Dolmusch verlassen, kann danach Antalya "abhaken". Zuhause erzählt er dann, dass die Dolmuschfahrt, hin und zurück, die Hölle ist und die Angebote, von A bis Z der Spitzenhersteller dieser Welt, viiiiiiel zu teuer. Erwähnenswert und durchaus zu empfehlen sei der Massagesessel, den man kostenlos benutzen dürfe. (Voyeure stehen gern am Geländer des darüber liegenden Stockwerks und erfreuen sich an den hüpfenden Oberweiten der sich entspannenden Frauen.) Samstags ist dann der Lara Market ein absolutes "muss" für Erstbesucher der Stadt, einem Wochenmarkt der ein ganzes Stadtviertel einnimmt. Ich habe mir das Geschiebe durch die Straßen und Gassen, vorbei an endlosen Gemüse- Obst- Gewürz- Textil- und Haushaltwaren-Ständen erspart, mir aber sagen lassen, dass es sehenswert ist. Vielleicht gehe ich ja beim nächsten Besuch hin ...
Es liegt mir fern, hier eine Geschichte der Stadt Antalya verfassen zu wollen, die kann sich jeder googeln. Abgesehen davon weiß ich ich viel zu wenig über sie, um damit angeben zu können. Dass die Stadt eine Fläche von eintausendvierhundertundsiebzehn Quadratkilometer bedeckt und im Jahr 2010 Einemillionundeintausenddreihundertundachtzehn Einwohner hatte, habe ich gegoogelt. (Die Zahlen habe ich ausgeschrieben, weil man da, meiner Meinung nach, besser sieht wie viel das ist.) Bei einer Ausflugsfahrt mit Ali Ö. (AliAli) zu den Wasserfällen, darüber werde ich noch ein anderes Kapitel schreiben, bekam ich einen Eindruck von der Größe dieser Stadt, dabei sah ich nur einen ganz geringen Teil von ihr. Sie ist aber ganz offensichtlich vom Stadtteil Muratpascha (ich schreibe es so wie man es ausspricht), dessen historischer Kern eben das Gebiet um den alten Hafen ist, in alle Richtungen gewachsen. Womit ich wieder in Kaleici gelandet bin.







Der Hafen mit den "Piratenschiff" Ausflugsbooten ist, nach dem Hadrianstor aus römischer Zeit, an dem kein Tourist beim ersten Besuch der Altstadt vorbei kommt, da muss er einfach durch, die Hauptattraktion, wobei man sagen muss, dass die Ansicht von oben mehr bietet, als unten am Wasser. Rechts und links vom Hafen befinden sich ausgedehnte Parkanlagen mit vielen Gelegenheiten "zur Einkehr". Hier pulsiert an den Wochenenden und Feiertagen das wahre türkische Leben!

































Wer sich bis hierher, den Wendepunkt der alten Straßenbahn, "verirrt" oder "vorgewagt" hat, sollte es nicht versäumen, das Museum auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu besuchen. Zwar ist das Überqueren der vielspurigen Hauptstraße ein kleines Abenteuer, aber es zu bestehen lohnt sich! Im Eingangsbreich befindet sich übrigens ein Durchgang der Metall oder gestohlene Gegenstände aufspüren und mit lautem Alarm melden soll. Ich machte den Fehler, weil ich dachte das Richtige zu tun, da durch zu gehen und erschrak nicht nur über den ausgelösten Alarm, sondern noch mehr über die düsteren Blicke die mich von Seiten der Eintrittskartenverkäufer trafen, die der Lärm offensichtlich aufweckte. Ich war einer der seltenen Besucher an diesem Tag, außer mir zählte ich noch drei Personen die die Exponate betrachteten und ungefähr drei Mal so viele die sie bewachten. Aus einem Raum am anderen Ende der großen Eingangshalle nahte dann mit festem Tritt und ebenso düsterer Mine eine kurze, kompakte weibliche Sicherheitsperson, die Hand über ihrer Waffe verharrend ... Na ja, sie winkte schließlich ab und ging zurück zu ihrem Mittagsschläfchen, als sie sah, dass es nur wieder einer dieser blöden Touristen war, der schon gleich beim herein kommen durch die Sicherheitsschleuse zu gehen müssen meinte. Hinaus ging ich dann daran vorbei. Niemand hinderte mich daran. Wozu das Ding gut sein soll weiß ich immer noch nicht.





Und anschließend fährt man mit der Straßenbahn, die aus Nürnberg, der deutschen Partnerstadt Antalyas kommt, bequem zurück zum Uhrturm oder Hadrianstor. Übrigens stand, als ich die Bahn einmal benutzte, ein Klavier im hinteren Wagenteil. Gespielt hat leider, oder gottseidank?, niemand darauf. Die Fahrt kostet nur 1,50 Lira, ist also fast geschenkt.






Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen und zu erleben in Antalya. Mir hat der alte Bazaar sehr gefallen und man kann dort wirklich alles kaufen, wie zur Zeit der Griechen und Römer, außer Sklaven versteht sich.











Es ist jammerschade, dass ein Großteil der alten Bausubstanz in Kaleici zerfällt. Manche Ruine ist schon mit Büschen zugewuchert, wie Dornröschens Schloss. Man sieht zwar hier und dort Renovierungen, aber das ist ein sehr geringer Prozentsatz. Allerdings sind manche Gebäude so marode, dass man sie wirklich nur noch als Brennholz nutzen kann. Wie gesagt: Schade!







Selbst im Zerfall bewahren diese Häuser noch eine Spur der Schönheit und der Würde, die davon zeugen, dass sie von Menschen erbaut und bewohnt wurden, die nicht nur vier Wände und ein Dach über dem Kopf  haben wollten. 
Das moderne Antalya bietet Wohnraum für Millionen. Die Stadt expandiert in alle Richtungen die ihr offen sind. Man sieht Baustellen wohin man blickt. Ich habe einen Blick zurück getan.
Nach so viel Sightseeing entspannt man am besten im Hamam. Es gibt immer noch viele davon in der Stadt und auch in der Altstadt. Ich kenne zwei die noch aus osmanischer Zeit stammen und erzurig sind in ihrer Einfachheit und Funktionalität. Und eine Massage tut allemal gut!









Und zum Schluss sage ich nicht Good bye, sondern:



























Ich komme ganz bestimmt wieder! Und sei es auch "nur" wegen dieser Stimmungen ...




Ein Teil von mir ist sowieso dort geblieben ... Güle güle!