Eben, es war cirka 23 Uhr, stieg ich aus der Straßenbahn und wollte so schnell wie möglich nach Hause kommen. Deshalb nahm ich auch, wie sonst immer, diesmal das Risiko auf mich, bei "Quasi Rot/Grün" über die Kreuzung zu gehen. Das heißt, dass an der Querstraße Grün ist, und an der Geradeausstraße Rot. Weil die Straßenbahn aber immer Vorfahrtsrecht hat, oder zu haben scheint, kann man die Kreuzung gefahrlos überqueren, sobald die Bahn losfährt. Normalerweise gehe ich ja erst über die Querstraße, ob bei Grün oder Rot kommt auf das Verkehrsaufkommen an, aber heute war dort Rot, in Fahrtrichtung aber Grün. Also ging ich diagonal. Ist ja logisch, oder?
Schon in der Bahn war mir aufgefallen, dass sich hinter mir eine junge Frau mit jemand am Handy unterhielt. Ist ja normal. Ich dachte mir nichts dabei. Ich stieg aus. Sie stieg aus ... und sprach weiterhin in ihr Telefon. Ich ging, entgegen allen Verkehrsregeln, diagonal über die Kreuzung (siehe die Ampelkonstellation oben) und hörte weibliche Schritte und den ununterbrochenen Fluss von Telefonkonversation hinter mir.
Der hörte auch nicht auf, nachdem wir/ich die andere Straßenseite erreicht hatte/n.
Der weibliche Schritt, hohe Absätze, hielt sich dich hinter mir.
Die hat sicher Angst, dachte ich, und sah nicht hinter mich, um sie nicht zu erschrecken.
Sie telefonierte weiter und hielt sich an meine Fersen.
Die denkt, dass ich ein Mann bin, und sie deshalb niemand belästigen wird, dachte ich.
Sie hält Dich für ihren Schutzengel! dachte ich.
(Man beachte den Unterschied zu "Die denkt" und "Sie denkt"!)
Wir gingen, sie telefonierend, ich denkend, bis zu der Querstraße, in die ich abbiegen musste, ohne dass irgend etwas Bedrohliches unseren Weg kreuzte oder versperrte.
Dann waren die Stöckelschritte und das Telefongespräch plötzlich weg.
Jetzt blickte ich hinter mich. Niemand weit und breit!
Ich war kurz darauf zuhause.
War ich nun ihr Schutzengel, oder sie meiner?
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