Freitag, 5. Februar 2016

Schlaganfall? Doch nicht ich!


Etwas nicht zu glauben, obwohl man sich beinahe 100% sicher ist, ist nicht klug, aber ich tat es. Klug bin ich nur an der Oberfläche.  Es liegt mir nicht, Klarheit über Negatives zu suchen: und ein Schlaganfall ist nun mal nichts Positives. Man denkt ja immer: Das trifft nur die Anderen.
Als ich an dem Montagabend zu Bett ging, war noch alles wie immer in  Ordnung. In der Nacht wachte ich auf und spürte einen sehr starken Juckreiz am ganzen Oberkörper vom Hals abwärts bis zum Schambein. Ich kratzte verzweifelt, schlief aber wieder ein.
Beim Aufstehen am Dienstagmorgen, 26. Januar, (ich schlief bis 10:30 Uhr) knickte mir das linke Bein weg. In Daumen, Zeigefinger, Ringfinger und kleinem Finger der linken Hand spürte ich ein starkes Kribbeln. `Da bin ich wohl zu lange auf der linken Seite gelegen und habe einen Nerv eingeklemmt.´ dachte ich zuversichtlich. Die Kopfschmerzen die in meiner rechten Kopfhälfte pulsierten schob ich auf einen Wetterumschwung.
Aber mein Unterbewusstheitsverstand sagte da schon: `Du hattest einen Schlaganfall.´ Das ignorierte ich.
Nachdem das linke Bein auch nach 10 Minuten noch nicht richtig mitmachen wollte, das Kribbeln in der Hand hatte ich weggeknetet, schob ich die Gehschwäche auf meinen essentiellen Tremor, der ja auch die Beine betreffen kann. Die Kopfschmerzen bekämpfte ich mit Aspirin. Den Dienstag verbrachte ich dann hauptsächlich liegend.
Am Mittwoch spürte ich eine leichte Besserung im Bein und ich konnte wieder einigermaßen gehen.
Zwar wirkte der Fuß immer noch wie "eingeschlafen", aber ich dachte positiv: `Das wird schon wieder!´ Das Kribbeln in der Hand, das am Dienstag immer wieder aufgetreten war, meldete sich am Mittwoch nicht mehr.
Der Donnerstag bestätigte die Hoffnung dass es besser würde. Ich hatte kaum Schwierigkeiten beim Gehen, zwar hinkte ich und zog das Bein leicht nach, aber im Großen und Ganzen war ich mit dem Fortschritt zufrieden und blickte zuversichtlich in den Freitag.
Dieser enttäuschte mich dann sehr. Das linke Bein war taub und der Fuß bleischwer. Er zog mich bei jedem Schritt regelrecht "in" den Boden, der aus zähem Lehm zu sein schien und den Fuß nicht loslassen wollte.
Ich räumte meine Wohnung oberflächlich auf, es konnte ja sein, dass fremde Leute sie betreten würden, duschte, zog frische Wäsche an und wählte dann die Telefonnummer meines Hausarztes.
Ich sagte der Arzthelferin: " Ich denke ich hatte einen Schlaganfall." So, jetzt war es ausgesprochen.
"Dann kommen sie doch gleich in die Praxis. Schaffen Sie das?"
"Ja, das schaffe ich."
Mein Hausarzt schüttelte nur den Kopf über mein Verzögern des Besuchs bei ihm. Dann überwies er mich ins Krankenhaus. Ob er mir ein Taxi rufen lassen solle, fragte er. Aber die Klinik ist nur 10 Gehminuten von der Arztpraxis entfernt, also ging ich zu Fuß. Um 13:30 Uhr kam ich in der Notaufnahme an.



























Es folgten die endlos erscheinenden Voruntersuchungen, angefangen mit Blutabnahme bis hin zur Computertomographie.
Ständig brachten Sanitäter Unfallopfer. Es war wirklich viel Blut zu sehen, und mir wird schlecht wenn  ich Blut sehe ... allerdings nur bei meinem eigenen. Mir schien der Tag unendlich lang! Als würden die Stunden in mich hineintropfen wie die Flüssigkeit aus der Flasche am Haken neben mir.
Um 18:30Uhr war ich auf der Neurologie Station in meinem Zimmer.
Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Der freundliche Pfleger organisierte einen Kaiserschmarren für mich. Dann war ich endlich im Bett.
Es tat gut sich in Sicherheit zu fühlen!!


























(Fortsetzung folgt.)

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