Montag, 2. März 2015

Winterliche Fahrt in einen kurzen Sommer - Ein Gedicht?


Vom Wald, in dessen kahlen Ästen
Sonne wie goldene Vögel nistet
und spottend die Wintereishand
mit warmen Ringen schmückt,
die blendend leuchten,
ist das Band der Straße ausgespannt,
durch Felder, ruhende Bauernhöfe,
bis hin zur Stadt.

Auf deren Dächer drückt der Nebel und 
die Giebel verschwimmen im Feuchten ...

Wir halten an. 
Fahren weiter.

Und DA!
An einen offenen Straßenmund,
dicht an des Gehsteigs Lippen, 
hat eine unbeholfene Kinderhand
GLOCKENBLUMENGASSE
geschrieben. ...

Glockenblumengasse ...

Ich kann es nur flüchtig lesen,
auch ist die Kreide an manchen Stellen
schon ganz verwischt von Bürgern
die diesen Frevel an ihrer Reinlichkeit
auszulöschen suchten, mit dem Besen.

Ich bin so froh,
dass ihnen dies misslang,
denn jetzt ist der Winter vorbei für mich!

GLOCKENBLUMENGASSE!

Sommertage 
lassen aus Wärme gewobene Libellenflügel schwirren.
Am Straßenrand blühen Salbei und Mohn
und Bienen summen im Schattenmeer der Ahornbäume.
Eidechsen liegen im Sonnenglast
auf heißen Steinen
und scheinen 
zu schlafen ...

Der Himmel ist offen: 
klar, tief und weich ...
Glockenblumenkelche ...

Glockenblumenkelche ...

Wie dieses Wort in reicher Fülle mir von der Lippe perlt.

Glockenblume ... 
nun bin ich sie selbst
und leise schlägt die blaue Hülle silberne Töne an.
Glockenblume - Glockenblume -
Glockenblume -
Ich stehe im hohen, wehenden Gras der Zeit,
umgeben von Thymian und Felsennelken ...
Aber an meinen Füßen blühen goldene Kleeschuhe,
Schuhe in denen ich tanzen werde 
wenn das Heimchen zirpt 
und ich werde, ehe ich welke,
während der Mond über mir glüht ...

Zurück zur Erde
Der Bus läuft ein an meinem Ziele.

Ich schlage den Kragen hoch, denn es ist kalt.
Die Sonne schien ja, leider, nur im Wald
und alles and're waren Träume
und fremde Kinderspiele.

gelang, 1967




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