Mittwoch, 4. Juni 2014

Das "versunkene Schloss", die Yerebatan-Zisterne


Bei der Durchsicht meines Blogs fiel mir auf, dass ich sie noch gar nicht erwähnt habe, die Yerebatan Sarnici, die Zisterne von unvorstellbarem Ausmaß, die die Türken das versunkene Schloss nannten. Und das zu Recht! Der Besucher, ich, konnte es nicht glauben, dass es so etwas gibt. Mein Versuch sie zu besuchen war am Vortag am Besucheransturm gescheitert, so dass ich diesmal schon um halb neun vor Ort war.
Aber nicht als Erster. Wie man sieht. Geöffnet wurde um Neun.





























Ich hatte schon Bedenken und dachte, dass man sich "da unten" nur durchschieben würde. Soll ich gehen? Aber wenn ich schon mal da bin ...
Gottseidank bin ich geblieben!
Denn unten tat sich ein Wunder auf!!! Dieses Wunder muss man selbst erleben, keine Beschreibung, kein Film, keine Bilder werden ihm gerecht. Es ist atemberaubend in seiner unfassbaren Schönheit. Wenn ich Istanbul noch einmal besuchen sollte, Inch'Allah, werde ich mir eine Dauerkarte für die Zisterne besorgen. Das war ein Scherz, aber nur, weil es so eine Dauerkarte nicht gibt.
Jetzt gehen wir aber erst einmal hinunter.

Vom, auch schon morgens um neun, blendenden Sonnenlicht in eine Welt aus unendlich scheinender Dunkelheit. Ein Dunkel das, zumindest für mich, unerträglich wäre, ohne die Beleuchtung. Ohne künstliches Licht herrscht hier Schwärze! Ein Schreckensort, an dem nur die ständig fallenden Wassertropfen "Raum" schaffen und die Gewissheit geben, dass man nicht im freien Fall ins Endlose ist.
Aber das Licht ist da und es zaubert. Es zaubert Säulen die sich spiegeln, Säulen die von oben nach unten und von unten nach oben wachsen und wir stehen dazwischen, in einem Niemandsland der Illusionen. Es ist, als wäre ein Stück Venedig hierher transplantiert. Ein magische Stück Wunderland. Undines Palast, hier ist er Wirklichkeit. Wasser ringsum und die Melodie der ständig fallenden Tropfen. So etwas träumt man sonst nur.



Dass hier zwanzig oder fünfzig Besucher keine "Menge" sind ist wohl klar. Und dass die meisten schweigen, oder nur flüstern, scheint der Ort selbst zu fordern. (Beim zweiten Besuch waren allerdings Schulklassen hier und Kinder halten nicht viel von Flüstern, Stille, Ehrfurcht.) Wenn man von den ersten fallenden Tropfen getroffen wird, erschrickt man noch, später begrüßt man sie als Weggefährten. Unnötig ist die, zwar dezente, Musikbeschallung, aber ich denke, Amerikaner und Japaner brauchen das.


Wie man sieht, sind die Säulen von unterschiedlicher Höhe und entsprechend unterlegt. Das kommt daher, dass hier unten vieles "recycled" wurde, was oben zu Bruch gegangen oder auf eine andere Art unbrauchbar geworden war. Am deutlichsten wird das an den "Medusahäuptern", die auf den Kopf gestellt oder auf die Seite gelegt wurden, um die gewünschte Höhe zu erreichen.


Überrascht hat mich, dass es hier unten Fische gibt, große Karpfen und kleine Goldfische. Wenn man eine Münze ins Wasser wirft, kommen sie herbeigeschossen. An manchen Stellen liegen viele Münzen im Wasser! Hier zufällig nicht.





Einige der Säulen sind sehr schön, aus kostbarem, farbigem Marmor und  reich verziert. Wie die "Wunschsäule" zum Beispiel.




























Die "Wunschsäule" funktioniert so: Man stecke einen Daumen in das Loch, das links oben im Bild zu sehen ist, drehe sich mit dem Rücken zur Säule, das erfordert Wendigkeit, und werfe mit der anderen Hand, mit geschlossenen Augen, eine Münze über die Schulter ins Wasser und wünsche sich dabei etwas. Ob es funktioniert weiß ich nicht, habe es auch nicht ausprobiert, aber es liegen viele, sehr viele Münzen im Wasser rund um die Säule! ...
Es fiel mir schwer diese versunkene Welt zu verlassen und als ich beim Hinausgehen meinen Schatten an der Wand sah, hatte ich das Gefühl, dass er dort bleiben würde, wie Peter Pan's Schatten im Kinderzimmer der Darlings. Ich glaube, er ist immer noch dort. Irgendwann muss ich ihn zurück holen.


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