Dienstag, 14. Januar 2014

Sale an allen Ecken und dann Toleranz …


























































Na gut, inzwischen weiß wahrscheinlich jede/r, dass "Sale" Verkauf heißt, oder Ausverkauf, oder Sonderverkauf, auch Räumungsverkauf … inzwischen ist es ja quasi ein deutsches Wort geworden, wahrscheinlich sogar ein internationaler Begriff. Allerdings glaube ich nicht, dass die Franzosen da mitmachen, die haben ja einen rigiden Sprachstolz. Selbst wenn sie Englisch sprechen, gezwungener Maßen, tun sie es mit einem so dicken Akzent, dass man es schon wieder für Französisch halten könnte.
Wie wird "Sale" aber ausgesprochen? Ich meine, nicht jede ältere schwäbische Hausfrau wird da automatisch Seel sagen, und wenn man es richtig "englisch" ausspricht, sagt man ja "Sail", also Segel und eigentlich ist das ja gar nicht soooo falsch. Ein "Sale" fordert ja geradezu heraus in's Kaufhaus hinein- und schwer beladen mit billigen Einkäufen wieder herauszusegeln. Da ist das Deutsche schon sehr bildhaft.
So viel zum Sprachlichen.


Heute war ich in der Stadt mit der Absicht, mir eine saleverbilligte Winterjacke zu kaufen. Es war mir ja schon vorher immer wieder aufgefallen, dass 99 Prozent aller Passanten sich schwarz kleideten, als fände irgendwo eine große, nationale Beerdigung statt.Ein Bekannter erklärte mir allerdings, dass schwarz keine Modefarbe sei und er seine schwarzen Klamotten noch in zehn Jahren tragen kann. So denken eben die Schwaben und die Schotten.


Als ich nun vor den Racks mit reduzierter Ware stand, hatte ich die Auswahl zwischen dunkelschwarz, schwarzschwarz, schwarz, hellschwarz, dunklem Dunkelblau, dunklem Dunkelgrau und einem grünlichen Dunkelgrau, das aussah, als wäre es mit Hundekacke gefärbt worden. So viel Auswahl! Ich war überwältigt! Und konnte mich für nichts entscheiden. Jammerschade, bei den niedrigen Preisen. Statt 289 Euro nur noch 259 Euro. Ich wurde übrigens freundlich aber streng darauf hingewiesen, dass das Fotografieren im Laden verboten sei. Ich sagte, dass ich meiner Frau nur zeigen wolle, welch große Auswahl ich hätte. Sie sei durch einen Unfall an den Rollstuhl gefesselt … warum eigentlich gefesselt?







Wie dem auch sei, da hätte ich schon sehr gern zugegriffen, aaaaber, wie gesagt, die Farbvielfalt überforderte meine Entschlusskraft und so konnte ich nichts zur Belebung der Konjunktur beitragen, was ich schon beim Verlassen des Kaufhauses bedauerte, als ich den argwöhnischen Blick des struntzgeil aussehenden Wachmannes auf mir ruhen fühlte. Ja, so etwas spürt ein Mann, wenn er dafür Empfangssynapsen hat. Hab ich.
Womit ich bei meinem eigentlichen Thema wäre, obwohl ich es nur ganz kurz streifen möchte, schließlich ist Homosexualität zur Zeit in allen Mündern. Zumindest meint Jede/r, der sich irgendwie dazu berufen fühlt, er/sie/es müsste etwas dazu sagen. Es ist beinahe eine Art "Dschungelcamp" der Unbedeutenden. Und das nur, weil ein Profifußballer i. R. sich "geoutet" hat. Er habe irgendwann gemerkt, dass er lieber mit einem Mann als mit einer Frau zusammenleben möchte, erklärte er in einem Interview. Ja du lieber Himmel! Interviewd doch mal die Heerscharen von mit Frauen verheirateten Männern und entsetzt euch dann darüber, dass 98 Prozent der Interviewten sich lieber nicht dazu äußern möchten! Loriot meinte ja auch, dass Männer und Frauen nicht zueinander passen. Aber darüber musste man lachen, weil er doch ein Komiker war. Nichts gegen Frauen, sie sind, auf ihre Art, ganz in Ordnung, aber eben nur begrenzt mit Männern kompatibel. Komischerweise ist es oft nur der Schniedel, der ihnen zum perfekten Partner fehlt. Aber das kann man als Polemik auffassen und solche liegt mir fern. Schließlich war meine Mutter ja auch eine Frau und ich trage ihr das nicht nach.
Apropos Mutter. Da denkt man doch gleich auch an Familie und darüber hat sich der Chef der AfD Partei dann auch Gedanken gemacht und sich sogar dazu geäußert. Siehe unten.




































"Dass Ehe und Familie für unsere Gesellschaft konstitutiv sind" Ja, Sakra! Das hätte man doch schon früher sagen müssen, dann wäre der Hitzlsdingsda wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, dass er eventuell schwul sein könnte! Und alle anderen, nicht so prominente Schwule wie der Wowereit und Westerwelle und Freddie Mercury und Hella von Sinnen und wie sie alle heißen, würden sich schämen und CDU/CSU wählen. Hätte Hitzlsperger allerdings gesagt, dass er die Euro-Politik der Bundesregierung für falsch hält, wäre Herr Lucke wahrscheinlich gar nicht auf die Idee mit der Familie gekommen. Man muss, als Prominenter, sein Coming-out wirklich von einem Event-Manager planen lassen, damit man das richtige tut und sagt. Wir anderen Schwulen hoffen halt weiterhin, dass es schon irgendwann irgendjemand merkt dass wir schwul sind und dann auf Toleranz stoßen. 
Apropos Toleranz. Da wurde doch vom Baden-Württembergischen Kulturamt die Idee in den Raum gestellt, dass man Homosexualität im Schulunterricht thematisieren sollte, damit Heranwachsende das Thema als Fakt und nicht als Tabu verstehen lernen. Auweia! Da sind die Wespen aber ausgeschwärmt. Ein Realschullehrer hat sofort eine Unterschriftensammlung im Internet gegen dieses "Ansinnen" gestartet und hatte binnen wenigen Tagen eine überwältigende Anzahl an Befürwortern der Ablehnung um sich geschart. Inzwischen gibt es eine Gegenliste für Befürworter der Befürwortung und die sind auch schon zahlenmäßig mehr als die die Parteimitglieder der AfD. Toleranz hat viele Gesichter.
Es gibt einen Roman von Anthony Burgess "The wanting seed". Darin geht es darum, dass die Erde die Überbevölkerung nicht mehr verkraftet und die Regierung nun Programme fördert, die regulierend eingreifen. Es müssen mehr Menschen sterben als geboren werde. Krieg ist eine wunderbare Lösung und bekommt staatliche Förderung. Homosexualität ebenso. Aber dann gehen die Menschen für die Kriegführung aus, die ja ein gutes Geschäft ist, also wird Homosexualität wieder mit dem Tod bestraft und die Familie wird gefördert. Aber der Teufelskreis ist nicht zu durchbrechen. Schon ist die Bevölkerung wieder am Verhungern. Also wird Kanibalismus staatlich gefördert. Homosexuelle dürfen  aber nicht gegessen werden, durch sie wird ja die Bevölkerung am Wachstum gehindert. Dann … Ja, die Dinge geraten außer Kontrolle, niemand weiß mehr wer gegessen werden darf, wer nicht. Chaos. Es ist eigentlich ein Anti-Kriegs Roman, der aber auf alle Bereiche menschlicher Kultur zugreift, Kunst, Religion, Sexualität … Eines der Themen ist übrigens, dass sich die Geschichte in Zyklen wiederholt, Zyklen denen der Mensch nicht entrinnen kann, weil er sie generiert. Selber lesen!

Toleranz ist immer hauchdünn.
Leider!
Man darf nicht daran kratzen! …

Erinnert sich noch jemand an die "Buddy Bears"? Das war eine weltweite Kunstaktion für Toleranz!


Toleranz wofür? 
Dass wir Menschen sind?
Sind wir das?

Dieser Mann schminkt sich jeden Morgen auf "Charly Chaplin" und steht dann stundenlang in Venedig an der Riva, in der Hoffnung, dass sich jemand mit ihm fotografieren lässt und dafür einen €uro in seinen Hut wirft. Er wird toleriert, aber ist das Leben?

P.S.
Sale jetzt auch online! Da frage ich mich doch glatt, wozu ich mir Kleidung kaufen soll, wenn ich gar nicht mehr auf die Straße muss um einzukaufen? Für die Kleider Sammlung? Damit die vom Schicksal benachteiligten endlich mal nichts Getragenes tragen müssen? Hmmmm, der Gedanke könnte von Burgess sein ...

















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