Dieses, oben, von mir im diletantischen Stil gemalte Aquarell hat zwar nichts unmittelbar mit den Zwillingsbrüdern aus dem vorhergehenden Kapitel zu tun, illustriert aber einen Zeitraum um den es mir hier geht. Die Vergangenheit, die im Erinnern wieder zur Gegenwart gerinnt. Die Zeit fließt ja nicht nur bergab, denke ich. Also ist das hier reine Nostalgie.
Die echte Gegenwart ist immer nur einen Tastaturanschlag entfernt. ...
Sie hießen eigentlich Sokrates und Dionysios, was Aki nur ungern, und gegen 10 Mark Aufpreis, preisgab, weil er diese Namen für ihn und seinen um zehn Minuten älteren Bruder überheblich fand (Griechen haben einen ausgeprägten Nationalstolz!) Ihre Eltern kamen aus Thessaloniki nach Stuttgart, wo die Zwillinge ein Jahr später das Licht der Welt erblickten, wie man so schön sagt. Als ich sie, zuerst Aki, kennen lernte, waren sie 19 Jahre alt, ohne Beruf, ohne Arbeit, und wohnten bei den Eltern.
(Der Vater hieß übrigens Herakles, die Mutter Persephone. Eine mit Vornamen griechischere Familie wird man kaum finden!)
Joisi machte manchmal illegale Taxifahrten mit dem Mercedes ihres Vaters, um etwas Geld für Drogen zu haben, (Hasch, nichts HHartes) bis er sich mit dem Auto mehrfach überschlug und es, als ich es sah, gerade gänzlich ohne Lack war. Ihm und Aki, der als Beifahrer dabei war, passierte wie durch ein Wunder nichts, obwohl sie nicht angeschnallt waren. (Damals, vor ca. 40 Jahren, gab es noch gar keine Gurte?) Aber ihre Haupteinnahmen kamen von `Liebesdiensten´.
(Der Vater hieß übrigens Herakles, die Mutter Persephone. Eine mit Vornamen griechischere Familie wird man kaum finden!)
Joisi machte manchmal illegale Taxifahrten mit dem Mercedes ihres Vaters, um etwas Geld für Drogen zu haben, (Hasch, nichts HHartes) bis er sich mit dem Auto mehrfach überschlug und es, als ich es sah, gerade gänzlich ohne Lack war. Ihm und Aki, der als Beifahrer dabei war, passierte wie durch ein Wunder nichts, obwohl sie nicht angeschnallt waren. (Damals, vor ca. 40 Jahren, gab es noch gar keine Gurte?) Aber ihre Haupteinnahmen kamen von `Liebesdiensten´.
Warum gehe ich so weit zurück in die Vergangenheit? Irgendwie scheinen mir die Zusammenhänge in diesem Blog auseinander zu brechen. Es ist also ein Versuch Kitt in die Risse zu fügen.
Wie gesagt, damals, und schon noch früher, eigentlich von zarter Kindheit an, fühlte ich mich zum Schriftsteller, zum `Dichter´ berufen. Lesen konnte ich schon bevor ich eingeschult wurde. Es wurde mein erstes Hobby. Ich las alles was mir in die Finger kam, aus purer Freude am Entdecken neuer Worte. (Ich las immer laut vor und meine Mutter kugelte sich vor Lachen, als ich zum ersten Mal das Wort `Feuer´ las, weil es bei mir natürlich "Fe-u-er" hieß.) Dass ich dann, als ich in der Schule das Schreiben gelernt hatte, als Siebenjähriger, kühne Aufsätze zu Papier brachte, deren Formulierungen meine Lehrerin verblüfften, war eine natürliche Folge. (Mein Opus 1 war ein Quartett über die Vier Jahreszeiten. Das erste Kapitel war `Der Wandersmann´ überschrieben. Es hub an: "Wenn die Sonne die letzten Schneereste geschmolzen und den eisigen Winter vertrieben hat, beginnt der Frühling und der Wandersmann macht sich auf den Weg." Warum mir das im Gedächtnis haften blieb, ist und bleibt ein Rätsel.
Die jungen, meist unschuldigen Jahre vergingen und ich erlernte einen Beruf der meinem `Hobby´, nicht meinen Wünschen, so weit wie möglich entgegen kam. Ich wurde Buchdrucker.
Hier muss ich eine *Fußnote einfügen, die ein bisschen mehr Licht in dieses immer noch herrschende Dunkel bringt. Meine Mutter, eigentlich eine streng gläubige Katholikin, ließ nach meiner Geburt von einer `Wahrsagerin´ mein Horoskop erstellen. Dieses besagte klipp und klar, dass ich einmal ein "berühmter Schriftsteller" sein würde. Wahrscheinlich ergab sich diese Vorhersage aus dem Geburtstag meiner Mutter, dem 16. Oktober, dem Geburtstag von Oscar Wilde ... Na ja, meine Zukunft lag sozusagen, zumindest teilweise, da schon hinter mir.
Zurück in die noch zu erlebende.
Wie gesagt, damals, und schon noch früher, eigentlich von zarter Kindheit an, fühlte ich mich zum Schriftsteller, zum `Dichter´ berufen. Lesen konnte ich schon bevor ich eingeschult wurde. Es wurde mein erstes Hobby. Ich las alles was mir in die Finger kam, aus purer Freude am Entdecken neuer Worte. (Ich las immer laut vor und meine Mutter kugelte sich vor Lachen, als ich zum ersten Mal das Wort `Feuer´ las, weil es bei mir natürlich "Fe-u-er" hieß.) Dass ich dann, als ich in der Schule das Schreiben gelernt hatte, als Siebenjähriger, kühne Aufsätze zu Papier brachte, deren Formulierungen meine Lehrerin verblüfften, war eine natürliche Folge. (Mein Opus 1 war ein Quartett über die Vier Jahreszeiten. Das erste Kapitel war `Der Wandersmann´ überschrieben. Es hub an: "Wenn die Sonne die letzten Schneereste geschmolzen und den eisigen Winter vertrieben hat, beginnt der Frühling und der Wandersmann macht sich auf den Weg." Warum mir das im Gedächtnis haften blieb, ist und bleibt ein Rätsel.
Die jungen, meist unschuldigen Jahre vergingen und ich erlernte einen Beruf der meinem `Hobby´, nicht meinen Wünschen, so weit wie möglich entgegen kam. Ich wurde Buchdrucker.
Hier muss ich eine *Fußnote einfügen, die ein bisschen mehr Licht in dieses immer noch herrschende Dunkel bringt. Meine Mutter, eigentlich eine streng gläubige Katholikin, ließ nach meiner Geburt von einer `Wahrsagerin´ mein Horoskop erstellen. Dieses besagte klipp und klar, dass ich einmal ein "berühmter Schriftsteller" sein würde. Wahrscheinlich ergab sich diese Vorhersage aus dem Geburtstag meiner Mutter, dem 16. Oktober, dem Geburtstag von Oscar Wilde ... Na ja, meine Zukunft lag sozusagen, zumindest teilweise, da schon hinter mir.
Zurück in die noch zu erlebende.
... Aber die Gegenwart stellt Forderungen die ich erfüllen muss. Also: Pause.
Vielleicht wäre es angebracht, das Bild zu erklären ehe ich mehr über die Zwillinge preis gebe, als nötig ist. Es ist eines von 7 Aquarellen mit dem Gesamttitel: "Ich suche die Blaue Blume". Schuld daran, wenn man es so nennen möchte, war eine 1972 erschienene Schallplatte mit dem Titel
Ein wirres Konglomerat aus banalen Texten wie: "Professor Mondbaum Professor Mondbaum geht abends noch im Park spazieren. Man hört ihn, leise, Catull-Gedichte rezitieren. Sein weißes Haar glänzt silbern. Sein Frackschoß weht im Wind. Herr Professor Mondbaum, Sie sind nicht allein: Wald- und Nebelgeister ziehn im Mondenschein ..." usw! Als Nebeneffekt las ich dann Catull, kaufte die Catulli Carmina, von Carl Orff und war vom Chor der alten Männer und ihrem "Nihil durare potest tempore perpetuo (...) Tempus, tempus, tempus amoris cubiculum non est." sehr beeindruckt. Natürlich wusste ich, dass nichts ewig währt, aber dass die Zeit nicht der Liebe Schlafzimmer ist fand ich sehr poetisch formuliert. Im Sog all dieser `Umstände´ fand ich dann, nach meinem 30 Geburtstag, zu meiner `Blauen Periode´ und malte in den folgenden Jahren eben diese Bildchen. Das erste nannte ich:
Vielleicht wäre es angebracht, das Bild zu erklären ehe ich mehr über die Zwillinge preis gebe, als nötig ist. Es ist eines von 7 Aquarellen mit dem Gesamttitel: "Ich suche die Blaue Blume". Schuld daran, wenn man es so nennen möchte, war eine 1972 erschienene Schallplatte mit dem Titel
Ein wirres Konglomerat aus banalen Texten wie: "Professor Mondbaum Professor Mondbaum geht abends noch im Park spazieren. Man hört ihn, leise, Catull-Gedichte rezitieren. Sein weißes Haar glänzt silbern. Sein Frackschoß weht im Wind. Herr Professor Mondbaum, Sie sind nicht allein: Wald- und Nebelgeister ziehn im Mondenschein ..." usw! Als Nebeneffekt las ich dann Catull, kaufte die Catulli Carmina, von Carl Orff und war vom Chor der alten Männer und ihrem "Nihil durare potest tempore perpetuo (...) Tempus, tempus, tempus amoris cubiculum non est." sehr beeindruckt. Natürlich wusste ich, dass nichts ewig währt, aber dass die Zeit nicht der Liebe Schlafzimmer ist fand ich sehr poetisch formuliert. Im Sog all dieser `Umstände´ fand ich dann, nach meinem 30 Geburtstag, zu meiner `Blauen Periode´ und malte in den folgenden Jahren eben diese Bildchen. Das erste nannte ich:
Der schöne Traum kurz vor dem Erwachen.
Wobei, wenn ich mich recht entsinne, das geköpfte Ei den Sonnenaufgang symbolisieren soll, der Schmetterling die Sehnsucht und der Löffel? ... Ich denke, der gehörte logischerweise zum Ei.
Der sich in etwas übertrieben lasziver Pose präsentierende, junge Mann soll mich darstellen, in einem Freizeiteinteiler, wie ihn James Bond in dem Film `Goldfinger´ trug. (Das Teil gab es tatsächlich, wurde mir aber schon bald zu `knapp´.)
Ich muss nicht unbedingt erwähnen, dass ich dem Surrealismus zuneigte. Die nächsten Bilder waren dann an den Haaren herbeigezogene `Alltagssituationen´.
Ich hatte wohl viel Freizeit und wusste wenig damit anzufangen.
Der sich in etwas übertrieben lasziver Pose präsentierende, junge Mann soll mich darstellen, in einem Freizeiteinteiler, wie ihn James Bond in dem Film `Goldfinger´ trug. (Das Teil gab es tatsächlich, wurde mir aber schon bald zu `knapp´.)
Ich muss nicht unbedingt erwähnen, dass ich dem Surrealismus zuneigte. Die nächsten Bilder waren dann an den Haaren herbeigezogene `Alltagssituationen´.
Ich hatte wohl viel Freizeit und wusste wenig damit anzufangen.
Täglich bei der Morgentoilette, der Sturz in die Tiefe des Selbst.
Die quälende Angst vor dem Aufbruch ins Ungewisse.
Die atemlose Stille an sehr geheimnisvollen Orten.
"Der Tod kommt durch die Spiegel" (Jean Cocteau)
Zwischen 30 und 40 liegt ein langer, ausgeglühter Weg.
Am Rand der bekannten Welt angekommen. Wohin jetzt?
Wie man sieht: wieder ein schmeichelhaftes Selbstportrait, mit Sonne, Mond und Sternen und diesmal in der, von mir sehr geliebten, Glasschüssel von Jan Johansson, die auch in dem `de Chirico´ groß, mit dem versinkenden Campanile von Venedig, dargestellt ist. Schließlich wagte ich mich noch einmal an ein großformatiges Bild, als Hommage an S. Dali (diesmal ist die Glasschale nur klein oben links auf dem Rücken des Elefanten zu sehen, rechts oben ist die Kathedrale von Torcello dargestellt, der ersten besiedelten Insel in der Lagune. Venedig war ein nie enden wollendes Thema!
Nach diesem Bild erkannte ich endgültig, dass Malerei nicht mein Metier ist und konzentrierte mich aufs Schreiben. Das ist zwar auch nicht der Ausfluss meines Genies, den muss ich erst noch finden, aber Geschriebenes kann man in eine Schublade stecken und vergessen ... Apropos `Geschriebenes´: Im ersten Bild steckt ein Füllfederhalter in einer Zeitschrift, die DON heißt. Die gab es (gibt es?) wirklich und einige meiner Kurzgeschichten wurden darin veröffentlicht. Ich bekam sogar Honorar dafür! Leider habe ich die Belegexemplare auch irgendwann entsorgt ... Die Nachwelt wird sich schwer tun meinen frühen Spuren zu folgen. Jetzt allerdings, in Zeiten des Internet ...
So kam es aber, dass ich eine Zeitlang Stricher (heute nennen sie sich Escorts) zu Gesprächen einlud und ihnen dafür ein paar Mark bezahlte. Eben auch die Zwillinge, an denen ich allerdings über zwei Jahre `hängen blieb´, was erklärt, warum sie in meinen Notizen vermehrt auftauchen. Vieles das sie mir erzählten, habe ich im Roman verwendet um ihm erotische Glaubwürdigkeit zu geben. Ich gebe zu, dass man das `schwülstig´ nennt, wobei das Wort nicht in direktem Zusammenhang mit `schwul´ steht, soviel mir bekannt ist.
Damit wäre wohl alles klar, was Aki und Joisi betrifft. Letzterer verschwand eines Tages übrigens einfach so, selbst Aki wusste nicht wohin. Dann stellte es sich heraus, dass er nach Thessaloniki gegangen war, weil er sich in seinem Leben in Deutschland `nicht mehr wohl fühlte´. Er arbeitete dort als Taxifahrer, wohnte bei Verwandten und wurde `sesshaft´. Aki hielt es ohne ihn in Deutschland nicht aus und folgte ihm. Sie waren typische Zwillinge.
Danach habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Ich hoffe, dass es ihnen gut geht in diesen Krisenzeiten.
Danach habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Ich hoffe, dass es ihnen gut geht in diesen Krisenzeiten.



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