Abend und Nacht
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Die Schatten drehen sich und treten aus dem Grün der Bäume:
der helle Stamm blickt in sein dunkles Spiegelbild,
in dem er sich erinnert und erkennt.
Um ihn verschieben und formieren sich die Räume
während der Tag verlischt mit roten Feuerbränden,
ein Feuer das am Horizont noch lange brennt ...
Darüber kommt die Nacht und wirft mit vollen Händen,
ihr Lichtverlangen ist noch nicht gestillt,
den Sternenbrand hinauf ins Firmament.
Um Mitternacht vollzieht sich dann die täglich große Wende:
aus einer Stille, die kein Vogelruf mehr bricht,
tritt Tag zu Tag. Von Mondlicht ganz umflossen
steht Baum bei Baum - hier Anfang und hier Ende.
Die kleine Ewigkeit vergeht, die Bruchsekunde -
Der Wald, cameengleich auf dunkelsten Smaragd gegossen,
beginnt den neuen Tag, die neue Stunde
in Selbstvergessenheit, von Angesicht zu Angesicht -
und tausend Jahresringe haben sich geschlossen.
gelang 1965
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