So beginnt das Johannis Evangelium. Ich bin kein religiöser Mensch, ganz im Gegenteil, ich halte Religion für die verderbenbringendste Erfindung der Menschheit! Religion ist ein Geschäft, mehr nicht, und wer damit Geld verdient ... Aber darum geht es mir nicht, sondern um "Das Wort". Also zurück zu Johannis.
"Im" Anfang, nicht "Am". Wer erkennt da den sinnhaften Unterschied? Ich habe ihn spät begriffen. Erst als ich das Wort als Schale und Inhalt verstand, als Gefäß sowie als Frucht. Das lag an meinem Beruf. Ich bin Buchdrucker. Sogar heute noch denke ich zuerst daran, ehe ich lapidar auf die Frage nach meinem Beruf antworte: "Ich bin Rentner."
Den Beruf Buchdrucker gibt es nicht mehr und so wie sich die Dinge entwickeln, wird es auch in wenigen Jahren keine gedruckten Bücher mehr geben. Und das Wort wird einem Digidingsbums Platz gemacht haben. Die Menschheit entwickelt sich rapide zurück in's Höhlenzeitalter.
Im Wort ist Inhalt, am Wort ist Schönheit. So empfinde ich Sprache und um das Wort und um Sprache geht es mir hier. Dass heute der zweite Weihnachtsfeiertag ist, den man nicht überall auf der Welt feiert, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Johannes diese Aussage machte ... Nein. Zuerst kam mir das "Im Anfang war das Wort" in den Sinn, dann dachte ich an meinen früheren Beruf und dann schlug ich in der Bibel nach. Siehe unten:
Ohne das Wort gäbe es nichts, schreibt er. Natürlich hat er Recht. Was nicht artikuliert werden kann, in Laut oder Schrift, existiert nicht. Zumindest für Menschen. Andere Tiere haben ihre eigene Art der Verständigung. So viel zur Einleitung.
Buchdrucker wurde ich nicht aus Neigung. Welcher 14jährige möchte schon Buchdrucker werden? Mir schwebte eher eine Schauspieler- oder Opernsänger-Karriere vor! Pilot war Anfang der 50er Jahre noch kein Beruf für Deutsche und Lokomotivführer war ja mein Vater schon gewesen und ... aber das ist eine andere, traurige Geschichte. Als die "Berufsberatung" des Arbeitsamts dann in die Volksschule in Waldenbuch kam und ich mich für den Buchdruckerberuf als "tauglich" erwies, fand man eine Lehrstelle für mich.
An meine Lehrzeit erinnere ich mich nur ungern, schließlich war ich in der Pubertät, aber an solche Komplikationen dachte man damals nicht. Aber ich erlernte den Beruf, der schließlich das größte Abenteuer meines Lebens wurde. Ich wurde integriert in die Welt der Bücher!
Lesen war schon immer eine meiner Leidenschaften. Ich las schon in der Schulzeit jedes Buch das ich in die Hand bekam, und es waren nie genug. Jetzt lernte ich wie sie entstanden. Wie zu Gutenbergs Zeiten erstellte ich aus beweglichen Bleibuchstaben Schriftseiten mit Winkelhaken, Satzschiff und Kolumnenschnur. Ich erlernte das Korrekturlesen und schließlich, nach diesem halben Jahr der Vorbereitung und der Eignungsprüfung überhaupt, die "schwarze Kunst".
Ein im Buchdruckverfahren erstelltes Druckwerk erkennt man an der Schattierung. Das ist der Abdruck einer Seite, der sich auf der Rückseite in leichtem Relief zeigt. Je geringer diese Schattierung zu sehen ist, desto hochwertiger ist der Druck. Nicht alle Buchstaben, oder ganze Regionen der Seite, zeigen eine gleichmäßige Schattierung und dementsprechend ist auch das Druckbild mehr oder weniger gleichmäßig eingefärbt. Die Kunst diese Unregelmäßigkeiten auszugleichen bestand in der "Zurichtung", mehreren Lagen von Seidenpapier, die auf dem Druckzylinder aufgebracht wurden ... Druckformen schließen. Färbung konstant halten. Papier aufsetzen. Walzen und Farbkasten reinigen ...
Heute wurde mir bewusst, wie viel ich erlernt habe und dass das alles verloren ist. Der Beruf ist "ausgestorben".
Bücher sind Wunder, Seite für Seite und Wort für Wort. Sie leben so lange der Mensch liest.
Siehe ...

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